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    Marschflugkörper „Nirbhay“ (Archiv)

    Warnschuss aus Indien für die „Tomahawk” – in Kooperation mit Russland

    © Foto: Government of India/PIB
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    Bald gibt es ein Land mehr in der Welt, dessen Armee über Raketen von der Art der „Tomahawk“ verfügt. Indien hat vor wenigen Tagen zum sechsten Mal seinen neuen Marschflugkörper „Nirbhay“ getestet – erfolgreich, wie es heißt. Von den Fähigkeiten und Möglichkeiten dieser Rakete berichtet die Zeitung „Iswestija“.

    Die „Tomahawk“-Rakete aus Amerika und die „Kalibr“ aus Russland sind fast wie Zwillinge: Beide Marschflugkörper fliegen mit Unterschalltempo, beide können konventionell oder nuklear bestückt werden, beide sind sehr präzise beim Zielanflug – alles Fähigkeiten, die die indische „Nirbhay“ auch haben soll.

    Mitte dieses Monats hat die indische Organisation für Rüstungsforschung und -entwicklung (DRDO) den Flugkörper zum sechsten Mal getestet. Die Rakete soll eine Allzweckwaffe werden, für alle Teilstreitkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

    Das ist denn auch deren großer Unterschied zur russischen „Kalibr“: Diese Rakete ist seegestützt und wird nur auf Schiffen stationiert. Eine bodengestützte Variante der „Kalibr“ ist erst in Entwicklung – und das auch nur wegen des Austritts der Vereinigten Staaten aus dem INF-Vertrag, schreibt die Zeitung.

    Nur die Exportversion der „Kalibr“ – die „Klub“ – kann vom Wasser, vom Land und sogar von der Luft aus eingesetzt werden. Angeboten wird die russische Exportrakete allerdings nur in nicht-nuklearer Ausführung mit einer Kurzreichweite von 300 km.

    Daher ist es gut möglich, dass die Entwickler der indischen „Nirbhay“ sich am Konzept der russischen Rakete orientiert haben, schreibt das Blatt. Jedenfalls sind Indien und Russland langjährige Partner bei Rüstungsprogrammen. Besonders erfolgreich ist die Zusammenarbeit der beiden Länder im Raketenbau.

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    Das indisch-russische Konsortium „BrahMos“ ist laut der Zeitung an der Entwicklung des neuen indischen Marschflugkörpers beteiligt. In der gegenwärtigen Testversion der „Nirbhay“ kommt ein Triebwerk zum Einsatz, das dem TRDD-50 sehr ähnlich ist – einem Antrieb, der auch für die meisten russischen Marschflugkörper verwendet wird.

    Die Serienversion soll dann aber über ein rein indisches Triebwerk verfügen. Es könnte sich laut der Zeitung um eine Weiterentwicklung des russischen TRDD-50MT handeln – eines Antriebs, der einst in großer Stückzahl nach Indien geliefert wurde, als Antrieb für unbemannte Fluggeräte.

    Ein anderes Erfolgsergebnis der Rüstungskooperation zwischen Indien und Russland ist der Flugkörper „BrahMos“ des gleichnamigen Konsortiums: Eine konventionelle Kurzstreckenrakete, die aber im Unterschied zur „Nirbhay“ mit Überschalltempo fliegt – ein klarer Vorteil bei der Bekämpfung stark geschützter Ziele wie etwa Kampfschiffverbände.

    Und die „BrahMos“-Familie wächst: In fünf Jahren wird die gewichtsoptimierte und luftgestützte „BrahMos-NG“ erwartet, in sieben bis acht Jahren die hyperschallschnelle „BrahMos-2“. Der Beitrag russischer Ingenieure zum indischen Raketenbau bleibt erhalten.

    Technisch interessant ist die Frage, wie die Zielführung der neuen „Nirbhay“ funktionieren wird. Grundsätzlich gibt es da viele Möglichkeiten, von einem bodenbasierten Leitradar bis zu spezialisierten Armeesatelliten, schreibt die Zeitung. Wofür sich die indischen Entwickler entscheiden werden, ist jetzt schwer zu sagen, doch wird die Expertise der russischen Fachleute sicherlich auch dabei hilfreich sein.

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    Marschflugkörper haben ein relativ breites Funktionsspektrum. Bei massiven zwischenstaatlichen Konflikten können sie ebenso eingesetzt werden wie bei der Bekämpfung terroristischer Banden. Dieser Einsatzzweck eines Marschflugkörpers ist für Indien besonders relevant. Denn Terrorkämpfer, die eine Gefahr für die indischen Interessen sind, finden allzu oft Unterschlupf im benachbarten Pakistan.

    Überhaupt haben immer mehr Länder ein Interesse an einer hochpräzisen konventionellen Schlagfähigkeit großer Reichweite. Dieser Trend führt vielerorts zu einem Sicherheitsdilemma: Ein Land beschafft ein bestimmtes Waffensystem und erzeugt dadurch bei den Nachbarländern den Bedarf an einer vergleichbaren Waffe, um der Bedrohung entgegenzuwirken. Das Risiko einer unbeabsichtigten Eskalation steigt automatisch mit.

    Doch sind Marschflugkörper auch ein wichtiger Pfeiler der nicht-nuklearen Abschreckung. Denn sie ermöglichen hochpräzise Schläge aus langer Distanz. Mehr noch: Sowohl indische als auch russische Marschflugkörper verfügen mutmaßlich über beide Schlagfähigkeiten: die konventionelle und die nukleare, schreibt die Zeitung. Potenzielle Gegner müssen bei ihren Planungen deshalb immer auch den Worst Case mitberücksichtigen.

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    Tags:
    Eskalation, Risiko, Reichweite, Pakistan, Vorteile, Bekämpfung, Export, INF, Rüstung, USA, Russland, Marschflugkörper, Langstrecken-Marschflugkörper Nirbhay, Kalibr-Rakete, Tomahawk-Rakete, Indien