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    Neue Dimension des Fliegens: Schweizer Senkrechtstarter mit E-Antrieb

    © Foto : Dufour Aerospace
    Technik
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    Valentin Raskatov
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    Das Schweizer Unternehmen Dufour Aerospace will mitmischen beim E-Flieger-Markt. Durch schwenkbare Flügel vereint ihr elektrisch betriebenes Fluggerät die Fähigkeit zum Senkrechtstart von Helikoptern mit den energieeffizienteren Flügeln von Kleinflugzeugen. Es könnte im Patiententransport künftig den Helikopter ersetzen.

    Thomas Pfammatter ist seit 30 Jahren als Rettungsflieger im Einsatz. „Kleinflugzeuge sind heute eine sehr alte Technologie, die Grundtechnologie der Motoren ist 70-80 Jahre alt“, bemerkt er gegenüber Sputnik. Die veraltete Technologie bringt laut Pfammatter höhere Umweltbelastungen mit sich. Um frischen Wind in diesen Bereich zu bringen, hat der Geschäftsführer von Dufour Aerospace einen neuen Flieger entwickelt.

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    Das Fluggerät vereint Helikopter, Flugzeug und Elektroantrieb in einer Maschine. Der Helikopter sei nicht nur komplexer und teurer, sondern verbrauche auch während des gesamten Flugs große Mengen Kraftstoff, erklärt Pfammatter diesen Schritt. Für den aEro, wie das Flugzeug sich nennt, gelte das nicht: Nur bei Start und Landung verhält sich der Flieger wie ein Helikopter, dann richten sich die Flügel horizontal aus, was laut Pfammatter den Energiebedarf um das Fünf- bis Sechsfache reduziert.

    Aus horizontal mach vertikal: Beim Senkrechtstart drehen sich die Flügel um 90 Grad
    © Foto : Dufour Aerospace
    Aus horizontal mach vertikal: Beim Senkrechtstart drehen sich die Flügel um 90 Grad

    Das zwei Tonnen schwere Fluggerät soll zudem doppelt so schnell wie ein Helikopter und von den Kosten her etwa mit einem Ambulanz-Fahrzeug vergleichbar sein.

    Das Flugzeug soll auf kurze Distanz komplett elektrisch betrieben werden, für längere Distanzen von mehreren Hundert Kilometern soll es über ein Hybridsystem verfügen und den größten Teil der Strecke mit einem Verbrennungsmotor zurücklegen.

    Interviewpartner Thomas Pfammatter
    © Foto : Dufour Aerospace
    Interviewpartner Thomas Pfammatter

    Der Rettungsflieger betont, dass solche Hybridsysteme deutlich weniger CO2 produzieren würden, das habe eine Studie von Ford ergeben. Dieser Studie zufolge sollen Flugzeuge 50 Prozent weniger CO2 produzieren als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Ab einer Distanz von über 100 Kilometern sollen sie sogar besser abschneiden als Elektroautos. „Logischerweise muss auch der Strommix irgendwann stimmen und ökologisch sein und auch die Produktion dieser Batterien“, bemerkt der Rettungsflieger zum Idealfall für die E-Mobilität in der Luft.

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    „Unsere erste Anwendung wird ganz klar Patiententransport sein“, gibt Pfammatter eine erste Prognose. Generell bestehe aber Bedarf in der regionalen Luftmobilität. „Es wird eine Möglichkeit sein, effizient und schnell von ländlichen Gebieten in die Stadt oder von Stadt zu Stadt zu reisen“, skizziert der Rettungsflieger ein weiteres Anwendungsfeld. Auch Einsätze bei Katastrophenhilfen ließen sich schneller und günstiger mit dem elektrischen Senkrechtstarter durchführen.

    Einsatz im Senkrecht-Modus über einer Unfallstelle
    © Foto : Dufour Aerospace
    Einsatz im Senkrecht-Modus über einer Unfallstelle

    Der E-Flieger ist bereits in einer 50-Prozent-Version mit Maßstab 1:2 getestet worden. Der Testflieger hatte eine Spannweite sowie Länge von fünf Metern. In der Endausführung wird das Gerät doppelt so groß sein. In den nächsten Monaten werden Versuche mit der nächstgrößeren Stufe durchgeführt und schließlich der erste Prototyp gebaut.

    Das Interview mit Thomas Pfammatter in voller Länge:

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    Tags:
    Hybridsysteme, erneuerbare Energien, Schweiz, Flugzeug, E-Flieger, Elektromobilität