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01:21 20 Juli 2019
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    Präsentation des neuen britischen Kampfjets des Typs Tempest (Archivbild)

    Europas Kampfjet der Zukunft: Kommt das Projekt voran?

    © AFP 2019 / Tolga Akmen
    Technik
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    Das Konzept eines europäischen Kampfflugzeugs der 6. Generation ist älter als man im ersten Moment denken könnte. Es gab mehrere Anläufe, einen gesamteuropäischen Jet zu entwickeln – verwirklicht wurden die Ideen nicht, schreibt das Portal „Army News“. Welche Aussichten hat nun der FCAS?

    Am Anfang war das FOAS, daraus wurde das DPOC, jetzt geht es um das FCAS. Diese Kürzel stehen für Kampfjetprogramme der größten Länder der EU. Das „Future Offensive Air System“ (FOAS) sollte die britischen Tornados ersetzen – wurde 2005 eingestellt. Mit der „Deep and Persistent Offensive Capability“ ging es weiter – und auch daraus wurde nichts.

    Jetzt entwickeln Frankreich und Deutschland gemeinsam das „Future Combat Air System“ (FCAS) – im Französischen: „Système de Combat Aérien du Futur“, SCAF. Vor einem Jahr haben die deutsche Außenministerin Ursula von der Leyen und ihre französische Amtskollegin Florence Parly einen Vertrag über die Entwicklung eines Kampfjets unterzeichnet, der den Eurofighter und dшу Rafale in den Jahren 2035-2040 ablösen soll.

    Ein erstes Bild von dem, was entwickelt wird, kann man sich schon machen. Im Juli 2018 hat die Dassault Aviation in einem Video einen Entwurf des Zukunftsjets vorgestellt. Zu sehen ist ein bemanntes Kampfflugzeug ohne Höhenleitwerk und ohne die für französische Jets typischen Entenflügel an der Nase. Eine minimalistische Maschine.

    Der Zukunftsjet hat eine eigene Bezeichnung (damit die Verwirrung mit den Programmkürzeln perfekt ist): New Generation Fighter (NGF). Das Flugzeug ist Teil des FCAS/SCAF-Programms, innerhalb dessen auch noch neue Drohnen, Aufklärungs- und Führungssysteme entwickelt werden – ein ambitioniertes Rüstungsprogramm, keine Frage.

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    Das NGF-Projekt tritt nicht auf der Stelle. Im vergangenen Februar schon haben Frankreich und Deutschland vertraglich festgelegt, dass das Programm in die Projektionsphase übergeht. Dabei haben die Franzosen betont, wem die Führungsrolle im Gemeinschaftsprojekt zukommt: ihrem Luftfahrtkonzern Dassault Aviation natürlich.

    Das ist auch wichtig, schreibt das Portal, denn der französische Flugzeugbauer kann eine Expertise vorweisen, die die Deutschen nicht haben. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben deutsche Firmen keine eigenen Kampfjets mehr gebaut. Der Eurofighter ist, wie der Name sagt, ein Gemeinschaftsprojekt.

    Im vergangenen Februar ist auch bekannt geworden, dass Spanien sich dem deutsch-französischen FCAS-Programm anschließt. Der entsprechende Vertrag wurde auf dem Nato-Ministertreffen in Brüssel unterzeichnet. Spanien werde als „gleichrangiger Partner“ am Projekt teilnehmen, sagte die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles.

    Das hört sich gut an. Doch die „Gleichrangigkeit“ ist hier sicherlich nur symbolisch gemeint: Bisher ist das Kampfjet-Projekt eher eine Fusion von deutschem Geld mit französischer Technik, schreibt das Portal.

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    Und dann, als Frankreich und Deutschland die Entwicklung des NGF schon beschlossen hatten, kam die Überraschung: „Tempest“ wurde präsentiert – ein Kampfjet der 6. Generation, den die Briten entwickeln wollen. Gezeigt wurde ein vollwertiges Modell im Maßstab 1:1, womit die Entwickler des NGF noch nicht aufwarten können.

    Pilot des Kampfflugzeuges F-22 Raptor in Estland (Archiv)
    © Foto : U.S. Air Force/Tech. Sgt. Ryan Crane
    Experten zweifeln jedoch an der Zukunftsfähigkeit des „Tempest“, schreibt das Portal. Nicht auszuschließen, dass die Briten das Projekt aufgeben und sich dem deutsch-französisch-spanischen FCAS anschließen werden.

    Wäre ja auch naheliegend, schreibt „Army News“: Kein Land der Welt kann die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der 6. Generation allein stemmen. Zwischen 50 und 100 Mrd. Dollar kann so ein Programm schließlich kosten.

    Ein anderer Minuspunkt des britischen Vorhabens: Der Markt für Kampfflugzeuge ist nicht so groß, dass er gleich mehrere Mega-Projekte fassen könnte. Erfolg ist nur für einen der Beiden möglich: entweder für den NGF oder den „Tempest“. Dass der Brite gewinnt, ist jedoch ziemlich unwahrscheinlich, so das Portal.

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    Tags:
    Entwicklung, Kampfjet, Luftwaffe, Tempest, NATO, Europa, Großbritannien, Deutschland, Frankreich