03:14 23 November 2019
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    Das britisch-französische Überschallverkehrsflugzeug des Typs Concorde

    Mit Überschall in die Zukunft: „Concorde“ vor 50 Jahren erstmals am Himmel

    CC BY-SA 3.0 / Florence Ramioul / Le Concorde
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    Nach der sowjetischen TU-144 hat die britisch-französische „Concorde“ Anfang März 1969 endgültig das Zeitalter des zivilen Überschallfluges eingeläutet. Das hat bis 2003 angedauert, als die westliche Maschine zum allerletzten Mal landete. Rund 27 Jahre hat die „Concorde“ insgesamt mehr als drei Millionen Passagiere mit Überschall transportiert.

    Am 2. März 1969 hob zum ersten Mal das britisch-französische Überschall-Verkehrsflugzeug „Concorde“ ab – etwa zwei Monate nach dem sowjetischen Überschall-Passagierjet TU-144. Mit der Maschine „katapultierten sich Großbritannien und Frankreich an die Spitze des zivilen Flugzeugbaus“, ist im Fachmagazin „Flug Revue“, Ausgabe 3/2019, zu lesen. Zwar war die Concorde im Zivilluftverkehr erfolgreicher als die TU-144 und flog länger. Aber sie fand auch nur zwei Kunden, wie das Heft feststellt, die nationalen Fluggesellschaften „Air France“ (AF) und die „British Airways“ (BA).

    Das lag vor allem an den USA, ist in dem Magazin zu lesen. Dort wurde in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ebenfalls an zivilen Flugzeug-Projekten mit Überschallgeschwindigkeit gearbeitet. Lockheed wollte die L-2000 aufsteigen lassen, Boeing die SST (2707) und North American die NAC-60.

    Doch Geldmangel – die USA finanzierten zur selben Zeit das Apollo-Mondflug-Programm und den Vietnam-Krieg – führten laut „Flug Revue“ zum Stopp der Projekte. Das habe zur Folge gehabt, dass die US-Regierung sogar alle zivilen Überschallflüge über Land untersagte. „Dies nahm der Concorde den erhofften Absatzmarkt von der West- bis an die Ostküste.“

    Ähnlichkeiten und Unterschiede zur TU-144

    Das Magazin beschreibt die Entwicklung der britisch-französische Überschall-Maschine. Während die Konkurrenz TU-144 für etwa 80 Passagiere ausgelegt war, konnte die Concorde bis zu 128 Fluggäste aufnehmen. Beide Jets ähnelten sich und hatten einige vergleichbare Leistungen. Beide Maschinen waren mit abklappbaren Nasen ausgestattet, damit die Piloten bei Start wie Landung eine bessere Sicht hatten. In beiden Fällen begrenzte die Reibungshitze an der Bugspitze die Höchstgeschwindigkeit. Die lag laut dem Magazin bei der „Concorde“ bei 127 Grad Celsius bei doppelter Schallgeschwindigkeit (Mach 2).

    „Dennoch unterscheiden sich beide Flugzeugmuster voneinander“, stellt das Fachmagazin „Klassiker der Luftfahrt“ in seiner aktuellen Ausgabe 3/2019 in einem Beitrag über die TU-144 fest. Das zeigte sich unter anderem bei der Reichweite, die bei dem sowjetischen Jet erst in seiner letzten Variante bei maximal 6.200 Kilometern lag, während die britisch-französische Variante immerhin auf über 6.500 Kilometer kam. Letztere kam zudem auf eine Maximale Reisegeschwindigkeit von über Mach 2, was der TU-144 nicht ganz gelang.

    Den ersten Flug absolvierte die „Concorde“ in Toulouse noch im Unterschall-Bereich und mit ausgefahrenem Fahrwerk. Die Schallgeschwindigkeit liegt  unter normalen Bedingungen bei 1233,432 km/h. Sie wird auch mit der Mach-Zahl angegeben, so bedeutet Mach 1 die Bewegung mit Schallgeschwindigkeit, Mach 2 diejenige mit der doppelten Schallgeschwindigkeit. Der britische Prototyp startete laut „Flug Revue“ fünf Wochen später im britischen Filton.

    Ölkrise verdarb das Geschäft

    Während die TU-144 das erste Mal am 5. Juni 1969 mit Überschallgeschwindigkeit flog, durchbrach die „Concorde“ am 1. Oktober desselben Jahres erstmals die Schallmauer.

    Sieben Jahre nach ihrem Erstflug, 1976, begann den Angaben nach für die britisch-französische Überschall-Maschine der reguläre Liniendienst. Die TU-144 folgte erst ein Jahr später in den Passagierliniendienst, der aber nach einem Absturz einer Testmaschine 1978 wieder eingestellt wurde. Die „Concorde“ flog immerhin bis 2003, nachdem nur die „Air France“ und die „British Airways“ sie regulär einsetzten.

    Andere ausländische Interessente an der Maschine seien in den siebziger Jahren wieder abgesprungen, nachdem durch die damalige Ölkrise das einst billige Flugzeug-Kerosin verteuerte hatte. Die „Concorde“-Triebwerke verbrauchten etwa 20 Tonnen Kerosin pro Stunde. „Dies bedeutet bei 2.000 km/h einen Verbrauch von 1.250 Liter auf 100 Kilometer“, wie der Experte Wolfgang Bredow auf seiner Website dazu schreibt.

    Trotz wegweisender Technik kommerzieller Flop

    Bei ihm ist zu lesen: „Die wegweisende Technik hatte eines nicht verhindern können. Die Concorde war von Anfang an ein kommerzieller Flop. Ursprünglich sollten rund 200 Maschinen produziert werden. Anfang der 70er Jahre zeigten die Airlines auch reges Interesse an dem schnellen Flugzeug und bestellten viele Optionen. Dann aber trat ein Sinneswandel in der Gesellschaft ein, so dass schließlich nur die beiden staatlichen Airlines ‚British Airways‘ und ‚Air France‘ je eine kleine Flotte übernahmen.“

    1973 kam es auf der Flugschau in Le Bourget bei Paris zum ersten direkten Zusammentreffen der TU-144 und der Concorde. Doch bei einer Flugvorführung am 3. Juni 1973 stürzte der sowjetische Jet vor dem Publikum ab, was für das Projekt ein herber Rückschlag war. Heute sind die sowjetische und die britisch-französische Überschallmaschine gemeinsam in Deutschland im Technik-Museum Sinsheim (Baden-Württemberg) zu bewundern.

    Katastrophe nach 24 Jahren unfallfreiem Flug

    Ein Beitrag der „Flug Revue“-Onlineausgabe zieht eine „Concorde“-Bilanz: „Über die Jahre haben die sieben BA-Concorde auf 45000 Flügen rund 205 Millionen Kilometer zurückgelegt – entsprechend etwa 200 Reisen zum Mond und zurück. Die sechs Concorde der Air France flogen in ihrer Dienstzeit mehr als 110 Millionen Kilometer oder knapp 2700 Erdumrundungen weit. Zusammen verbrachten die beiden Concorde-Flotten rund eine halbe Million Stunden im Überschallflug.“

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    Die „Concorde“ wurde im Jahr 2003 außer Dienst gestellt. Zuvor war am 25. Juli 2000 erstmal eine „Concorde“ abgestürzt, ebenfalls in Paris, wo sie brennend auf ein Hotel krachte. Bis dahin war der Jet unfallfrei geflogen. Die Katastrophe forderte 113 Todesopfer, wie die „Flug Revue“ erinnert, und hatte eine Flugsperre, aber auch technische Verbesserungen zur Folge. Dennoch hob eine „Concorde“ der „British Airways am 26. November 2003 zum allerletzten Flug der britisch-französischen Überschall-Maschine ab und landete in Bristol. Das Online-Fachmagazin „Aerotelegraph“ gibt einen Überblick, wo die noch existierenden 18 „Concorde“ zu sehen sind.

    Neue Zukunft für Überschalljets?

    In jüngster Zeit wird an neuen Projekten für ein Verkehrsflugzeug mit Überschallgeschwindigkeit gearbeitet. Die US-Firma Boom will ihren Überschall-Airliner „Ouvertüre“ im nächsten Jahr zum Erstflug starten und 2023 den regulären Flugbetrieb aufnehmen lassen. Der europäische Airbus-Konzern ist an dem Projekt AS2 für einen Überschall-Business-Jet beteiligt. Der US-Konzern Lockheed Martin kündigte im November 2018 an, bald seinen Überschall-Passagierjet X-59 QueSST bauen zu wollen und 2021 zum Erstflug abheben zu lassen.

    Auch in Russland ist ein neues Überschallflugzeug für den zivilen Gebrauch in Planung, wieder vom erfahrenen Flugzeugbauer Tupolew. Im Januar 2018 hatte Russlands Präsident Wladimir Putin davon gesprochen, dass ein ziviles russisches Überschallflugzeugs auf Basis des Überschall-Bombers Tu-160 entwickelt werden soll. Putin hat kürzlich erneut erklärt, Russland müsse „zum Überschall-Passagierverkehr zurückkehren“.

    Allerdings warnte unlängst eine Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) vor gravierenden Auswirkungen von Überschall-Passagiermaschinen für die Umwelt. Die Experten vom ICCT berufen sich vor allem auf das Projekt des US-Unternehmens Boom, das den Überschallflieger „Overture“ bis 2025 in Betrieb nehmen will. Mit den Jets würden die Treibhausgas-Emissionen aus dem Flugverkehr deutlich steigen. Im Vergleich zu einer konventionellen Maschine benötigt ein Überschallflugzeug etwa das Fünf- bis Siebenfache an Kraftstoff pro Passagier, so der ICCT. Über eine 25-jährige Nutzungsdauer der Flugzeuge gerechnet, ergibt das den Experten zufolge insgesamt 1,6 bis 2,4 Gigatonnen CO2-Emissionen.

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    Passagiere, Überschalljet, Geschwindigkeit, Unterschiede, Passagierflugzeug, Ähnlichkeit, Katastrophe, Überschallflugzeug, Jahrestag, Technik, Tu-144, Concorde, Airbus, Tu-160, Flugzeugbauer Tupolew, British Airways, Air France, Boeing, Lockheed Martin, Wladimir Putin, Sowjetunion, Baden-Württemberg, Paris, Großbritannien, USA, Frankreich, Russland