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    US-Zerstörer USS Preble der Arleigh-Burke-Klasse (Archivbild)

    Ein „Spion“ für die Navy: Wie die US-Marine sich vor russischen Raketen schützen will

    © Foto: U.S. Navy / Mass Communication Specialist Seaman Alonzo M. Archer
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    Die Führung der US Navy bangt um den Schutz ihrer Kampfschiffe vor neuen Antischiffsraketen aus Russland und China. Die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse sollen mit speziellem Radar zur Raketenabwehr ausgerüstet werden. Noch ist die Ortungstechnik in Entwicklung, die Hyperschallraketen aus Russland hingegen sind schon so gut wie einsatzreif.

    An die 70 Lenkwaffenzerstörer „Arleigh Burke“ hat die US-Marine gegenwärtig im Einsatz. Sie schützen Flugzeugträger vor Angriffen von Wasser und aus der Luft, sind die modernsten und schlagkräftigsten Kampfschiffe ihrer Klasse der Navy.

    Die Hauptwaffe der „Aleigh Burke“ sind die „Tomahawk“-Raketen – nuklearfähig, mit einer Reichweite von bis 2.600 Kilometern. Flug- und Schiffsabwehrraketen, Artilleriegeschütze und Maschinenkanonen stehen der Besatzung zudem zur Verfügung. Das Hauptfeature der Zerstörer ist aber das Kommandosystem „Aegis“: Ein Knotenpunkt, an dem die Informationen aller Schiffssysteme zusammenlaufen. Ob Ortungs-, Kommunikations-, Waffen- oder Selbstschutzanlagen – „Aegis“ sammelt und verarbeitet die Daten.

    Und: Das automatisierte „Aegis“ ist ein Kernelement der globalen Raketenabwehr der USA. Schließlich können die Zerstörer an jeden Punkt der Weltmeere entsandt werden, ohne dass die Zustimmung ausländischer Regierungen dafür nötig wäre, die bei Truppenstationierungen auf fremdem Boden immer noch eingeholt werden muss.

    Die ersten „Arleigh Burke“-Zerstörer kamen 1990 zur Navy. Seitdem wurden sie mehrfach modernisiert, inzwischen wird ein Schiff der 4. Generation dieser Klasse gebaut. Für 2024 ist die Fertigstellung geplant. Die neueste Version der „Arleigh Burke“ soll noch mehr Startschächte für die „Tomahawks“ sowie Flug- und Schiffsabwehrraketen haben. Aber das ist weniger wichtig als eine andere Innovation.

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    Und zwar: das neue Radarsystem AN/SPY-6. Das Vorgängersystem – AN/SPY-1 – wird als dreidimensionales Multifunktionsradar mit einer Phased-Array-Antenne bezeichnet. 250 Ziele kann es gleichzeitig erfassen, 20 Ziele bekämpfen. Im Einsatz erst wurde ein gravierender Mangel dieser Anlage festgestellt: Auf Entfernung und in großen Höhen „sieht“ das Radar sehr gut, tieffliegende Ziele erkennt es hingegen praktisch gar nicht.

    Der Nachfolger, das AN/SPY-6, soll laut Hersteller um das 30-Fache leistungsstärker sein: bei Reichweite, Präzision, Störfestigkeit. Die Zuverlässigkeit soll verbessert, das Sichtumfeld vergrößert werden. Geplant ist, auch ältere Schiffe der „Arleigh Burke“-Klasse mit dem neuen Radar nachzurüsten.

    Fachleute in den USA gehen davon aus, dass die Navy-Verantwortlichen mit dem innovativen Radar auf die neuen Raketensysteme aus Russland und China reagieren. Dafür sind im Rüstungshaushalt der USA bis 2020 Dutzende Millionen Dollar vorgesehen.

    US-Raketenabwehr (Symbolbild)
    © AP Photo / Czarek Sokolowski

    Worauf die Navy-Führung reagieren will, sind offenbar die russischen Antischiffsraketen „Kalibr“ und die Hyperschallraketen „Zirkon“. Die „Kalibr“ hat sich bei der russischen Marine schon bewährt. Nahezu alle neuen russischen Kampfschiffe und U-Boote werden mi dem Marschflugkörper bestück. Wie wirkungsvoll die Rakete ist, wurde auch im Syrien-Einsatz deutlich, als russische Streitkräfte Terrornester mit der „Kalibr“ beschossen.

    Die seegestützte Hyperschallrakete „Zirkon“ erprobt die russische Marine seit 2016. Die Tests sind „streng geheim“, entsprechend wenig ist deshalb in der Öffentlichkeit bekannt. So viel weiß man: Die „Zirkon“ erreicht eine Geschwindigkeit von unvorstellbaren Mach 9, das entspricht 3,5 Kilometer pro Sekunde – bei einer Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern.

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    Das Tempo macht die Antischiffsrakete unangreifbar. Die Schutzsysteme der Kampfschiffe – auch das „Aegis“ – sind auf die Abwehr derart schnell fliegender Ziele nicht ausgelegt. Ob das AN/SPY-6 daran etwas ändern kann, ist eine offene Frage. Um auf innovative Bedrohungen reagieren zu können, muss die Navy absolut neuartige Abwehrsysteme entwickeln – was durchaus länger als ein Jahrzehnt dauern kann.

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    Kampfschiffe, Abwehr, Schutz, Flugzeugträger, Hyperschallrakete, Raketenabwehr, Marine, das Radarsystem AN/SPY-6, Aleigh Burke, Aegis-Raketenabwehr, Zirkon-Raketen, Kalibr-Rakete, Tomahawk-Rakete, US-Navy, USA, Russland, China