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    Muster-Modell (l.) des Kampfjets Su-57 (T-50) (Archiv)

    Die russische Su-57 – Alptraum für US-Kampfjets?

    © Sputnik / Ewgenij Bijatow
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    Der russische Staatschef Wladimir Putin hat dieser Tage bestätigt, dass die Luftstreitkräfte in den kommenden neun Jahren umfassend umgerüstet werden, wobei unter anderem die Su-57, der neueste Kampfjet fünfter Generation, in die Bewaffnung aufgenommen wird. Dabei umfasst der staatliche Rüstungsauftrag inzwischen 76 Maschinen.

    Bei dem Projekt Su-57 (T-50) handelt es sich um eins der ungewöhnlichsten und einzigartigsten Flugzeuge in der Geschichte der russischen Luftfahrt. Dieses Modell wurde quasi als Ersatz für die Su-27 entwickelt und während des Syrien-Krieges getestet, auch wenn gegen die IS*-Terroristen erst sein Prototyp zum Einsatz kam.

    Auffallend ist, dass über dieses „geheimnisvollste“ Produkt der russischen Rüstungsindustrie, wie es von ausländischen Militärexperten bezeichnet wurde, von Anfang an viele Desinformationen verbreitet wurden. Die Amerikaner und ihre Nato-Verbündeten ließen es sich nicht gefallen, dass es den Russen gelungen ist, ihren wirklich einmaligen Kampfjet fünfter Generation, der inzwischen sogar serienmäßig gebaut wird, abheben zu lassen.

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    Su-57 oder F-22 – welche Maschine ist besser?

    Aus dieser Sicht ist es im Grunde sinnlos, die Su-57 mit dem enorm teuren „Amerikaner“ F-22 zu vergleichen. Selbst in Übersee räumen viele Militärexperten ein, dass die russische Maschine Eigenschaften hat, dank denen sie direkte Luftschlachten gegen Kampfjets wie F-22 Raptor, F-15SE Silent Eagle oder F/A-18E/F Super Hornet durchaus gewinnen könnte.

    Vor allem konnten viele Gegner des neuesten russischen Kampfjets nicht begreifen, warum die Konstrukteure bei seiner Entwicklung nicht den Radarquerschnitt in den Vordergrund gestellt hatten.

    Es geht darum, dass Russland keine Eroberungskriege führt und sich an keinen „Piratenüberfällen“ beteiligt – im Unterschied zu Ländern wie die USA oder Israel.

    Die geringe Auffälligkeit wird zu einem der wichtigsten Merkmale eines Flugzeugs, das gegen starke Luftabwehrkräfte oder Luftstreitkräfte gleicher Klasse (und nicht gegen kleinere bewaffnete Formationen) kämpfen soll, die imstande sind, solcher Technik im eigenen Luftraum zu widerstehen. Russische Flugzeuge werfen keine Bomben auf den Iran ab, mischen sich nicht in Libyen oder im Jemen ein und sind keine „unerwünschten Gäste“ in Syrien (anders als die Nato-Kräfte). Russland hat auch keine Pläne, die EU oder die USA zu erobern.

    Deshalb müssen die russischen Kampfjets nicht unbedingt unsichtbar sein. Und falls ein globaler Konflikt beginnen sollte, wird es wohl nie zu taktischen Luftkämpfen unter Beteiligung von bemannten Fluggeräten kommen: Dann wären vor allem die Weltraumtruppen gefragt.

    Su-57 kann mehr als viele andere Kampfjets

    Dabei hat der neuste russische Kampfjet eine bessere „Sehfähigkeit“ als seine westliche Konkurrenz. Denn die Su-57 hat nicht nur eine Phased-Array Antenne (N036 „Belka“), sondern auch Phased-Array Antennen auf beiden Seiten. Deshalb verfügen die Piloten der russischen Maschinen über mehr Informationen über die Situation um sie herum als ihre amerikanischen „Kollegen“ bzw. Gegner am Steuer des F-22-Kampfjets. Zudem ist das russische Flugzeug zu schwierigeren taktischen Manövern fähig, unter anderem zur so genannten „Doppler-Klaffe“.

    Auskunft: Es geht darum, dass der Pilot sein Flugzeug scheitelrecht zum gegnerischen Radar positionieren kann. Bei Unterschallgeschwindigkeit und bei einem Radar in der oberen Hemisphäre (also über der Su-57) kann ein F-22 oder ein F-18 das Ziel unter Umständen gar nicht bemerken, dessen Geschwindigkeit unter Mach 1 liegt – die künstliche Intelligenz des US-Kampfjets könnte also „denken“, das wäre ein Hindernis bzw. eine Besonderheit der jeweiligen Landschaft. Die künstliche Intelligenz der Su-57 ist also „klüger“.

    Zudem verfügt der russische Kampfjet über phasierte Antennen des L-Bereiches vorne und über eine phasierte X-Antenne hinten. Dadurch ist der Pilot über die Situation rund um seine Maschine informiert, wobei die Möglichkeiten der Nato-Piloten am Steuer eines F-22-Flugzeugs wesentlich geringer sind.

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    Hinzu kommt der optisch-digitale Such- und Verfolgungskomplex 101KS „Atoll“. Zwar wird der Kampfjet dadurch für gegnerische Radare besser sichtbar, aber damit kann die Su-57 kleinere bzw. kaum sichtbare Ziele aus einer größeren Entfernung entdecken.

    Mithilfe von Infrarotgeräten kann der Kampfjet der fünften Generation seine Raketen richten, ohne für gegnerische Radare sichtbar zu werden. Ursprünglich sollte auch die F-22 diese Fähigkeit haben, später aber verzichteten die Amerikaner darauf aus Spargründen. Im Pentagon war man damals sehr empört, konnte aber den US-Kongress nicht überzeugen.

    Der „Atoll“, der Raketen „reinlegen“ kann

    Natürlich verfügt die Su-57 auch über die Standardausrüstung, unter anderem über Laseranlagen, die gegnerische Raketen „blenden“ können. Das System „Atoll“ kann auch gegnerische Raketen mit zielsuchenden Wärmefühlern „reinlegen“. Allerdings verfügt auch das Konkurrenzmodell F-22 über diese Fähigkeit.

    Was aber an dem „Russen“ wirklich einmalig ist, ist der Munitionsbehälter des „Tandemtyps“: Die Su-57 kann gleichzeitig sechs Mittelstreckenraketen der „Luft-Luft-Klasse“ an Bord nehmen. Es war auch eine sehr interessante Idee, den Kampfjet mit speziellen dreieckigen Startcontainern im Flügelinnenteil auszurüsten. So etwas hatten die russischen Flugzeugbauer noch nie gemacht. Egal wie, aber das Design des Flugzeugs und seine Ausrüstung beweisen, dass es auch mit zusätzlichen Munitionstypen bestückt werden könnte.

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    Photonenradar – der Höhepunkt des Fortschritts

    Eines der interessantesten Systeme, mit denen die Su-57 ausgestattet ist, ist der so genannte Photonenradar KRET.

    Auskunft: Erst vor kurzem noch hatten viele Experten es nicht für möglich gehalten, aber inzwischen wurde der erste Photonenradar hergestellt, und zwar nicht in Russland, sondern in China. Wegen des Kohärenzeffekts beträgt seine Reichweite höchstens 100 Kilometer, aber das ist auch nicht so wenig.

    Aber die wohl interessanteste Besonderheit der Technik dieser Art ist die absolute Unwirksamkeit jeglicher „Tarnkappentechnologien“ dagegen. Ein Radar, der im kreisrunden Bereich funktioniert, funktioniert im Sinne der Quantenmechanik und nicht nach dem Abstrahlungsprinzip. Der Quantenradar funktioniert nach dem Prinzip vermischter Photonen, also solcher Elemente, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen und jedes Hindernis auf ihrem Weg „ummalen“.

    Die USA verfügen über keine solche Technologie. Wenn Russland also Photonenradare einsetzt, wird die „Unsichtbarkeit“ der Modelle F-22 und F-18, auf die die Amerikaner so stolz sind, nichts als Illusion bleiben.

    Natürlich ist Russland wie jedes andere Land, das auf dem internationalen Waffenmarkt aktiv ist, am Export seiner Waffen interessiert. Nach Auffassung der Redaktion des Fachmagazins „Military Watch“ könnten Länder wie Indien, Türkei, Vietnam, Algerien und natürlich China Moskaus Kunden werden, wenn es sich für den Verkauf der Su-57 ins Ausland entscheiden sollte. Hinzu kämen sicherlich auch viele andere Länder.

    *Terrororganisation, in Russland verboten

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    Tags:
    Beteiligung, EU, Israel, F-22, USA, NATO, Rüstung, Syrien-Krieg, Kampfjet, Bewaffnung, Wladimir Putin, Alptraum, Su-57, Russland