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12:51 21 September 2019
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    Crew des russischen Raketenkreuzers Marschall Ustinow im Militärhafen Seweromorsk (Archivbild)

    Russlands Marine: Super, superer, am supersten – aber die anderen sind nicht besser

    © Sputnik / Pawel Lwow
    Technik
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    Mal ehrlich: Hört man von der Zukunft der russischen Marine, mangelt es nicht an Erfolgsmeldungen. Neue Schiffe, neue Technik, neue Waffen – bald kommen sie alle. Aber die Gegenwart, die gibt ein anderes Bild ab: Ein ganz normales nämlich, wenn man die russischen Seestreitkräfte mit denen anderer Länder vergleicht, schreibt „army-news.ru“.

    Eine Superkorvette soll sie werden – vom Petersburger Krylow-Forschungszentrum entwickelt, vor zwei Jahren als Modell vorgestellt: die Klasse 20386. Zwei Dutzend Startschächte für Hyperschallraketen sollen diese Schiffchen fassen können. Zwei Dutzend. Die neuesten russischen Fregatten der Klasse 22350 haben nur 16 davon an Bord. Doch man schiebt das Superprojekt auf die lange Bank. Irgendwann Mitte der 2020er, wenn man’s kann, wenn’s Geld da ist …

    USS Carney der Arleigh-Burke-Klasse (Archiv)
    © Foto : U.S. Navy/Mass Communication Specialist 1st Class Ryan U. Kledzik
    Wenden wir also den Blick von der Zukunft ab, schauen wir uns das an, was ist. Vor nicht allzu langer Zeit hagelte es Kritik gegen Russlands Marine und ihren Flugzeugträger, die „Admiral Kusnezow“: Ein Horror für die Umweltschützer dieser Welt ist das Schiff, rußt es doch schlimmer als der Eyjafjallajökull-Vulkan. Viel wurde dazu geschrieben und gesagt, wiederholen muss man’s nicht. Der „Flugzeugträger“ ist wieder im Reparaturdock, nach drei Jahren und 50 Mrd. Rubel wird er hoffentlich wie neu sein.

    „Flugzeugträger“ ist hier in Anführungsstriche gesetzt, weil die „Admiral Kusnezow“ ja eigentlich ein „Schlachtschiff mit Flugbetrieb“ sein soll. Nach der Überholung wird es das nicht mehr: Für die Reparatur von Raketenschächten, die ein echtes Schlachtschiff ausmachen, ist kein Geld da. Auch gut. Wird der Pott halt zum echten Flugzeugträger, ohne Anführungsstriche.

    Der russische Flugzeugträger Admiral Kusnezow während Reparaturarbeiten in Murmansk
    © Sputnik / Pawel Lwow
    Der russische Flugzeugträger Admiral Kusnezow während Reparaturarbeiten in Murmansk

    Währenddessen: Wie läuft es eigentlich bei der Konkurrenz?

    Bei ihr läuft es ähnlich. Nehmen wir etwa die gute alte Kollegin, die „Charles de Gaulle“ der französischen Marine. Die Liste dessen, was an diesem Flugzeugträger in letzter Zeit alles kaputt war, dürfte länger sein als das Mängelregister der „Admiral Kusnezow“. Und es kommt die Frage hinzu, was schlimmer ist: eine schwimmende Räucherkammer oder ein schwimmendes Tschernobyl, so das Portal.

    Aber ein Flugzeugträger ist an sich ein sehr kompliziertes System. Wie wäre es mit etwas Kleinerem, der deutschen Fregatte „Baden-Württemberg“ zum Beispiel? Die deutsche Marine hat ja wohl eine ansehnliche Flotte. Fregatten, Korvetten, U-Boote gehören dazu. Alles „Made in Germany“, beste Qualität.

    Und doch ist die „Baden-Württemberg“ das erste Kampfschiff in der Geschichte der Bundeswehr, das von der Abnahmekommission wegen „Funktionsstörungen“ nicht abgenommen wurde. Da ist buchstäblich etwas schiefgelaufen: Die Fregatte hat Schlagseite nach Steuerbord von 1,3 Grad, große Probleme mit der Elektronik und der Steuerung insgesamt.

    Deutsche Fregatte Sachsen (Archivbild)
    © AFP 2019 /
    Deutsche Fregatte Sachsen (Archivbild)

    Drei Milliarden Euro teures Eisen wurde zurück in die Werft geschickt. Wie viel Geld und Zeit noch erforderlich sein werden, um die Fregatte fit zu kriegen, wollen nicht mal die hartgesottensten Experten abschätzen. So eine Schmach für „Blohm + Voss“ – die Werft, die einst die „Bismarck“ gebaut hatte.

    Peinlich ist auch, dass die neueste und teuerste deutsche Fregatte gegen russische U-Boote – gegen die kleinen diesel-elektrischen in der Ostsee – nicht gewappnet ist. Eigentlich sollen Kampfschiffe dieser Klasse mit Sonar und Torpedos feindliche U-Boote jagen, doch auf der „Baden-Württemberg“ fehlen diese Systeme. War das Schiff für den Einbau eh schon zu schwer? Hatte das Marinekommando das Einsatzprofil der Fregatte nicht klar genug definiert? Man weiß es nicht …

    Machen wir weiter. Wie sieht es denn bei der einstigen Rivalin der deutschen Marine aus, bei der britischen Royal Navy? Auch deren ganzer Stolz ist ein Flugzeugträger, die „Queen Elizabeth“. Was soll man dazu sagen? Das Schiff fährt, immerhin. Aber es kämpft nicht.

    Die „Queen“ hat Angst vor Flugzeugen und Hubschraubern des Gegners. Im Falle des Falles hätte der Flugzeugträger nichts, womit er sich gegen sie wehren könnte: Platz für Flugabwehrraketen ist auf dem Schiff vorhanden, allein die Raketen fehlen.

    Flugzeugträger „Queen Elizabeth“ (Archiv)
    © AP Photo / Victoria Jones/PA
    Flugzeugträger „Queen Elizabeth“ (Archiv)

    U-Boote fürchtet der britische Flugzeugträger erst recht: kein Torpedoschutz, überhaupt gar nichts. Vor Fregatten, Kreuzern, Korvetten, ja sogar vor Schnellbooten, die schwerer bewaffnet sind als mit einem MG, ist dem Stolz der Royal Navy ebenfalls bange: Für die Panzerung der Außenwände der „Queen Elizabeth“ hatte die britische Marine kein Geld mehr.

    Wer jetzt entgegnen will, diesen ganzen Schutz brauche ein Flugzeugträger auch gar nicht, weil er immer von einem Kampfschiffverband beschützt werde, muss Folgendes wissen: Den Begleitverband haben die Briten nicht. Kreuzer haben sie überhaupt keine. Und die sechs supermodernen Zerstörer der „Daring“-Klasse waren Anfang dieses Monats alle in der Reparatur – zwei davon planmäßig, die anderen vier haben Schwierigkeiten mit dem Antrieb.

    Zu allem Überfluss schlug der britische Flugzeugträger Ende letzten Jahres leck. Nicht auf hoher See etwa, nein: direkt an der Kaimauer.

    Ach ja: Flugzeuge sind auf dem Flugzeugträger auch noch nicht gelandet. Die F-35B passt den Verantwortlichen preislich nicht, die F-35C steht noch nicht bereit. Und wenn sie bereitstünde: Dieser Kampfjet braucht zum Deckstart ein Katapult, das die „Queen Elizabeth“ auch nicht hat. Mit Verlaub: Wozu baut man so etwas wie die „Queen Elizabeth“ überhaupt?

    Häufig ist zu hören und zu lesen: „Ach, diese Russen! Wollten 1.000 „Armata“-Panzer – kriegen aber nur 50. Vom Tarnkappenjet Su-57 wurden 300 Stück versprochen – es fliegen nur 10. Und neue Landeschiffe: Sechs Stück waren zugesagt, nur zwei werden gebaut.“

    Tatsache ist: So etwas ist absolut normal, schreibt das Portal. Wie viele „Zumwalt“-Zerstörer sollten zur Einschüchterung der Russen die Weltmeere kreuzen? Richtig, 32. Oder waren es 24? Ach nee, nur 12. Stimmt, sieben, um genau zu sein. Drei bauen die aber auf jeden Fall. Dafür kosten sie dann auch über 4 Mrd. Dollar das Stück.

    Ganz normal eben. Wir bauen einen Superzerstörer, weil die anderen eine Megafregatte haben; im Gegenzug entwerfen sie ein U-Boot, das unseren Zerstörer versenkt; wir reagieren mit einem U-Boot-Killer usw. Ein Spiel, bei dem es darum geht, allen Angst zu machen: den eigenen Politikern, damit sie Geld für Rüstung bewilligen; den Gegnern, damit sie mit dem Säbelrasseln anfangen. Und so läuft es ewig weiter …

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    F-35, Kriegsschiffe, Flugzeugträger Admiral Kusnezow, Marine, Marine Russlands, U.S. Navy, US-Navy, NATO, Großbritannien, Deutschland, USA, Frankreich, Russland