23:05 20 November 2019
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    Der Raketenzerstörer USS Mason während eines Manövers (Archivbild)

    „Hyperschnell“-Geschosse aus den USA: Lahm und teuer… nur ein lauter Knall?

    © Foto: U.S. Navy / Mass Communication Specialist 2nd Class Rob Aylward
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    Deutlich teurer als geplant, viel langsamer als nötig und zudem ziemlich ungenau – das sind die „Hyperschnell“-Geschosse HVP (High Velocity Projectile), die die US-Marine getestet und zur „wirkungsvollen Waffe“ erklärt hat, schreibt das Portal „Swesda“. Die Munition kann sich dabei nicht mal mit russischen Standardgeschossen messen lassen.

    Die US Navy testete im vergangenen Sommer ein „Hyperschnelles Projektil“ – im Englischen kurz: HVP. Ein Zerstörer feuerte 20 dieser Geschosse aus einer Standardkanone bei der Marineübung RIMPAC-2018 ab, schrieb das amerikanische Fachportal „USNI News“ kürzlich. Sputnik berichtete darüber.

    Bei den Schusstests sei es darum gegangen, zu zeigen, dass „eine 40 Jahre alte Deckkanone“ noch als eine „effektive und kostengünstige Waffe gegen Flugkörper und Drohnen“ eingesetzt werden könne. Die „hyperschnellen Projektile“ wurden aus einer Mk-45-Kanone des Zerstörers USS Dewey abgefeuert. Das 127-mm-Geschütz steht seit 1971 im Dienst der US Navy. Es wurde vom Hersteller BAE Systems mehrmals modernisiert.

    Wie der Test bei der RIMPAC-Übung im Sommer ausging, ist ziemlich verblüffend. Um es gleich zu sagen: Nicht wegen etwaiger Erfolge des „hyperschnellen Projektils“. Vielmehr wurde deutlich, dass die Erwartungen an das HVP überhöht waren. Schon die Bezeichnung „hyperschnell“ ist eine Übertreibung, schreibt das Portal „Swesda“.

    Die Projektile waren einst für die elektromagnetische Railgun entwickelt worden. Diese sollte auf dem Zerstörer „Zumwalt“ installiert werden. Aus den Plänen wurde aber nichts: Zu hoch sind die Entwicklungs- und Einsatzkosten, zu ineffektiv die Geschosse selbst, schreibt das Portal.

    Der Rüstungskonzern BAE Systems hatte 2012 mit den Arbeiten am HVP begonnen. Ein Mehrzweckgeschoss wollte das Pentagon haben, das mit unterschiedlichen land- und seebasierten Waffensystemen kompatibel sein sollte. Und natürlich „hyperschnell“.

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    Beim Abschuss aus der Railgun erreichte das HVP tatsächlich Hyperschallgeschwindigkeit. Beim Abfeuern aus einem gewöhnlichen Geschütz mittels Treibladung betrug die Spitzengeschwindigkeit des Projektils aber 3.186 Kilometer pro Stunde – gerademal das Dreifache des Schalls. Diese Daten wurden laut dem Portal in einem Bericht für den US Kongress veröffentlicht.

    Die Nutzung der Railguns auf den „Zumwalt“-Zerstörern der US-Marine ist, wie gesagt, nicht mehr vorgesehen. Stattdessen werden die Kriegsschiffe laut dem Portal mit den sog. Advanced Gun Systems bestückt, mit 155-mm-großen Haubitzen. Geladen wird das Kanonensystem mit den smarten Langstreckengeschossen LRLAP.

    Wie teuer die Entwicklung der Railgun wirklich war, verschweigt das Pentagon. Und die Wunderwaffe wäre wohl endgültig in der Versenkung verschwunden, hätten die Russen nicht verkündet, den hyperschallschnellen Antischiffsflugkörper „Zirkon“ erfolgreich getestet zu haben. Die Amerikaner mussten nachziehen, so das Portal.

    Will die US Navy die HVPs doch noch einsetzen, muss sie die besagten Mk45-Deckkanonen dafür nutzen. Hyperhohes Tempo erreichen die daraus abgeschossenen Projektile aber nicht.

    Außerdem: Es fehlen laut dem Portal auch Angaben zu Steuerungssystemen der HVPs. Dass am Geschoss ein Leitflossenwerk angebracht ist, sagt an sich noch gar nichts über die Steuerbarkeit des Projektils aus, so „Swesda“.

    Drittens: Die Kosten. Die sind beim HVP extrem hoch, schreibt das Portal. 25 Tausend Dollar pro Schuss hatte das Pentagon ursprünglich veranschlagt. Nach den Schusstests 2018 erklärten US-Experten aber, man müsse im besten Fall mit 75 bis 100 Tausend Dollar rechnen.

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    Und viertens: Die HVPs erfüllen offensichtlich nicht mal den Einsatzzweck einer „Waffe gegen Flugkörper und Drohnen“, schreibt „Swesda“. Es ist nämlich so, dass jedes Geschoss unabhängig von der Bauart im Flug von der vorgegebenen Route abweicht.

    Ein Maß für Abweichung ist der sogenannte Streukreisradius. Beim hochpräzisen „Excalibur“-Geschoss beträgt dieser bis zu 20 Meter, was einer Kreisfläche von 1.256 Quadratmetern entspricht, so das Portal. Deswegen wird zum Abschuss von Luftzielen Splittermunition verwendet, die in der Breite wirkt. HVPs sind hingegen aus einer Legierung gegossene Metallbarren.

    Ja, heutige Feuerleitradare verringern den Streukreisradius von Geschossen erheblich. Aber gegen gewöhnliche Splitterprojektile ist ein HVP laut dem Portal eindeutig im Nachteil. Es ist von seiner Konstruktion her eben ein Wuchtgeschoss.

    Und zwar eines, das den russischen Geschossen in puncto Geschwindigkeit weit hinterherhinkt: Die Wuchtgeschosse, die zur Normbewaffnung der russischen Kampfpanzer vom T-72 bis zum T-14 „Armata“ zählen, erreichen eine Geschwindigkeit von 6.480 km/h – das Doppelte eines HVPs, das aus einer Mk45-Kanone abgefeuert wurde.

    Das Einzige, womit die Entwickler dieser „hyperschnellen“ Munition wirklich begeistern, ist ihre Fähigkeit, ein noch so schlechtes Testergebnis lauthals als Erfolg zu deklarieren, so das Portal.

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    Tags:
    Hyperschallwaffen, Railgun, Kanone, Kriegsschiffe, Panzer T-14 Armata, USS Zumwalt, T-72-Panzer, U.S. Navy, USA, Russland