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05:38 15 Oktober 2019
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    Start einer ukrainischen Trägerrakete vom Typ Zenit (Symbolbild)

    Insider: Sea Launch verabschiedet sich von ukrainischen Zenit-Trägerraketen

    CC BY 2.0 / Steve Jurvetson / Sea Launch at Sea
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    Das russische Privatunternehmen S7 Space, der Besitzer des schwimmenden Weltraumbahnhofs Sea Launch am Äquator, will laut Sputnik-Informationen aus der Branche den vor zwei Jahren geschlossenen Vertrag über den Bau Zenit-Raketen mit dem ukrainischen Betrieb Juschmasch stornieren. Die Produktion von zwölf Trägerraketen steht damit auf der Kippe.

    „Die Leitung von S7 Space hat die ukrainische Produktionsvereinigung Juschmasch über eine Aussetzung und eine geplante Kündigung des Vertrags in Kenntnis gesetzt“, erfuhr Sputnik aus den russischen Raumfahrtkreisen. Ein Vertreter von S7 Space bestätigte die geplante Vertragskündigung inoffiziell. Wie es hieß, soll die Produktion im April auf dem jetzigen Stand „auf Eis gelegt“ werden.

    Die Juschmasch-Leitung hat sich jeglichen Kommentars dazu enthalten. Der Pressedienst von S7 Space sagte gegenüber Sputnik, der Vertrag sei gültig, gab jedoch keinen Kommentar hinsichtlich des weiteren Verlaufs des Deals ab. Wie es bei der russischen Weltraumbehörde Roskosmos hieß, lägen ihr keine Informationen über eine mögliche Vertragskündigung vor. Bis zum Jahr 2014 hatten in der Ukraine ansässige Betriebe von rund 80 Prozent der Bauteile für die Zenit-Raketen hergestellt.

    Der Vertrag zwischen „S7 Sea Launch Limited“ (US-amerikanische Vertretung von S7 Space) und dem ukrainischen Yuzhmash über den Bau von zwölf Zenit-Raketen war am 28. April 2017 geschlossen worden. Die Trägerraketen sollten im Rahmen der Programme „Sea Launch“ und „Land Launch“ (Starts vom Raumbahnhof Baikonur) eingesetzt werden. Die beiden ersten Raketen sollten in den Jahren 2018 und 2019 fertig sein. Wie Sputnik aus einer weiteren Quelle in der russischen Raumfahrt-Branche erfuhr, habe S7 Space einen Teil der vertraglich festgelegten Geldsumme – rund 30 Millionen US-Dollar – an Yuzhmash gezahlt.

    Der schwimmende Raumbahnhof „Sea Launch“ wurde 2014, nach seinem bisher letzten Raketenstart, eingemottet. Wegen der Verschlechterung der russisch-ukrainischen Beziehungen hatte die russische Holding Energomash nämlich keine Raketentriebwerke RD-171 mehr geliefert, die an die Zenit-Raketen von Yuzhmash angepasst waren.

    Die Gruppe S7 hatte im April 2018 den Kauf des gesamten „Sea Launch“-Vermögens – darunter des Schiffes „Sea Launch Commander“, der Plattform Odyssey und der in Long Beach (USA) befindlichen Ausrüstung – verkündet und war somit zum vollberechtigten Eigentümer des schwimmenden Raumbahnhofes „Sea Launch“ geworden. Der Gesamtwert des Deals, einschließlich der Entkonservierung, beträgt rund 150 Millionen US-Dollar.

    Der russische Raketenbauer RKK Energija hatte bereits Anfang 2017 mitgeteilt, dass die S7 Group auf die ukrainischen Zenit-Raketen verzichten wolle.

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    Tags:
    Vertrag, Trägerrakete, S7 Space, Juschmasch, Roskosmos, Sputnik, USA, Russland, Ukraine