23:46 24 April 2019
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    Start einer ballistischen Interkontinentalrakete des Typs Topol vom Testgelände Kapustin Jar (Archivbild)

    „Unheimliche Lichtkuppel“: US Air Force-Veteran erzählt von Raketentest in der UdSSR

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    Ein Aufklärungsjet der US Air Force beobachtet den Start einer sowjetischen Mittelstreckenrakete. Die Piloten trauen ihren Augen nicht, als sie sehen, dass eine „Lichtkuppel“ unerklärlichen Ursprungs den Flugkörper umgibt. Ist das etwa ein Radarschirm oder so was? Einer der Piloten, die dabei waren, berichtet.

    Ein Raketentestgelände auf der Halbinsel Kamtschatka, 1988: Sowjetische Streitkräfte testen das Raketensystem RSD-10, in der Nato bezeichnet als SS-20. Zur selben Zeit dient der Pilot Robert Hopkins beim 24. strategischen Aufklärungsgeschwader der US Air Force. Stationiert ist die Einheit auf einem Stützpunkt in Alaska. Von dort aus fliegen Hopkins und seine Kollegen mit einer RC-135S Cobra Ball zu Aufklärungseinsätzen, um Informationen über die Raketentests zu sammeln.

    So auch an einem Abend Ende 1988, berichtet Robert Hopkins im Fachblatt „The Drive“. Erst sei der Flug planmäßig verlaufen, dann aber sei der Besatzung des Aufklärungsjets etwas Sonderbares aufgefallen: eine Art halbdurchsichtige milchweiße Mauer, die sich über sowjetischem Gebiet in Richtung des Pazifiks bewegt habe, erzählt der Luftwaffenveteran.

    War das eine Halluzination? Eine Lichtspiegelung? Aber an dem Abend waren laut Hopkins weder Sterne noch der Mond am Himmel zu sehen. Die Piloten seien derart perplex gewesen, dass sie sich gegenseitig gefragt hätten, ob sie alle das Gleiche gesehen hätten.

    Die Crew meldete die seltsame Erscheinung an die Vorgesetzten, eine Sonderabteilung der US Air Force leitete Ermittlungen ein. Ohne wirkliches Ergebnis: Was die Fachleute in der Hand hatten, waren nichts als Vermutungen und Hypothesen. Etwa, dass die Erscheinung vom Raketentriebwerk oder der Startrampe verursacht worden sei, um amerikanische Aufklärungssatelliten beim Start der Rakete zu blenden, schreibt „The Drive“.

    Europas Alptraum

    Das RSD-10 war ein mobiles bodengestütztes Raketensystem mit einer zweistufigen ballistischen Mittelstreckenrakete mit Feststoffantrieb. Nato-Code: SS-20. Das Waffensystem wurde 1976 in Dienst gestellt, als Nachfolger der im europäischen Teil der Sowjetunion und in Sibirien stationierten Raketen R-12, R-14 und R-16. Fachleute nannten das RSD-10 auch „Europas Alptraum“.

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    In der 15-jährigen Dienstzeit des RDS-10 gab es keinen einzigen Vorfall, bei dem es zur Zerstörung der Rakete gekommen wäre. Die Rakete wurde insgesamt 190 Mal abgefeuert, alle Schusstests verliefen erfolgreich. Die Trefferwahrscheinlichkeit betrug 98 Prozent. Bis 1991 stand das RSD-10 im Dienst der sowjetischen Streitkräfte, dann wurde es gemäß dem INF-Vertrag liquidiert.

    Der INF-Vertrag wurde am 8. Dezember 1987 von Michail Gorbatschow und Ronald Reagan in Washington unterzeichnet. Wirksam wurde er am 1. Juni 1988. Darin verpflichteten sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Vernichtung aller bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörper mittlerer und kurzer Reichweite (1.000 bis 5.500 bzw. 500 bis 1.000 Kilometer). Die Vertragsseiten vereinbarten auch, in Zukunft auf die Herstellung, Erprobung und Stationierung solcher Flugkörper zu verzichten.

    Im Juni 1991 war der INF-Vertrag erfüllt: Die UdSSR hatte 1.846 Raketensysteme vernichtet (rund die Hälfte davon waren fertiggestellte Raketen, die noch nicht in Dienst gestellt worden waren), die USA zerstörten 846 Waffensysteme.

    Nach gegenseitigen Vorwürfen der Nicht-Einhaltung der Vertragsbestimmungen haben beide Seiten im Februar 2019 erklärt, die Umsetzung des INF-Vertrags auszusetzen.

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    Tags:
    Mittelstreckenraketen, Aufklärungsflugzeug, Veteran, Geheimnis, Aufklärung, Technologien, Radaranlage, RC-135, INF-Vertrag, US Air Force USAF, USAF, Ronald Reagan, Michail Gorbatschow, Sowjetunion, UdSSR, USA, Russland