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06:31 22 August 2019
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    Flugabwehrsystem S-350

    Mit schnellem Scharfschuss: S-350-Systeme schützen Wertziele in Russland

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Technik
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    Nikolai Protopopow
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    Eine mächtige Ladung Raketen, ein Hochleistungsradar und eine nahezu 100-prozentige Schussschärfe – das sind die Eckpunkte der russischen Flugabwehrsysteme S-350. Das Waffensystem soll besonders wichtige Objekte – Industrieanlagen oder militärische Infrastruktur – schützen.

    Drei Eigenschaften muss ein Recke haben, dieser kühne Krieger aus uralten Zeiten: Fassungsgabe, Schnelligkeit und natürlich Kraft. Dass das System S-350 diese drei Fähigkeiten besitzt, ist wohl der Grund dafür, dass es auf Russisch „Witjas“ heißt – „Recke“ eben.

    Gedacht ist das Flugabwehrsystem als Ersatz für die immer noch wirkungsvollen, aber doch schon etwas älteren Systeme S-300P und S-300PS. Davon haben die russischen Streitkräfte heute noch viele, „an die 50 Divisionen“, sagt Militärexperte und Fachjournalist Viktor Murachowski. „Die Zeit des S-300 ist vorbei, es wird vom S-350 ersetzt.“

    Fachleute nennen das S-350 ein „Objektschutzsystem mittlerer Reichweite mit vergrößertem Kampfsatz“. Es besteht aus einer mobilen Startrampe, einem Radar und einer Kommandozentrale, aufgebaut jeweils auf einem geländegängigen Spezialchassis. Der Kampfsatz enthält Abwehrraketen mittlerer Reichweite, wie sie im S-400-System zum Einsatz kommen – plus Kurzstreckenraketen.

    „Beim Objektschutz wird eine lange Reichweite eigentlich nicht benötigt. Wie leistungsfähig ein Radar auch sein mag, ein niedrigfliegendes Ziel erkennt es frühestens in einer Entfernung von 25 bis 30 Kilometern. Dann sind Reaktionsfähigkeit und Feuerkraft wichtig – die Kernmerkmale des S-350-Systems“, sagt Militärexperte Michail Chodarjonok.

    „Witjas“ kann beides: Flugkörper auf längere und auf kurze Distanz abwehren. Dafür ist das Waffensystem mit zwei Typen von Abwehrraketen bestückt. Die 9M100 bekämpft anfliegende Ziele aus 120 Kilometern Entfernung – auch solche, die sich mit Hyperschalltempo nähern. Die Rakete 9M96 fängt Flugkörper in 15 Kilometern Entfernung ab.

    „Das sind hauptsächlich tieffliegende Objekte: Marschflugkörper, Drohnen, anfliegende Gefechtsköpfe. Die Geschwindigkeit der Zielobjekte kann bis zu 1.000 Meter pro Sekunde betragen“, erklärt Experte Murachowski. „Das S-350-System muss man sich als Element einer vernetzten automatisierten Flugabwehr vorstellen. Als Objektschutzsystem ist es deutlich günstiger als ein S-400.“

    144 Raketen umfasst der Kampfsatz einer S-350-Division. Das ist das Doppelte von dem, was ein gleichgroßer Verband von S-300-Abwehrsystemen auffahren kann. Das Multifunktionsradar verfolgt bis zu 100 Ziele gleichzeitig. Ein „Witjas“ bekämpft bis zu 16 Flugzeuge, Marschflugkörper, Drohnen oder bis zu 12 ballistische Sprengköpfe taktischer und operativ-taktischer Raketen.

    „Das S-350 ist ein System von hoher Störfestigkeit und Feuerkraft, bestens geeignet zur Abwehr von Gegnern, die sehr dicht und in niedrigen Höhen angreifen. Es kann dabei um Dutzende Flugzeuge pro Minute gehen“, erklärt Michail Chodarjonok.

    Als Ersatz für die „Buk“-Systeme ist das S-350 laut dem Fachmann aber nicht gedacht – eher als Ergänzung dazu. „Dieses System wurde nicht für die Flugabwehr bei den Heerestruppen entwickelt, sondern für die Luft- und Weltraumstreitkräfte. Es ist vor allem dazu bestimmt, Hochwertziele zu decken.“

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    Bei Tests, die kürzlich beim Militär stattfanden, hat sich das S-350 als zuverlässig erwiesen. Bis Ende dieses Jahres sollen die ersten Systeme an das Ausbildungszentrum der Flugabwehrkräfte der russischen Luftwaffe im Leningrader Gebiet ausgeliefert werden.

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    Tags:
    Luftabwehrsysteme, Raketenabwehrsysteme, Militärtechnik, Buk-Rakete, S-350, S-300, Almas-Antei, Russland