22:28 14 Dezember 2019
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    Eine Su-57 in einer Montagehalle in Russland (Archiv)

    Absolut unsichtbar: Russlands neuer Su-57-Kampfjet

    © Sputnik / Ewgenij Samarin
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    Die russischen Luftstreitkräfte werden bis 2028 insgesamt 76 Kampfjets der fünften Generation des Typs Su-57 erhalten. Das hat Präsident Wladimir Putin höchstpersönlich in jüngsten Beratungen festgelegt. Der neuste russische Stealth-Fighter ist selbst für modernste Ortungsmittel „unsichtbar“.

    Das Programm zum Bau der russischen Kampfjets der fünften Generation ruft schon seit längerer Zeit kontroverse Kommentare hervor. Es finden sich unter anderem Kritiker, die seine „langsame Umsetzung“ beanstanden. Vor der historischen Entscheidung Präsident Putins hatten die Militärs mit den Flugzeugbauern den Kauf von nur zwölf Maschinen vereinbart. Dabei müssen die künftigen Su-57-Triebwerke noch vervollkommnet werden.

    Sechs Prototypen

    Schädlich für den Ruf der Su-57 sind auch die Probleme mit indischen Motorenbauern. Moskau und Neu-Delhi sind bekanntlich schon seit langem durch ein gemeinsames Programm zur Entwicklung des Kampfjets der fünften Generation (Projekt T-50) verbunden. Das Projekt bekam den Namen FGFA (Fifth Generation Fighter Aircraft). Aber laut indischen Medienberichten ruft die Maschine etliche Kritik hervor: Sie wäre „unmodern“, würde den Anforderungen der Entwickler nicht entsprechen, würde viel zu langsam gebaut usw. Es gab sogar Gerüchte, dass die Inder 2018 aus dem Projekt ausgestiegen wären. Aber die Vereinigte Flugzeugbaukorporation (russ. Abk.: OAK) dementierte diese Behauptungen.

    >>> Weitere Sputnik-Artikel: Putin will knapp 80 Su-57-Kampfjets<<<

    Es ist also kein Wunder, dass die Entscheidung zum Kauf von Su-57-Maschinen von russischen Medien und Experten eher skeptisch wahrgenommen wurde. Aber es stellt sich die Frage: Worum handelt es sich eigentlich bei der Su-57?

    In der vorigen Woche haben sechs Su-57-Kampfjets den russischen Präsidenten Putin bei dessen Flug nach Achtubinsk (Gebiet Astrachan) begleitet. In russischen und auch ausländischen Medien gab es etliche entsprechende Fotos und Videos. Aber wenn man sich diese Bilder genauer anschaut, kann man sehen, dass alle sechs Kampfjets sich ziemlich stark voneinander unterschieden. De facto gab es da keine zwei absolut ähnlichen Maschinen: Sie hatten unterschiedliche Nasenspitzen, Rumpf- und Flügelelemente usw.

    Darüber sollte man sich jedoch nicht wundern, denn rein formell wird die Su-57 noch nicht serienmäßig gebaut. Und alle bereits vorhandenen Maschinen wurden quasi testweise hergestellt und tragen den Index T-50. Und es wurde vermutlich noch nicht einmal beschlossen, welche Su-57-Version als Muster für die künftige Serienproduktion gelten soll.

    Der Beginn der Serienproduktion wurde schon mehrmals verschoben. Die erste Serie hätte 2018 hergestellt werden sollen, doch damals wurden die Arbeiten wegen aufgedeckter Mängel der Triebwerke AL-41F-1 unterbrochen. Im April wurde bekannt, dass ihre Tests erfolgreich verlaufen sind. Und die ersten zwölf Maschinen, die das russische Verteidigungsministerium ursprünglich bestellt hatte, sollten schon mit Serienmotoren ausgerüstet werden. Da aber jetzt 76 neue Flugzeuge gebaut werden sollen, wird der Beschluss zur Lieferung eines Su-57-Geschwaders höchstwahrscheinlich außer Kraft gesetzt.

    Unbemerkte Flüge nach Syrien

    Zwar hat die russische Luftwaffe noch keine einzige in Serie gebaute Su-57 erhalten, aber testweise wurden T-50-Kampfjets bereits bei richtigen Kämpfen eingesetzt. Es haben mindestens zwei Flüge dieser Maschinen nach Syrien stattgefunden: im Frühjahr und im Herbst 2018.

    Die erste „Dienstreise“ zum Stützpunkt Hmeimim dauerte nur wenige Tage. Später räumte das russische Verteidigungsministerium ein, dass die Maschinen Marschflugkörper abgefeuert hätten. Aber laut einigen Quellen wurden auch mehrere Schläge gegen IS-Stellungen versetzt. Dabei soll hochpräzise Munition eingesetzt worden sein.

    Die zweite „Dienstreise“ wurde rein zufällig bekannt. Auf einem aus dem Luftraum gemachten Foto des Stützpunktes Hmeimim wurde eine T-50-Maschine entdeckt. Die russische Militärbehörde musste zugeben, dass noch ein Einsatz der neuesten Kampfjets stattgefunden hatte. Dabei soll unter anderem die Arbeit verschiedener Bordsysteme getestet worden sein.

    Daraus kann man schließen, dass wenigstens die Waffen und die optisch-elektronischen Systeme der T-50 erfolgreich getestet wurden. Enorm wichtig ist zudem, dass der zweite Flug nach Syrien quasi unbemerkt geblieben war (die Maschinen wurden ja nur auf dem Satellitenfoto bemerkt), obwohl es im Nahen Osten von US-amerikanischen und israelischen AWACS-Flugzeugen und bodengestützten Radarsystemen wimmelt.

    Das spricht dafür, dass die Fähigkeit des russischen Super-Kampfjets, völlig unsichtbar zu sein, keine Fantasie ist.

    Im vorigen Jahr wurde darüber hinaus bekannt, dass ein einmaliger Radarkomplex an Bord einer T-50 erfolgreich getestet wurde. Sie wurde nämlich mit mehreren Antennen am Rumpf und an den Flügeln bestückt. Dabei können die T-50-Piloten ihre Gegner aus Hunderten Kilometern Entfernung sehen.

    Möglicherweise wurde in Syrien gerade diese Ausrüstung an Bord der Su-57-Flugzeuge während der Syrien-Einsätze getestet.

    Wer bekommt die neusten Kampfjets?

    Vorerst gibt es keine Informationen, welche Fliegerregimenter mit Su-57 als erste rechnen dürften. Voraussichtlich werden zwei bereits bestehende Truppenteile mit den Kampfjets der fünften Generation versorgt, und ein weiterer soll extra gebildet werden.

    Höchstwahrscheinlich geht es unter anderem um das 23. Fliegerregiment, das unweit vom Flugzeugwerk in Komsomolsk am Amur stationiert ist, wo die Maschinen gebaut werden. Dort wurden einst auch die ersten Su-35 quasi getestet. Diese Flugzeuge wird das Regiment anderen Truppenteilen überlassen.

    Übrigens erfordern die neuesten Bordanlagen der Su-57 eine Umformatierung der Organisations- und Stabsstruktur der russischen Fliegerkräfte. So war in Hmeimim vor dem Eintreffen der T-50-Kampfjets ein spezieller Hangar errichtet worden, wo Experten vermutlich die Arbeit der Bordsysteme testeten. Möglicherweise wollten sie überprüfen, ob von einem Flugzeug mit diesen Anlagen eine funkelektronische Ausstrahlung ausgeht. Das ist enorm wichtig, um zu verstehen, ob Su-57-Flugzeuge wirklich „unsichtbar“ für potenzielle Gegner bleiben werden oder doch nicht.

    Um diese Arbeit zu leisten, bedarf es nicht nur entsprechender Anlagen, sondern auch gut ausgebildeter Spezialisten. Wenn man den Umfang des Auftrags (76 Maschinen) bedenkt, wird ihre Ausbildung mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen.

    Fazit

    Also kann man gewisse Schlüsse ziehen: Wenigstens die wichtigsten funkelektronischen und Bordsysteme für den Su-57-Kampfjet sind bereits getestet worden, unter anderem unter richtigen Kriegsbedingungen. Probleme gibt es nur mit den Motoren AL-41F-1. Allerdings waren die T-50 in Syrien mit alten AL-41-Triebwerken bestückt, und alle Aufgaben wurden erfolgreich erfüllt.

    Wann die Luftstreitkräfte die neuesten Flugzeuge erhalten werden, steht noch nicht fest. Vermutlich wird das Verteidigungsministerium eine gewisse Pause einlegen, und die Su-57 werden wenigen Regimentern zur Verfügung gestellt, die sie de facto zusätzlich testen werden.

    Darüber hinaus muss, wie gesagt, die Organisationsstruktur der Fliegerkräfte modernisiert werden, weil für die neuesten Anlagen, mit denen Su-57-Flugzeuge ausgestattet werden, besondere Fachkräfte erforderlich sind.

    Zudem muss die neue bodengestützte bzw. mobile Ausrüstung geprüft werden. Dabei geht es nicht nur um stationäre, sondern auch um mobile Anlagen.

    Angesichts dessen kann man also vermuten, dass die Kampfjets Su-57 massenweise frühestens im Jahr 2022 in die Bewaffnung der russischen Streitkräfte aufgenommen werden, höchstwahrscheinlich noch etwas später. Aber vorerst reichen auch die modernen und zuverlässigen Su-30SM und Su-35 aus. Im Vordergrund sollte die Zuverlässigkeit des Kampfjets fünfter Generation stehen, und für seine Vervollkommnung können sich die zuständigen Dienste Zeit nehmen.

    >>> Weitere Sputnik-Artikel: US-Luftwaffe tarnt F-16C-Jäger als Su-57 – VIDEO<<<

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    Skepsis, Su-57, Militärflugzeuge, Radarsystem, Serienproduktion, Experten, Kauf, Kampfjets, Flugzeuge, Probleme, Kampfjet, Putin, Russland, Syrien, Luftstreitkräfte, Stealth-Jet, Su-57, FGFA-Programm, Triebwerke, AWACS-Flugzeug, T-50-Kampfjet, Vereinigtes Flugzeugbaukonsortium (OAK), Vereinigte Flugzeugbaukorporation OAK, Luftstreitkräfte Russlands, New Delhi, Indien, Israel, Syrien, USA, Moskau