04:40 16 Juni 2019
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    US-Kampfjet des Typs F-35 (Archivbild)

    F-35 gegen X: Die besten Jets kämpfen um Auftrag aus der Türkei

    © REUTERS / Axel Schmidt
    Technik
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    Präsident Trump geht ein hohes Risiko ein, wenn er Ankara droht, keine F-35-Jets an die türkische Luftwaffe zu liefern. Denn Fachleute in der Türkei spielen schon andere Optionen durch – ein Signal an Washington, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“.

    Es ist eher eine Taktik als eine Auswertung der Technik, dass die staatliche Nachrichtenagentur „Anadolu“ den russischen Mehrzweckjäger Su-57 gegen den amerikanischen Kampfjet F-35 antreten lässt. In einem Beitrag vergleicht die Agentur die Stärken und Schwächen der beiden hochmodernen Flugzeuge, was einen politischen Hintergrund hat, schreibt das Portal. Seit Monaten drängt die US-Führung darauf, dass Ankara auf den Kauf russischer Flugabwehrsysteme S-400 verzichtet. Als Druckmittel nutzt Washington – neben Androhung von Sanktionen – die Warnung, keine F-35-Jets an die Luftwaffe des Nato-Partners Türkei zu liefern.

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    Dass Erdogan sich von diesen Drohungen aus den USA einschüchtern lässt, ist nicht erkennbar. Der türkische Präsident erwägt sogar die Bestellung zusätzlicher S-400-Systeme in Russland, so das Portal. Und was die Kampfjets angeht: Die türkische Luftwaffe kann sicherlich auch ohne den F-35 auskommen. Es gibt bessere Maschinen auf dem Markt, schreibt „Swobodnaja pressa“.

    Der F-35 ist im Kern ein Jagdbomber mit einigen zusätzlichen Funktionen. Der Su-57 ist mehr: ein echter Allrounder, der zum Luftkrieg ebenso wie zur Bekämpfung von Bodenzielen befähigt ist. Einige Fachleute gehen laut dem Portal gar soweit, das russische Flugzeug auch als einen strategischen Kleinbomber einzustufen: Die Reichweite des Su-57 ist beachtlich – und er kann mit der nuklearfähigen Ch-102-Rakete bestückt werden.

    Es ist natürlich nicht so, als hätte der Su-57 keine Schwächen und der F-35 keine Stärken. Bei Fachtagungen zum Beispiel war dann und wann zu hören, die Entwickler des AN/APG-81-Radars – mit dieser Ortungsanlage ist der F-35 ausgestattet – hätten den Nobelpreis verdient. Denn: Dessen Antenne sendet Signale von niedriger Leistung im breiten Frequenzbereich. Das angestrahlte Zielobjekt erkennt deshalb gar nicht, dass es anvisiert wird. Die schwache und chaotische Rückstrahlung, die vom Zielobjekt ausgeht, wird vom Bordcomputer des F-35 bearbeitet: Der Pilot erhält ein Ergebnis, als hätte er ein Hochleistungsradar eingesetzt. Genannt wird diese Technik „LPI“ für „Low Probability of Intercept“: Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass das Radar selbst geortet und abgefangen wird.

    Im Luftkrieg und erst recht beim Einsatz gegen Bodenkräfte ist das zweifelsohne ein Vorteil – den auch der russische Mehrzweckjäger bietet. Das N036-Radar des Su-57 ist vielleicht sogar noch stärker, schreibt das Portal. Es handelt sich um ein multimodales System, das unter anderem im LPI-Modus arbeiten kann.

    Das ist aber nur die Hauptanlage, die frontal funktioniert. Vier weitere Ortungssysteme kommen hinzu: Zwei für die Seitensicht plus zwei an den Vorderkanten der Tragflächen. Das Entscheidende ist, dass dieses Sensorpaar im Bereich von Dezimeterwellen arbeitet, gegen die die Stealth-Technologie wenig ausrichten kann: Der „unsichtbare“ F-35 wird deutlich sichtbar, auch auf lange Distanz, schreibt das Portal. Erreicht wird diese Spitzenleistung ebenfalls durch die rechnergestützte Verarbeitung rückempfangener Strahlung.

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    Die anderen technischen Daten der beiden Kampfjets kennt man eigentlich schon. Bei der Wendigkeit ist F-35 der schlechteste aller Kampfjets der Nachkriegszeit. Beim Tempo verliert F-35 mit seinen 1,6 Mach definitiv gegen den Su-57 mit 2,5 Mach (1,1 gegen 2 Mach ohne Nachbrenner). Bei der Zuladung ist der F-35 klar im Nachteil – acht Tonnen gegen zehn Tonnen beim Su-57. Die Reichweite des amerikanischen Jets ist halb so groß wie die des russischen. Die Diensthöhe beträgt 2.000 Meter unter der des Su-57. Die maximal mögliche Belastung: 9g beim F-35, 11g beim russischen Jet. Und: Auch beim Schub-Gewicht-Verhältnis ist der Amerikaner deutlich im Nachteil, ist er doch nur halb so stark wie der Russe.

    Für die Nachteile des F-35, die so offensichtlich sind, hat der Hersteller eine Erklärung: Die seien im heutigen Luftkrieg nicht relevant, behauptet Lockheed Martin. Die Tarnkappeneigenschaften und die KI – das seien die schlagenden Vorteile der Maschine.

    Dass die Tarnkappeneigenschaften des F-35 relativ sind, ist bereits zigfach erläutert worden. Russische Flugabwehrsysteme „enttarnen“ den amerikanischen Stealth-Jet problemlos, so das Portal. Ganz und gar nicht problemlos ist hingegen die KI des amerikanischen Flugzeugs. Seit einigen Jahren versuchen die Informatiker von Lockheed Martin die Software des F-35 zu „stopfen“. Weniger werden die Programmfehler dadurch aber nicht. Dass kürzlich eine japanische F-35 abgestürzt ist, obwohl alle ihre mechanischen Systeme funktionierten, ist ein weiterer Beleg dafür, schreibt „Swobodnaja pressa“. Kurzum: Der F-35 ist ein Jet mit unberechenbarem Verhalten, so das Portal.

    Was Ankara indes braucht, ist ein Kampfflugzeug, das ganz konkrete Aufträge erfüllen kann; eine Maschine, die es mit dem F-16 aufnehmen kann. Diesen Kampfjet verkaufen die USA weltweit, auch an potenzielle Gegner der Türkei. Gut genug wären dafür der französische Rafale oder auch der Eurofighter, schreibt das Portal. Günstiger als der F-35 wären diese beiden Maschinen allemal.

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    Vollends groß wird die Auswahl der Türken, wenn man zwei weitere Kampfjets aus Russland hinzudenkt: Su-35 und MiG-35. Der Suchoi-Jet kann es mitunter sogar mit dem F-22 aufnehmen, wie berichtet wurde. Der MiG ist zwar leichter, verfügt aber über ebenso hochentwickelte Technik wie der schwere russische Kampfjet der Generation 4++. Einen kurzfristigen Nachteil hat aber auch der ansonsten bewährte MiG: Noch ist die Serienfertigung der Maschine nicht angelaufen. Ob die Türkei bereit wäre, mit der Auswahl ihres künftigen Kampfflugzeugs zu warten, bis der MiG-35 in Serie gegangen ist, weiß man indes nicht.

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    Tags:
    Su-57, Luftwaffe, Flugabwehrsystem, Kampfjet F-35, Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, USA