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22:47 19 August 2019
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    Das russische Atom-U-Boot Kuzbas (Archivbild)

    „Laika“: Russisches Atom-U-Boot der 5. Generation kommt in acht Jahren

    © Sputnik / Witalij Ankow
    Technik
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    Ein atomares Kampf-U-Boot der 5. Generation soll in Russland bis 2027 entstehen. Ein Schiffskonstrukteur aus Sankt Petersburg hat dem Verteidigungsministerium Ende letzten Jahres das Konzept des neuen U-Boots vorgelegt. Das Ministerium hat den Entwurf angenommen. „Laika“ soll die neue U-Boot-Klasse heißen, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“.

    Bekannt über das neue U-Boot ist bisher nur Grundsätzliches: „Laika“ soll mit Hyperschallraketen „Zirkon“ zur Schiffsabwehr bewaffnet werden, es soll  aus Modulen bestehen und dadurch multifunktionsfähig sein und über ein integriertes Gefechtsführungssystem mit KI verfügen. Ein Insider aus dem Rüstungssektor habe dies gegenüber russischen Medien geäußert, schreibt das Portal.

    Natürlich ist das „Laika“-Projekt strenggeheim, konkrete technische Daten sind nicht zu erfahren. Im Mai letzten Jahres sagte Alexej Rachmanow, Vorstandsvorsitzender des russischen Schiffbaukonzerns USC, das Verteidigungsministerium sei mit dem Verlauf der Arbeiten am U-Boot der 5. Generation zufrieden. Die Behörde habe die Bereitschaft erklärt, die Entwicklung und die Produktion des U-Bootes zu finanzieren. Aber auch der CEO nannte keine Einzelheiten wie Gewicht, Geschwindigkeit, Besatzungsstärke der „Laika“-Klasse, Kosten und Fristen des Projekts, so das Portal.

    Vorher hatte der für das Projekt verantwortliche Schiffsentwickler Malachit in seinem Jahresbericht mitgeteilt, die Arbeiten am ersten Testprototyp des neuen U-Boots sollen 2019 beginnen. Die Fertigstellung des Testprototyps sei im staatlichen Rüstungsprogramm für 2018-2027 vorgesehen, hieß es in dem Jahresbericht laut dem Portal.

    Das Kampf-U-Boot der 5. Generation kommt seit einigen Jahren immer wieder als Thema in russischen Medien auf. Im Frühjahr 2014 erklärte Igor Wilnit, Generaldirektor des Schiffsentwicklers Rubin, seine Ingenieure würden bereits an gleich zwei Varianten des neuestens U-Boots arbeiten: an einer atomar und einer nichtatomar getriebenen (ein dieselelektrischer Antrieb wurde nicht genannt). Die Serienfertigung dieser U-Boote würde nach 2030 beginnen.

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    Aber: Zwei Jahre später sagte Wladimir Dorofejew, Generaldirektor des Schiffsentwicklers Malachit, sein Team könne wesentlich früher mit der Serienfertigung des neuen U-Boots beginnen, nämlich nach 2020.

    Jetzt ist das Jahr 2027 als Frist genannt worden. Bis das U-Boot der 5. Generation in den ersten Einsatz fährt, wird wohl einige Zeit mehr vergehen – schließlich muss noch die Testphase dazugerechnet werden, so das Portal.

    Bis dahin muss den russischen Ingenieuren ein technischer Durchbruch gelingen. Ein Kampf-U-Boot der 5. Generation muss gegenüber seinen Vorgängern einen klaren Vorsprung haben: bei der Entdeckbarkeit, bei der Ortungstechnik, bei Waffensystemen, beim Antrieb und schließlich bei der Steuerung und Gefechtsführung.

    In allen diesen Kategorien eine Optimierung zu erzielen, ist schon Herausforderung genug – besonders aber sind es der Antrieb und die Bordelektronik.

    Anzunehmen ist, dass in der „Laika“-Klasse eine neue Antriebsanlage mit sog. ewigem Reaktor zum Einsatz kommt. Das heißt, die Brennstäbe des Reaktors werden über die gesamte Dienstzeit des U-Boots nicht ausgetauscht werden müssen. Wahrscheinlich wird dabei kein Wasser, sondern flüssiges Metall als Kühlmittel eingesetzt. Dies erhöht die Effizienz und verringert den Lärmpegel des Antriebs erheblich, schreibt „Swobodnaja pressa“.

    Völlig unklar ist indes, wie das neue U-Boot in ein netzbasiertes Gefechtsführungssystem integriert werden soll. Dass Panzer, Flugzeuge und Kampfschiffe an Datennetze angeschlossen werden, gehört beim Militär inzwischen zum Alltag. Ein U-Boot daran anzuschließen, ist aber im Grunde unmöglich, weil Wasser für Datenwellen undurchlässig ist.

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    Lange Funkwellen können das Wasser bis zu einer Tiefe von 30 bis 40 Metern noch durchdringen. Als zuverlässige Datenverbindung im extremen Einsatz eignet sich diese Technik laut dem Portal jedoch nicht: Derart lange Funkwellen übertragen allenfalls wenige Dutzend Datenbytes pro Minute, was einen schnellen Informationsaustausch auf einem sich rasch verändernden Kriegsschauplatz unmöglich macht.

    Die russischen Schiffsentwickler haben also noch eine Menge Arbeit vor sich, wollen sie die anvisierten Fristen wirklich einhalten.

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    Tags:
    Projekt, Russland, Atom-U-Boot „Laika, Zirkon-Raketen, Atom-U-Boot