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21:41 15 Oktober 2019
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    Ein Soldat mit einer Kalaschnikow-Maschinenpistole

    Syrien als Leistungsnachweis russischer Waffen: Kalaschnikow-Chef EXKLUSIV

    © Foto: Pressedienst des Kalaschnikow-Konzerns
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    In einem Interview erzählt der Generaldirektor des Konzerns Kalaschnikow über neuartige russische Waffen, russischen Rüstungsexport und die Auswirkungen der Sanktionen.

    Für die Kalaschnikow-Gewehre der neuesten 200. Serie wurde die Exportgenehmigung erteilt. Werden die neuen Gewehre die derzeit genutzten Waffen ersetzen?

    Die AK der 200. Serie sind die logische Fortsetzung unseres traditionellsten Produktes. Sie entsprechen in größerem Maße den Anforderungen an ein modernes automatisches Gewehr, modernes Sturmgewehr, obwohl das Erzeugnis teurer als das Basisprodukt ist. Unseres Erachtens ist das Preis-Leistungs-Verhältnis beim Erzeugnis deutlich ausgewogener.  Heute kommt man im Nahkampf nicht ohne moderne Optik aus, was das taktische Potential der Waffen deutlich erweitert. Deswegen wird es unvermeidlich zum Übergang zur neuen Waffe kommen. Die Picatinny-Schiene auf dem Gewehrkasten ist wohl für alle notwendig.

    Werden sie außerhalb Russlands hergestellt?

    Wir erörtern diese Option.

    Mit welchen Ländern?

    Bislang ist es zu früh, darüber zu sprechen. Ich kann nur sagen, dass nach den Verhandlungen mit Indien dort die AK-203 bzw. eine der Modifikationen hergestellt wird.

    Und im Nahen Osten?

    Bislang gibt es nur Gespräche und Diskussionen.

    Wie wirken sich die antirussischen Sanktionen auf die Tätigkeit des Konzerns aus? Stören sie die Arbeit mit Partnern im Nahen Osten?

    Die Sanktionen wirken sich negativ auf unsere Arbeit aus. Für uns ist es deutlich schwieriger geworden, mit potentiellen Kunden zusammenzuwirken. Das betrifft nicht nur die Zahlungsabwicklung, auch Verhandlungen werden zum Problem.

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    Dabei sagte der Chef der Holding Rostec, Sergej Tschemesow, gestern, dass der Export der Kalaschnikows nach der Verhängung der Sanktionen um das 6,5-fache gestiegen sei.

    Das stimmt auch. Im vergangenen Jahr verbuchten wir einen Rekord beim Export-Erlös. Wenn ich sage, dass die Sanktionen die Arbeit erschweren, heißt das nicht, dass wir stehen bleiben.

    Welche Produkte des Konzerns werden vor allem im Nahen Osten gekauft?

    Traditionell werden im Nahen Osten viele unserer Schützenerzeugnisse erworben. Dazu gehören verschiedene Modifikationen der Kalaschnikow-Gewehre. Der Nahe Osten zeigt großes Interesse an Erzeugnissen unseres Schiffbau-Clusters. Konkret handelt es sich um Landungsboote. Ich sehe auch ein großes Potential für unsere Hochgeschwindigkeitsschiffe mit Unterwassertragflügeln. Ich spreche von „Komet“.

    Erläutern Sie bitte Näheres zu „Komet“.

    Russland war einer der Anführer bei der Produktion der Schiffe mit Unterwassertragflügeln. Und es war Russland, das als Erster eine solche Möglichkeit schuf. Ende der 1990er-Jahre wurde die Produktion solcher Schiffe auf Eis gelegt. Im vergangenen Jahr nahmen wir sie wieder auf und produzierten das erste Schiff, das jetzt vor der Krim unterwegs ist und zwei Städte verbindet. Das Fassungsvermögen beläuft sich auf 120 Passagiere. Der Vorteil ist, dass die Geschwindigkeit mehr als 35 Knoten ausmacht. „Komet“ ist eine energieeffiziente Lösung für die Beförderung einer Großzahl von Passagieren entlang der Meeresküste bzw. im Flussdelta. Das Schiff braucht eine Tiefe von 2,5 bis drei Metern.

    Der Straßenbau ist teuer, wenn wir über Entfernungen von 200 bis 300 Kilometer sprechen. Viel einfacher ist es, einen regelmäßigen Schiffsverkehr aufzunehmen. Warum ist diese Lösung so gut geeignet für den Nahen Osten? Große Tiefe, ein ziemlich gut entwickeltes Küstennetz, gute Wetterverhältnisse. In der Nordsee, wo alles sieben Monate pro Jahr vom Eis gefesselt ist und Stürme wüten, wird sich ein Schiff mit Unterwassertragflügeln nie rentieren. Im Nahen Osten kommt es nicht so oft zum Sturm, der Seegang ist nicht so groß, weshalb das wirtschaftlich gerechtfertigt ist.

    Welche Waffen des Konzerns wurden in Syrien getestet? Welche Erkenntnisse wurden aus den Kampfhandlungen in Syrien gezogen und dann bei der Modernisierung der Waffen des Konzerns berücksichtigt?

    Die Antiterroroperation in Syrien, die vom russischen Verteidigungsministerium durchgeführt wird, wurde zur Testplattform für zahlreiche Waffen – sowohl vorhandener, als auch in der Entwicklung befindlicher. Nach ihrer Anwendung bekommen wir ein Feedback und bearbeiten die Erzeugnisse nach. Das betrifft beinahe unsere gesamte Produktpalette. Ich kann nur an einer Hand jene Produkte aufzählen, die so perfekt waren, dass sie nicht nachgebessert werden mussten.

    Rostec-Chef Sergej Tschemesow sagte, dass in Saudi-Arabien eine Kalaschnikow-Fabrik gebaut werden soll.

    Die Unterzeichnung eines Vertrags mit Saudi-Arabien zur Herstellung der AK-130 ist jetzt in der Endphase. Bislang steht unter den arabischen Ländern Saudi-Arabien dem Start der Kalaschnikow-Produktion am nächsten.

    Am Rande der internationalen Rüstungsmesse „Army 2018“ unterzeichneten der Kalaschnikow-Konzern und das Unternehmen Mawarid Holding (VAE) ein Kooperationsmemorandum. Das Abkommen sieht erste Lieferungen elektrischer Verkehrsmittel, dem Elektromotorrad UM-1 und Elektroauto UV-4, vor. Wurde es geschafft, in die Umsetzung dieses Abkommens überzugehen?

    Wir haben ein Memorandum über das Zusammenwirken unterzeichnet. Vorerst wurde kein Lieferungsvertrag abgeschlossen. Wir führen einen Dialog, aber er wurde noch nicht abgeschlossen. Der Konzern Kalaschnikow und das High-Tech-Unternehmen International Golden Group aus den VAE haben bei der Messe ein strategisches Kooperationsabkommen unterschrieben, das den Vertrieb der Kalaschnikow-Produkte in den VAE vorsieht. Unter anderem geht es um die Lieferung des ganzen Spektrums von zivilen Kalaschnikow-Produkten auf dem Nahost-Markt. Die Firma IGC ist der größte Lieferant von High-Tech-Produkten auf dem VAE-Markt.

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    Fachkräfte aus welchen Ländern werden im Rahmen des Konzerns ausgebildet?

    Wir sind uns im Klaren, dass die maximal effiziente Verwendung unserer Technologien davon abhängt, wie erfolgreich unsere Mitarbeiter erworbene Produkte einsetzen. Zweitens ist wichtig, dass sie in Gruppen arbeiten können – also müssen wir die Anwendungstaktik verstehen. Das sind die zwei wichtigsten Richtungen bei der Ausbildung der Fachkräfte – das ist unsere starke Seite. Wir haben sehr gute Instrukteure.

    Es ist günstiger, einen Instrukteur ins Ausland zu schicken, damit er unmittelbar bei dem Auftraggeber arbeitet. Dann können mehrere Instrukteure eine größere Gruppe von Spezialisten vorbereiten. Aber alles kommt auf die vorhandene Infrastruktur an. Wenn es Möglichkeiten gibt, eine besser entwickelte Infrastruktur einzusetzen, als jene, die der Auftraggeber bieten kann, dann laden wir unsere Kunden in unseren „Patriot“-Park ein. Dort haben wir ein einmaliges Schießübungszentrum. Es gibt eine 1200 Meter lange Galerie, wo Munition für praktisch alle möglichen Schusswaffen eingesetzt werden kann. In diesem Übungszentrum setzen wir unsere Programme zu taktischen Übungen auf dem Gebiet Medizin usw. um. Dafür wählen wir die besten Instrukteure aus unseren Abteilungen aus.

    Bei dieser Messe präsentierte der Kalaschnikow-Konzern eine Drohne. Könnten Sie bitte darüber ausführlicher Auskunft geben?

    Unsere Drohnen gehören aus technischer Sicht zu den absolut besten. Lassen Sie mich ein interessantes Beispiel anführen: Wir beteiligten uns einmal an einer Ausschreibung, wobei Arbeiten in einer Höhe von 3500 bis 4000 Metern vorgesehen waren. An der Ausschreibung beteiligten sich verschiedene Hersteller, unter anderem aus den USA und Israel. Wir waren die einzigen, die in dieser Höhe starten und die nötige Zeit arbeiten konnten. Eines der wichtigsten Merkmale für Drohnen ist die Flugzeit. Bei dieser Messe stellen wir die erste Schlagdrohne von Kalaschnikow vor. Das ist nicht der einzige unbemannte Flugapparat von uns, aber vorerst können wir nur ihn zeigen. Die Genehmigung für seine Präsentation haben wir erst vor zwei Wochen erhalten. Unsere Drohne kann eine große Höhe erreichen. Sie hat einen Elektromotor, und deshalb fliegt sie fast geräuschlos und lässt sich nur schwer abfangen. Die Drohne ist weiß mit einer hell-hellblauen Schattierung – sie ist vor dem Hintergrund des Himmels kaum zu sehen. Sie ist zu Sturzflügen fähig und kann sehr präzise auf das Ziel gerichtet werden. Deswegen kann sie selbst bei ihrem eher geringen Sprengstoffvorrat (nur drei Kilogramm) gegen schwere Technik des potenziellen Gegners eingesetzt werden.

    Haben Käufer aus dem Nahen Osten Interesse an der Drohne gezeigt?

    Unsere Drohne wurde zu einem der Hits bei dieser Messe. Wir führen viele Verhandlungen.

    Mit Golfländern?

    Ja.

    Könnten Sie uns bitte mehr über die neue Ausrüstung erzählen?

    Vor etwa drei Jahren begannen wir, ein ganzes System um Waffen besitzende Menschen – seien es Militärs oder Zivilpersonen – aufzubauen. Bei der Ausrüstung handelt es sich um eine der interessantesten Richtungen. Aktuell befassen wir uns mit der Entwicklung und Produktion qualitätsvoller Kleidung. Wir haben sehr gute Nähschablonen und hervorragende atmungsaktive Stoffe. Sie können bei Temperaturen zwischen —50 und +40 Grad eingesetzt werden. Wir haben eine Linie der „Smart casual“-Kleidung. Das ist bequeme Kleidung für den Alltag – sie ist selbst bei hohen Temperaturen komfortabel. Sie knittert nicht und sieht dabei sehr elegant aus – wie ein teurer Anzug aus Italien. Man kann alles auf unserer Website kaufen. Auch Zustellung ins Ausland ist möglich.

    Wie viele „Geschenk-Maschinenpistolen“ wurden im vorigen Jahr hergestellt – beispielsweise vergoldete oder inkrustierte? Und für wen wurden sie produziert?

    Russland ist eines der wenigen Länder, die Schusswaffen als Kunstwerk herstellen können. Ja, das sind im Grunde richtige Kunstwerke. Dabei sind das auch richtige Waffen für Zivilisten, die jede Person mit entsprechender Lizenz kaufen kann. Im 20. Jahrhundert wurde eine ganze Waffenproduktionsschule geschaffen, die den Namen des Meisters Leonard Wasjow trägt. Unsere Experten in Ischewsk spezialisieren sich auf die besondere Riffelung unter dem Namen „Russischer Frost“. Sie können Edelmetalle und Metalle inkrustieren.

    Die Arbeit beginnt mit der Abmessung des Auftraggebers. Gemessen werden seine Größe, Schulterbreite, die Entfernungen zwischen seinen Fingern. Sie kennen ja unseren Weltmeister im Boxen, Nikolai Walujew. Er ist ganze 2,13 Meter groß. Wir haben Waffen extra für ihn hergestellt.

    Im Schnitt dauert es für die Anfertigung einer solchen Bestellung mindestens sechs Monate. Denn es handelt sich immer um Handarbeit. Eine solche Bestellung kann man auf unserer Website in Auftrag geben.

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    Tags:
    Schiffsbau, Hersteller, Lieferung, Waffen, Sanktionen, Rostec, Kalaschnikow, Naher Osten, Indien, Russland