Widgets Magazine
12:28 20 August 2019
SNA Radio
    Fregatte IS Alvand der iranischen Seestreitkräfte (Archivbild)

    Bissig im Persischen Golf: Was die iranische Marine heute leisten kann

    © AP Photo /
    Technik
    Zum Kurzlink
    Nikolai Protopopow
    920212

    Der Iran hat seine Marine in den letzten Jahren verstärken können – trotz der schweren Sanktionen, die gegen das Land verhängt wurden. Sogar einen Zerstörer haben die Iraner aus eigener Kraft gebaut. Und vor wenigen Tagen haben iranische Seeleute ein neues U-Boot mit Marschflugkörpern erhalten.

    Die „Fateh“ ist für die iranischen Schiffsbauer ein großer Schritt nach vorn. Das U-Boot mit einer Wasserverdrängung von 600 Tonnen ist nach Angaben des Militärs mit neuesten Waffen bestückt, die sowohl bei Tauchfahrt als auch über Wasser eingesetzt werden können. Bis zu 200 Meter tief taucht die „Fateh“, bis zu einem Monat lang kann das Boot autonom operieren.

    Eigentlich ist die iranische U-Boot-Flotte relativ klein. Das Rückgrat bilden Mini-Boote der „Ghadir“-Klasse. Aufklärungseinsätze, Minenlegen und unauffälliges Verlegen von Spezialeinheiten sind ihre Bestimmung. Rund 20 dieser U-Boote stehen im Dienst der iranischen Seestreitkräfte.

    Iranische Mini-Boote der „Ghadir“-Klasse (Archivbild)
    © AP Photo / Fars News Agency / Ebrahim Norouzi
    Iranische Mini-Boote der „Ghadir“-Klasse (Archivbild)

    Dass diese Boote klein sind (rund 30 Meter lang), ist gerade ihr größter Vorteil: Sie sind schwer zu entdecken. Der Nachteil der „Ghadir“ ist die ziemlich schwache Bewaffnung: Im Ernstfall müssen die Mini-U-Boote mit nur zwei Torpedorohren auskommen – Kaliber 533 mm.

    „Takavaran“ zum Beispiel, eine Sondereinheit der iranischen Marine, nutzt die Mini-U-Boote für Geheimeinsätze. Die Spezialkräfte sammeln Daten über Schiffsverbände im Persischen Golf und bekämpfen Piraten im Golf von Aden. Bei Bedarf können sie Schiffe und Objekte entern, Geiseln befreien oder auf Marinebasen des Gegners blitzartig zuschlagen.

    Einen Flugzeugträgerverband, einen Kreuzer oder Zerstörer aufhalten – nein, das können die Mini-U-Boote nicht. Aber die Einfahrt in den Persischen Golf blockieren, dazu eignen sich die „Ghadir“ perfekt – gerade wegen der geringen Abmessungen und ihrer Wendigkeit, sagen Experten.

    Zudem hat die iranische Marine drei U-Boote der „Paltus“-Klasse im Bestand. Russland hatte die Boote noch in den Neunzigern geliefert. Eigentlich hätten es sechs U-Boote sein sollen, aber Washington machte Druck und Moskau hat die Auslieferung eingefroren.

    Manöver der iranischen Marine (Archivbild)
    © AP Photo / IIPA / Ali Mohammadi
    Manöver der iranischen Marine (Archivbild)

    Schon die drei ausgelieferten „Paltus“-Boote hatten die USA dermaßen beunruhigt, dass sie ein Atom-U-Boot in den Persischen Golf entsandten und den dort aktiven Flugzeugträgerverband verstärkten. Die US Navy hielt massive Manöver ab, um die Bewegungen der iranischen U-Boote zu überwachen.

    Gegenwärtig hat der Iran große Schwierigkeiten, Ersatzteile für die U-Boote zu beschaffen. Auf längere Einsatzfahrten etwa im Indischen Ozean muss die iranische Marine deshalb verzichten.

    „Das Problem ist, dass der Iran wenig Erfahrungen im Schiffsbau hat. Die ‚Fateh‘ ist nach gängigen Maßstäben zwar ziemlich klein, aber für die Iraner ist sie dennoch ein Durchbruch, weil sie bislang nur Mini-U-Boote mit einer Wasserverdrängung von 120 Tonnen bauten“, erklärt Militärexperte Juri Ljamin.

    Größere Technik einfach im Ausland kaufen kann Teheran auch nicht: „Es ist derzeit verboten, Schiffe mit einer Wasserverdrängung von mehr als 500 Tonnen oder gar weniger an den Iran zu liefern, wenn sie Raketen oder Torpedos mit einer Reichweite von über 25 Kilometern tragen können“, so der Fachmann.

    >>>Mehr zum Thema: Iran will Kriegsschiffe in den Atlantik entsenden<<<

    Für Einsätze über Wasser stehen den Iranern hauptsächlich Schnellboote mit kleineren Lenkwaffen zur Verfügung. Davon hat die iranische Marine rund drei Dutzend. Zu größeren Kampfgruppen formiert, können die bissigen Boote auch größeren Zielen gefährlich werden. Das hat das iranische Militär im Krieg gegen den Irak demonstriert: Schwärme von Schnellbooten griffen Frachtkonvois und Ölplattformen des Gegners an.

    „Die iranische Marine konzentriert sich auf Einsätze in Küstengewässern“, erklärt Experte Ljamin. „Im Konfliktfall werden die Iraner den Gegner natürlich nicht besiegen, aber sicherlich empfindlich treffen können. Zum Beispiel, wenn sie die sehr enge Straße von Hormus blockieren. Die US Navy würde die Blockade natürlich aufbrechen können – aber um welchen Preis? Die Iraner zeigen, dass so ein Krieg den Gegner teuer zu stehen käme. Die iranischen Marine ist also ein mäßigender Faktor.“  

    Ein paar Nummern größer ist die „Alvand“-Klasse: eine in den Siebzigern von Großbritannien erworbene Fregatte. Drei Stück setzen die Iraner heute ein, hauptsächlich zu Patrouillen in den eigenen Territorialgewässern. Das Schwergewicht der iranischen Seestreitkräfte ist aber die „Sahand“: ein Zerstörer, der erst im vergangenen Dezember in Dienst gestellt wurde.

    Manöver der iranischen Streitkräfte im Golf von Oman (Archivbild)
    © AP Photo / YJC / Mohammad Ali Marizad
    Manöver der iranischen Streitkräfte im Golf von Oman (Archivbild)

    Ausschließlich von iranischen Fachleuten entwickelt und gebaut, greift der Zerstörer zwar auf die „Alvand“-Klasse als technische Grundlage zurück, ist aber deutlich wendiger, agiler und kampfstärker als die britische Fregatte.

    Torpedos, Geschütze und Lenkwaffen hat der Zerstörer an Bord. Es ist das modernste Schiff der iranischen Marine, für den Einsatz auch fernab der heimischen Küste in internationalen Gewässern. Für dieses Jahr ist eine längere Fahrt der „Sahand“ in den Atlantik geplant.

    Nahost-Experte Jewgeni Satanowski sagt, der heutige Iran sei eine militärtechnisch ernstzunehmende Macht: „Die Iraner sind gute Spezialisten, betreiben parallel ein Weltraum- und ein Atomprogramm, haben eine hochentwickelte Rüstungsindustrie.“

    Trotzdem: Noch seien die Iraner selbst der israelischen Marine unterlegen. „Die Israelis verfügen über mehr Möglichkeiten und mehr Erfahrung. Ihre U-Boote sind mit nuklearfähigen Marschflugkörpern bestückt“, so der Experte. „Der Iran muss versuchen, diesen Nachteil auszugleichen. Und die neue ‚Fateh‘-Klasse ist ein richtiger Schritt in diese Richtung.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    U-Boot, Kriegsschiffe, Fregatte, Kriegsflotte, Seestreitkräfte, Marine, Fateh, U-Boot Fateh, Nahost, Westen, Großbritannien, Persischer Golf, USA, Iran