17:39 19 Juni 2019
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    Zwei F/A-18 Hornet vor dem Flugzeugträger USS John C. Stennis (Archiv)

    Herrscher der Meere: Darum sind moderne Flugzeugträger so gefährlich

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist Ignacio D. Perez
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    Die jüngste Aussage des US-Botschafters in Russland, Jon Huntsman, über die „100 000 Tonnen schwimmende Diplomatie“, die nicht gerade diplomatisch war, wobei er zwei US-Flugzeugträger im Mittelmeer meinte, hat besonderes Interesse für die Kampffähigkeiten dieser Schiffe bzw. Schiffsverbände hervorgerufen. Die Zeitung "Iswestija" setzte sich damit auseinander.

    Schwimmender Flugplatz

    Das ist eben der Zweck eines Flugzeugträgers: Bei einem solchen Schiff geht es um einen schwimmenden Stützpunkt mitten im Weltozean. Die Evolution der Flugzeugträger erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg auf zwei Wegen: Die Flotte wollte über immer größere Flugzeuge auf hoher See verfügen und verlangte gleichzeitig, dass die Flugzeugträger immer länger auf hoher See autonom bleiben könnten, damit die Versorgungskräfte der  Marine möglichst entlastet würden.

    30 000 Tonnen schwere Schiffe der „Essex“-Klasse, die die Amerikaner noch während des Zweiten Weltkriegs einsetzten, dienten ihnen noch mehrere Jahrzehnte, aber es war schon in den 1950er-Jahren klar, dass sie zu klein waren, um neuere Kampfjets normal an Bord zu unterbringen.

    Flugzeugträger USS Midway (Archiv)
    Flugzeugträger USS "Midway" (Archiv)

    Gleich nach dem Krieg wurden 45 000 Tonnen schwere „Midway“-Flugzeugträger in die Bewaffnung aufgenommen, aber für solche Flugzeuge wie A-3 „Skywarrior“ oder A-5 „Vigilante“ waren auch sie zu klein. Angesichts dessen musste man in Washington die Konzeption eines „Super-Flugzeugträgers“ entwickeln, der gleich viele schwere Kampfjets an Bord nehmen könnte.

    Zum ersten solchen „Super“ wurde in den späten 1950ern die „Forrestal“. Bis Ende der 1990er-Jahre nahmen solche Schiffe praktisch an allen großen Konflikten in den Jahren des Kalten Krieges teil, wie auch an manchen Experimenten wie Start bzw. Landung eines Vier-Motor-Militärfrachters C-130 auf dem Deck.

    Zur „vervollkommneten“ Version der „Forrestal“ wurde die „Kitty Hawk“ Ende der 1950er- bzw. Anfang der 1960er-Jahre. Auf ihrer Basis wurde quasi die nächste Generation der Flugzeugträger – „Nimitz“ – entwickelt. Zum ersten Atom-Flugzeugträger wurde aber die berühmte „Enterprise“, doch sie blieb das einzige Schiff dieses Typs, weil die Serienproduktion schlicht zu teuer wäre.

    Die „Nimitz“-Klasse erwies sich aber als Volltreffer: Diese Schiffe sind groß genug, um große Kampfjets aufzunehmen, und haben eine große Ausdauer (ein Monat gegenüber acht bis zehn Tagen bei den älteren Klassen).

    Was können die Fliegerkräfte?

    Was die Deck-Kampfjets der Amerikaner angeht, so wurden seit den 1970er- bzw. 1980er-Jahren nicht nur einzelne Typen, sondern ganze Klassen aus der Bewaffnung genommen: Abfänger F-14, Bomber A-6, Schlachtflugzeuge A-7, Anti-U-Boots-Kampfjets S-3 usw.

    Teilweise übernahmen Flugmaschinen anderer Klassen diese Belastung: So gilt beispielsweise, dass für die U-Boots-Bekämpfung Hubschrauber genügen (obwohl damit nicht alle einverstanden sind). Bestimmte Aufgaben wurden prinzipiell anderen Waffen überlassen: Für die Luft- bzw. Raketenabwehr der Flugzeugträger ist inzwischen das Aegis-System verantwortlich, dessen wichtigste Elemente (Radare und Fla-Raketen) auf Begleitungsschiffen  stationiert sind, und für die Herrschaft in der Luft samt Luftschlägen gegen Boden- und Wasserziele sind Mehrzweck-Kampfjets zuständig. Im Grunde geht es um den „Monotyp“ F/A-18 „Hornet“ (seine letzten Versionen) und Maschinen EA-18G „Growler“.

    Worum geht es heutzutage bei einem Kampfjet-Verband, der an Bord eines Flugzeugträgers stationiert ist?  Die USS „John C. Stennis“, die sich aktuell im Mittelmeer befindet, trägt insgesamt neun Fliegerverbände. Den Kern bilden drei Kampfjet-Verbände der einsitzigen „Super-Hornets“ F/A-18E und ein weiterer von Doppelsitzern F/A-18F.

    Start des Flugzeuges F/A-18C Hornet
    © Foto : U.S. Navy/James R. Evans
    Start des Flugzeuges F/A-18C "Hornet"

    Hinzu kommt ein Geschwader von bereits erwähnten „Growler“-Maschinen, ein Geschwader von Aegis-Maschinen E-2C „Hawkeye“ und schließlich zwei Hubschrauber-Verbände.

    Viel oder wenig?

    Wenn man das mit den russischen Fliegerkräften vergleicht, so bilden 70 Flugapparate eine gemischte Fliegerdivision, und das ist ein Verband, der wichtige operative Aufgaben erfüllen kann. 40 Mehrzweck-Kampfjets können zwar keine entscheidende Rolle spielen, um einen Krieg zu gewinnen, aber das ist eine Kraft, die jedenfalls berücksichtigt werden muss. Die US-Kriegsmarine verfügt aktuell über neun aktive Kampfjet-Verbände.

    Der Preis der Mobilität

    Auf den ersten Blick sind die Möglichkeiten der Marine-Fliegerkräfte relativ gering im Vergleich zu denen der Luftstreitkräfte, die wesentlich mehr Flugzeuge zur Verfügung haben. Dennoch gibt die Fähigkeit der Flugzeugträger, relativ schnell jede Stelle in der Welt zu erreichen, ihnen viel größere Möglichkeiten im Vergleich zu den Luftstreitkräften, deren Verlegung viel mehr Zeit in Anspruch nehmen und den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur erfordern würde.

    Eine besondere Bedeutung haben die Marine-Fliegerkräfte bei Konflikten auf hoher See, wo ihre Gegner ihnen nichts entgegensetzen könnten.

    Im Falle eines hypothetischen Konflikts mit Russland wäre das Potenzial der US-Seestreitkräfte außerhalb der Reichweite der russischen Marine-Fliegerkräfte  besonders gefährlich für die Russen.

    US Navy im Mittelmeer (Archivbild, Symbolbild)
    © Foto : U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class John Herman
    Das Hauptproblem bestünde in diesem Fall darin, dass eine Flugzeuge tragende Gruppe ein sehr gut geschütztes Ziel ist – für ihre Vernichtung wären verschiedene Waffen nötig: U-Boote, Kriegsschiffe, Fliegerkräfte und eine entsprechende Satellitengruppierung. Diesen Mangel könnte man zwar mit Atomwaffen ausgleichen, aber das würde immerhin die Gefahr eines Atomkrieges bedeuten.

    Deshalb sind die US-Flugzeugträger-Gruppierungen ein wichtiges Argument für den Aufbau einer starken und ausbalancierten russischen Flotte. Denn es wäre zu gefährlich, zur Bekämpfung von US-Flugzeugträgern nur auf die Atomstreitkräfte zu setzen.

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    Tags:
    Marine, F/A-18 Hornet, Einsatz, Ziele, Flugzeugträger, Jon Huntsman, USA, Russland