18:36 20 November 2019
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    Der venezolanische Präsident Nicolas Maduro beim Militärmanöver in Charallave

    Venezuela – und nicht nur: Wie schützt sich ein Küstenstaat, wenn die USA eindringen?

    © REUTERS / Miraflores Palace / Handout
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    Stellen wir uns eine Situation vor, die „rein fiktiv“ ist: Die USA drohen einem Staat in der Karibik mit Intervention. Die Navy schickt einen Verband aus amphibischen Angriffsschiffen und Landedocks mit Marineinfanteristen. Ein Flugzeugträger mit einer Begleitgruppe aus Kreuzern und Zerstörern macht die Drohung perfekt. Was könnte der Staat tun?

    So eine Armada wäre für die Strategen in Washington gerade gut genug, um eine Regierung in Südamerika „zur Demokratie anzuleiten“, schreibt das Portal „Swesda“. Der bedrohte Staat hätte auch nichts Nennenswertes, um den Expeditionsverband aus den USA aufzuhalten. Kleinere Schiffsverbände, eine Luftwaffe, Flugabwehrstellungen wären vorhanden. Doch das Entscheidende – Waffensysteme zum Schutz der heimischen Küste – fehlen völlig.

    Es klafft eine Lücke, weshalb es für Washington immer wieder ein Leichtes ist, Staaten und Regierungen von der „Richtigkeit“ einer Demokratie nach US-Vorbild zu überzeugen. Das ehemalige Jugoslawien, Irak und Libyen haben bereits einen hohen Preis dafür bezahlt, für den Schutz ihrer Küstengebiete nicht ausreichend getan zu haben, so das Portal.

    Die Taktik, die die Vereinigten Staaten bei Invasionen anwenden, ist immer die gleiche: Flugzeugträger schicken Jagdbomber, die Kreuzer und Zerstörer feuern Tomahawks ab, um militärische Einrichtungen und allzu häufig auch die zivile Infrastruktur zu zerstören. Sind die Abwehrstellungen zerschlagen, treten Marineinfanteristen in Aktion: Sie landen an Küsten an und erobern sukzessive Stellungen, von denen aus ein Bodenkrieg geführt werden kann.

    Um einen Interventionseinsatz durchzutakten, würden die Strategen in Washington 15 bis 20 Tage brauchen, schreibt „Swesda“. Die Marineinfanteristen in Häfen zu versammeln und sie auf Schiffe zu verladen, würde weitere zwei Tage beanspruchen. Fünf Tage würden danach vergehen, bis der komplette Expeditionsverband formiert ist und aufbrechen kann.

    Damit hätte das Angriffsziel, ein Staat wie Venezuela zum Beispiel, nach einem von Washington gestellten Ultimatum rund einen Monat Zeit, um sich auf die anstehende Invasion vorzubereiten, so das Portal.

    Beginnen würde die Invasion durch heftigen Beschuss der Abwehrstellungen. Dafür positioniert sich der Expeditionsverband rund 200 Kilometer vor der Küste des Zielstaates. Danach werden die Marineinfanteristen die Küstenstreifen besetzen, einige Spezialeinheiten werden mit Hubschraubern im Landesinneren abgesetzt, zu verdeckten Operationen. Sind Stellungen eingenommen und gesichert, folgt schweres Kampfgerät, das von amphibischen Landeschiffen und —docks herangefahren wird.

    Dieses Szenario zeigt: Einen Angriffsverband wehrt man am besten aus weiter Ferne ab, solange die Jagdbomber auf den Flugzeugträgern noch die Flügel eingeklappt haben, die Marineinfanteristen in den Kojen liegen und das schwere Kampfgerät in den Docks festgezurrt steht.

    Der Erfolg der Abwehrmaßnahmen hängt entscheidend davon ab, wie die Marine, die Luftwaffe und die Kräfte am Boden interoperieren. Nur: Nicht jedes Land kann es sich leisten, leistungsfähige See- und Luftstreitkräfte plus eine effektive landgestützte Schiffsabwehr zu unterhalten.

    Russland und China sind bislang die einzigen Länder, die zu diesem Zweck – den Eindringling auf Distanz zu halten – tiefgestaffelte Abwehrsysteme zum Schutz der heimischen Küsten geschaffen haben, schreibt „Swesda“. Andere Staaten beschränken sich darauf, lokale Abwehrstellungen einzurichten, um sog. Wertziele wie wichtige Stützpunkte zum Beispiel zu schützen.

    Bis zu 600 Kilometer – auf diese Distanz können landgestützte Schiffsabwehrsysteme aus Russland den Eindringling bekämpfen. Das mächtige Bollwerk besteht aus drei Waffenanlagen: „Bal“ und „Bastion“ sind Raketensysteme, „Bereg“ ist ein Geschütz. Je nach Waffenart unterscheidet sich auch die Einsatztaktik: Die Artillerieraketen bekämpfen Angriffs- und Landeschiffe aus großer Entfernung, das Geschütz wirkt auf Landeboote und bereits abgesetzte Landekräfte in direkter Küstennähe.

    Alle drei Waffensystem sind auf hochmobilen Fahrgestellen aufgebaut, können rasch und unbemerkt dort eine Abwehr aufbauen, wo der Gegner sie am wenigsten vermutet. Auch sind sie luftverlastbar und können mit den gängigen Transportflugzeugen der russischen Luftstreitkräfte überallhin verlegt werden – sei es Kamtschatka oder Syrien, so das Portal.

    Die großen Drei – „Bal“, „Bastion“ und „Bereg“ – können also durchaus ein „Korrektiv“ für die Angriffs- und Invasionspläne Washingtons sein: Diese Wehrtechnik kann Expeditionseinsätze zumindest gehörig durcheinanderbringen – oder gleich vereiteln, schreibt das Portal.

    Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Kürzlich haben ranghohe US-Militärs ein Grenzgebiet in Kolumbien besucht, in direkter Nähe zu Venezuela. Dort, an der venezolanischen Grenze, entsteht gerade laut Medienberichten die Kommandozentrale einer „sogenannten humanitären Operation – oder, wenn man die Dinge beim Namen nennt, einer humanitären Intervention“, erklärte unlängst die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa laut dem Portal.

    In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass vor gar nicht so langer Zeit erst eine relativ kleine Verstärkung durch die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte einer nahezu vernichteten syrischen Armee geholfen hat, ein Terroristenheer von rund 2.000 Mann zu zerschlagen, die bis an die Zähne mit neuesten Waffen aus den USA und anderen Nato-Ländern bewaffnet waren.

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    Tags:
    Küstenschutz, Intervention, Invasion, Raketenkomplex Bal, Tomahawk-Marschflugkörper, Bastion-System, Maria Sacharowa, Südamerika, Lateinamerika, Venezuela, USA, Russland