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06:28 22 August 2019
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    Flugzeugträger USS George H.W. Bush in dem Schiffbaubetrieb (Archiv)

    Das Dock ist voll: Warum USA kein neues U-Boot bauen

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist Seaman Steven Edgar
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    Auf 355 Schiffe und U-Boote wollte Donald Trump die Schlagkraft der US Navy vergrößern, bevor er Präsident geworden ist. Bei der Umsetzung dieses Wahlversprechens hakt es aber: Geplante Reparaturen werden verschoben, Schiffsneubauten werden vertagt. Die Zeitung „Rossijskaja gaseta“ berichtet.

    Der Rechnungshof in den USA schlug schonmal Alarm. 2017 beanstandete das für die Kontrolle öffentlicher Finanzen zuständige Organ die Lage der US Navy: „Die Kapazitäten in den Trockendocks der Schiffsbauwerften entsprechen nicht den Anforderungen künftiger Militäreinsätze“, schrieb das amerikanische Government Accountability Office in einem Bericht.

    Konkret hieß es in dem Bericht, die Reparaturwerften seien nicht imstande, ein Drittel aller bis 2040 anstehenden Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten auszuführen. Diese „Minus-Wartung“ könne sich sehr negativ auf die Einsatztauglichkeit amerikanischer Flugzeugträger und U-Boote auswirken.

    2018 wurde die Rüge der US-Finanzwächter in der Praxis bestätigt. Bei der operationellen Verfügbarkeit von Flugzeugträgern – dem Verhältnis zwischen vorhandenen und tatsächlich einsatztauglichen Schiffen – erreichte die Navy den tiefsten Wert ihrer Geschichte: 15 Prozent. Mit anderen Worten: Von den elf Flugzeugträgern der US-Marine konnten nur zwei eingesetzt werden – der eine mit 100-, der andere mit 50-prozentiger Auslastung.

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    Um U-Boote ging es im Bericht des Rechnungshofes auch. Dass die russische Marine U-Boote der Klasse 885 und 885M in Dienst gestellt hat, drängte die Amerikaner dazu, die Arbeiten am Upgrade ihrer Virginia-Klasse zu beschleunigen. Eigentlich sollten diese U-Boote erst nach 2025 auf den neuen Standard gebracht werden. In der Block-V-Version würde die Virginia-Klasse dann 40 statt der jetzigen 12 Tomahawk-Raketen aufnehmen können.

    Doch das Upgrade wurde zeitlich vorgezogen: Die bereits fertigen aber noch in den Docks stehenden U-Boot-Rümpfe müssen jetzt modernisiert werden. Dadurch verzögert sich deren Stapellauf um zwei bis drei Jahre, was sich unmittelbar auf den Bau eines neuen amerikanischen U-Boots – der USS Columbia – auswirkt. Deren Indienststellung verschiebt sich wegen des Verzugs bei der Virginia-Klasse bis ins Jahr 2035.

    Amerikanische U-Boote stehen also Schlange um einen Platz im Dock. Erschwerend kommt hinzu, dass nur zwei Werften für die Wartung, die Modernisierung und den Bau aller Atom-U-Boote der US Navy gleichzeitig zuständig sind. Es sind die Docks der General Dynamics Electric Boat und die Huntington Ingalls Newport News.

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    Das Management dieser Werften muss sich für das geringere der drei Übel entscheiden: Entweder U-Boote warten oder modernisieren oder neue U-Boote bauen – die Kapazitäten reichen nur für das Eine oder das Andere aus. Letztlich hat sich die Leitung dafür entschlossen, die planmäßigen Wartungen amerikanischer U-Boote auszusetzen.

    Dabei hatte sich der Rechnungshof auch mit dem Stillstand amerikanischer Kampfschiffe und U-Boote befasst. Die Untersuchung des Government Accountability Office ergab, dass die Stillstandzeiten sich in den Jahren 2008 bis 2018 auf insgesamt über 10.000 Stunden beliefen. Dass die operationelle Verfügbarkeit bei der US Navy in diesem Zeitraum deutlich gesunken ist, versteht sich von selbst.

    Ein anderer maßgeblicher Faktor bei diesem Problem ist der Fachkräftemangel. Voriges Jahr konnten die besagten Werften 2.000 Stellen nicht besetzen. Auch fehlt in den Plänen zur regulären Wartung der US-Kriegsflotte das Geld für die Ausbildung des benötigten Fachpersonals.

    Vor diesem Hintergrund erscheint das Versprechen Trumps von den 355 neuen Schiffen und U-Booten mehr als Bluff, um von der technischen Pleite der Zukunftsprogramme der US Navy abzulenken.

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    Tags:
    Schiffsbauwerft, Personal, Ausbildung, Geld, Rüstung, Bau, U-Boote, Flotte, Donald Trump, USA