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12:46 13 November 2019
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    Produktionabteilung der Su-57-Jets (Archiv)

    Kampfjet Su-57: Reichen Russland drei Geschwader?

    © Sputnik / Ewgenij Samarin
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    Russlands Luftwaffe erhält in den nächsten zehn Jahren rund 80 Jagdflugzeuge Su-57. Die Führung des Landes hat beschlossen, die Produktion des neuesten russischen Kampfjets zu beschleunigen. Die Stückkosten sollen dabei um ein Fünftel sinken.

    Die Verstärkung kommt wie gerufen: Präsident Putin hat auf einer Arbeitssitzung zur Entwicklung der russischen Rüstungswirtschaft dieser Tage erklärt, er rechne in Kürze mit einem Kaufvertrag von 76 Jagdflugzeugen Su-57 für die russische Luftwaffe. Vorher war die Beschaffung von 16 Kampfjets dieses Typs bis 2027 vorgesehen worden.

    Fachleute werten die Aufstockung der Stückzahl als vernünftig: „Die 16 anfangs eingeplanten Maschinen reichen offenkundig nicht aus. Es ist richtig, das Flugzeug in größerer Anzahl zu beschaffen – zumal für dessen Entwicklung solide Mittel aufgewendet wurden“, sagt Fachjournalist Andrei Fomin, Chef-Redakteur eines russischen Luftfahrtmagazins. „Bald absolviert der Su-57 die zweite Testetappe. Auf seine Haupteigenschaften hin ist das Flugzeug schon geprüft worden. Jetzt sind weitere Bordsysteme dran.“

    76 Maschinen entsprechen nach russischer Klassifikation circa drei Geschwadern. „Offenkundig macht es die Finanzlage möglich, nur diese Anzahl an Maschinen zu beschaffen. Aber drei Geschwader – das ist schon üppig, erst recht bei dem Einsatzwert dieses Flugzeugs der nächsten Generation“, so der Experte Fomin.

    Die zu beschaffenden Flugzeuge sollen inklusive neuester Waffen und aller nötigen Bodengeräte gekauft werden, erklärte Präsident Putin in der Arbeitssitzung. Und das ohne nennenswerte Änderungen am Budget, das für den Kauf vorher eingeplant worden war. Die Mittel für den Bau zusätzlicher Flugzeuge kommen durch Kostenreduktion, Effizienzsteigerung und Umverteilung zusammen. 20 Prozent günstiger soll der Su-57 infolge dessen sein.

    Die erste Serienmaschine erwarten die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte noch in diesem Jahr – so haben es zumindest das Verteidigungsministerium und der Flugzeughersteller vorgesehen.

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    Ein Pionier – und Jungveteran

    Der Su-57, der erste russisch Kampfjet der 5. Generation, hob 2010 zum Erstflug ab. Die ersten Prototypen flogen noch mit dem Mantelstromtriebwerk AL-41F1 mit Schubvektorsteuerung. Damit wird der Su-35 ausgerüstet, die russische Maschine der Generation 4++.

    Die neuen Su-57 der Vorserie haben inzwischen einen anderen Motor: Erzeugnis-30, das „Triebwerk der zweiten Etappe“ wie es in Fachkreisen genannt wird. Schneller, manövrierfähiger, sparsamer soll der Su-57 damit sein. Die Maschine kann dank deutlich größerer Reichweite länger im Einsatz bleiben als die Vorgänger.

    Eigens für den Su-57 ist ein fortschrittliches System zur Rettung des Piloten entwickelt worden. Zudem: ein Kommunikationssystem mit grundlegend neuer Architektur und ein netzbasiertes Hochleistungsinformationssystem.

    Voriges Jahr flogen einige Su-57 in Syrien. Die Militärs und Entwickler haben die Flugeigenschaften der Maschine, das smarte Informations- und Steuerungssystem und weitere Bordkomponenten erprobt, einschließlich der Waffensteuerung.

    „Die erzielten Parameter zeigen, dass das Flugzeug insgesamt gelungen ist und beim Einsatzwert die Flugzeuge der vorherigen Generation deutlich übertrifft“, so der Experte Fomin. „Jetzt muss sich die Truppe in das Flugzeug einarbeiten – ein schwieriger, langwieriger Prozess. Es gibt es ja nicht, dass ein Geschwader die Flugzeuge erhält und am nächsten Tag schon damit fliegt. Die Piloten brauchen Zeit, das Bodenpersonal auch.“

    Die Konkurrenz – eine Luftnummer?

    Ein echtes Gegenstück für den russischen Su-57 ist natürlich der amerikanische F-22 „Raptor“, der vor zehn Jahren schon in Serie gegangen war. An die 200 dieser Flugzeuge wurden gebaut, rund 150 stehen gegenwärtig im Dienst der US Air Force.

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    Wodurch der Amerikaner im Vergleich zum russischen Rivalen vor allem auffällt, ist sein Preis. Der F-22 ist eines der teuersten Flugzeuge in der Geschichte der Luftfahrt: der Stückpreis liegt bei 150 Mio. Dollar, die Flugstunde kostet 60 Tsd. Dollar. Das ist der Grund, warum die amerikanische Führung das Programm vorzeitig eingestellt hat.

    Experten haben indes Punkte gefunden, bei denen der Russe einen Vorsprung hat gegenüber dem US-Jet. Der Su-57 verfügt über stärkere Triebwerke mit 36.000 kp Schubkraft – bei 32.000 kp beim F-22.

    Auch bei der Manövrierfähigkeit fällt der Unterschied deutlich aus. Die Schubvektorsteuerung des Su-57 ist vertikal wie horizontal beweglich: Die Maschine kann jederzeit schnell und sicher die Flugrichtung und Geschwindigkeit ändern. Die Düsen der F-22-Motoren lassen sich hingegen nur vertikal verstellen.

    Die überdurchschnittliche Manövrierfähigkeit ist also ein klarer Vorteil des russischen Flugzeugs. Die Fähigkeit zum Kurzstart ist ein anderer Pluspunkt des Su-57. Vor allem aber ist es sein Preis: Der russische Kampfjet ist im Vergleich etwa zum F-35 rund zweieinhalb Mal günstiger. Das US-Flugzeug kostet je nach Ausführung 83 bis 108 Mio. Dollar.

    Trotz des hohen Preises beschaffen US-Verbündete den F-35 „Lightning“ in verschiedenen Varianten. Ein potenzieller Kunde ist auch die Türkei: mindestens 100 dieser Maschinen plant Ankara zu erwerben.

    Doch: Dieser Deal ist nicht ohne Probleme, weil die Türkei russische Flugabwehrsysteme S-400 zu kaufen beabsichtigt. Sollten die USA ihrem türkischen Partner die Lieferung von F-35-Jets verweigern, könnte Ankara auch russische Flugzeuge kaufen. Die Bereitschaft dazu hat die türkische Führung jedenfalls signalisiert. 

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    Tags:
    Verkauf, Türkei, F-22, Konkurrenz, Rüstung, Su-35, Luftwaffe, F-35, Su-57, USA, Russland