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13:55 14 Oktober 2019
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    Zwei chinesische Tarnkappenjets des Typs J-20 bei Airshow China 2018 (Archivbild)

    Chinas „Adler“ mit neuer Funktion: Tarnkappenjet J-20 wird zum Allrounder

    © AP Photo / Kin Cheung
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    Der chinesische Luftfahrtkonzern CAC will eine weitere Version des Tarnkappenjets J-20 bauen. Der ursprünglich für den Luftkampf konzipierte Kampfjet soll bald auch als schwerer Jagdbomber, Aufklärer und bordbasierter Mehrzweckjäger dienen.

    Um dem erweiterten Einsatzspektrum gerecht zu werden, wird das Ein-Mann-Cockpit der jetzigen Maschine um einen weiteren Sitz erweitert. Es entsteht der erste doppelsitzige Stealth-Jet der 5. Generation, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“.

    Die Spezialisten des CAC-Konzerns beobachten permanent, wie sich die J-20 im aktiven Dienst verhält, und nehmen laufend Verbesserungen an der Maschine vor, sagt der Chefentwickler des Kampfjets, Yang Wei, laut dem Portal. So entstehen auf der Basis des „Schwarzen Adlers“, wie die J-20 auch genannt wird, neue Modifikationen mit besseren Fähigkeiten.

    Dem Portal gemäß wollen die Entwickler unter anderem bei den Bordsystemen der J-20 nachlegen: Das Navigationssystem und die Feuerleitanlage sollen verbessert werden.

    Kritiker werfen den chinesischen Ingenieuren indes vor, ihr Flugzeug sei keine Eigenentwicklung, sondern vielmehr aus Komponenten zusammengebaut, die sie bei anderen Herstellern abgekupfert hätten. Vor allem amerikanische Konzerne beklagen sich, so das Portal, dass der chinesische Hersteller ihr geistiges Eigentum stehle.

    Auch aus Russland heißt es mitunter, bestimmte Bauteile der J-20 seien eine Raubkopie. Die Triebwerke des chinesischen Tarnkappenjets seien kein Lizenznachbau, sondern aus Teilen von Motoren entstanden, die in Russland hergestellt wurden.

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    Die besagten Strahltriebwerke werden in den russischen Kampfjets Su-27 und Su-30 verbaut. Und tatsächlich flogen die ersten beiden Prototypen der J-20 mit diesen Motoren, schreibt das Portal. In den Serienmaschinen kommen jedoch Triebwerke aus ausschließlich chinesischer Fertigung zum Einsatz – wenn sie bei den Leistungsparametern den russischen auch ähnlich sind.

    Mehr noch: Für die doppelsitzige Variante der J-20 entstehen stärkere Motoren mit größerer Schubkraft, schreibt „Swobodnaja pressa“. Durch das Leistungsplus erhöht sich auch die Nutzlast der Maschine. Folglich kann die doppelsitzige J-20 als Bomber mehr Waffen oder als Aufklärer mehr Treibstoff aufnehmen und länger patrouillieren.

    Insgesamt ist über das neue Flugzeug wegen der Geheimhaltung wenig bekannt. Nur die Eckdaten kennt man: Leergewicht – 19300 Kilogramm, max. Startgewicht – 36300 Kilogramm; Nutzlast – 11 Tonnen; Spitzentempo – 2600 km/h; max. Reichweite – 5500 Kilometer, Einsatzradius – 2000 Kilometer; max. Einsatzhöhe – 20.000 Meter.

    Da weitere Daten nicht verfügbar sind, können Fachleute nur raten, ob die J-20 den Anforderungen an einen Kampfjet der 5. Generation wirklich erfüllt, schreibt das Portal. Skeptiker mutmaßen, das Flugzeug habe kein Radar mit einer Phased-Array-Antenne. Unklar ist auch, wie es um die Unsichtbarkeit der Maschine steht.

    Was man laut dem Portal definitiv sagen kann: Mit Motoren, die ähnlich leistungsstark sind, wie die Triebwerke der Su-27, ist ein Überschallflug ohne Nachbrenner kaum möglich. Dies ist aber eine der zentralen Anforderungen an einen Jäger der 5. Generation.

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    Der unbestrittene Vorteil der J-20 ist ihr großräumiger Waffenschacht: Bis zu sieben Luft-Luft-Raketen passen hinein. Bei einer Standard-Patrouille müssen deshalb keine weiteren Flugkörper an den Tragflächen angebracht werden, wodurch sowohl die Unsichtbarkeit als auch die Aerodynamik der Maschine verschlechtert würden.

    Der russische Kampfjet vom Typ Su-33
    © Sputnik / Press service of the Northern Fleet/Andrey Luzik

    Erst vor kurzem haben chinesische Ingenieure die Entwicklung der PL-15-Rakete abgeschlossen. Mit 190 Kilometern Reichweite fliegt dieser Langstreckenflugkörper für den Luft-Luft-Einsatz zehn Kilometer weiter als der Rivale aus den USA, der Flugkörper AIM-120. Die Geschwindigkeit der chinesischen Rakete: 4,5 bis 5 Mach. Ihr Ziel erfasst die PL-15 mittels eines Radarsuchkopfs und eines Infrarotsensors, was die Abwehr der Rakete erschwert.

    Dass der „Schwarze Adler“ eine Luft-Luft-Rakete mit großer Reichweite erhält, ist ein Bedrohungsfaktor für die US Air Force, schreibt das Portal. Denn durch den neuen Flugkörper wird die amerikanische Luftwaffe daran gehindert, Einsätze in unmittelbarer Nähe zum chinesischen Staatsgebiet zu fliegen.

    Ohne die Beteiligung von Tank- und AWACS-Flugzeugen sind solche Einsätze nur schwer möglich. Und genau diese Flugzeugtypen sind für die chinesische Rakete eine leichte Beute.

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    Tags:
    Tarnkappentechnologie, Kampfjet, Raketen, F-35, J-20, Su-30, Su-27, USA, Russland, China