02:07 20 November 2019
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    US-Flugzeugträger USS Ronald Reagan (CVN 76) im Pazifik (Archiv)

    Schlacht im Pazifik: US Navy könnte Chabarowsk locker vernichten, aber…

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist 3rd Class Dylan McCord
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    In Nord und West ist Russland gut geschützt gegen Angriffe vom Meer. Doch wie Russlands lange Küste in Fernost verteidigt werden kann, sollte die US Navy mit einer Trägerkampfgruppe anrücken, ist eine Frage, die den russischen Profi-Strategen Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Das Portal „vpk-news“ konstruiert ein mögliches Lagebild.

    Die US-Pazifikflotte ist in der Tat eine brachiale Kraft. 6 Trägerkampfgruppen mit je 70 Flugzeugen plus allerlei Raketen auf den Kreuzern, Zerstörern und U-Booten eines Begleitverbands – zusammengezählt, an die 700 Stück.

    Die Hauptwaffe dieser Armada ist die „Tomahawk“. Mit dem Marschflugkörper kann die US-Marine Großstädte wie Chabarowsk beschießen. Strategisch wichtige russische Industrie wäre auch in Reichweite: Die Gasleitung „Kraft Sibiriens“ zum Beispiel oder die „Swesda“-Werft – die einzige, wo Atom-U-Boote der russischen Pazifikflotte gewartet werden.

    Kräftestand auf dem Papier…

    Flugzeugträger der US-Flotte patrouillieren im Pazifik auf Rotationsbasis: eine Hälfte ist im Einsatz, die andere Hälfte im Hafen, zur Inspektion, Wartung, Nachrüstung. Was die Amerikaner wirklich zur russischen Küste auf einmal schicken könnten (sofern sie es denn wollten), wären drei, allerhöchstens vier Trägerkampfgruppen.

    Deren Schiffe sind mit Vielfachstartrampen Mk-41 bestückt, die es ermöglichen, sehr flexibel auf Einsatzanforderungen zu reagieren: je nach Mission werden die Startschächte mit Flugabwehr-, Antischiffs- oder Lenkraketen beladen.

    Der Standard-Kampfsatz eines „Arleigh Burke“-Zerstörers sind 74 Fla-Raketen, 8 Seezielflugkörper – und nur 8 „Tomahawks“. Die „Ticonderoga“-Kreuzer haben 26 „Tomahawks“ und sind damit die große Gefahr für Ziele an Land. Die Zerstörung von Flottenverbänden übernehmen indes die Flugzeugträger selbst, mit ihren Geschwadern.

    Die „USS Nimitz“ etwa hat 48 Kampfjets an Bord. Gleichzeitig verfügbar sind sie jedoch nicht: Die Maschinen können nicht synchron vom Flugdeck starten. Daher auch die unterschiedlichen Einschätzungen, wieviel Flugzeuge die „Nimitz“ zügig in den Einsatz bringen kann. Man geht von 20 bis max. 35 Kampfjets aus – die restlichen Maschinen bleiben auf dem Träger als Reserve.

    Trotzdem: Kämen die Amerikaner mit drei oder vier Flugzeugträgern gleichzeitig, könnten immer noch 80 bis 100 Kampfjets für den Angriff mobilisiert werden – eine zahlenmäßig betrachtet nicht zu unterschätzende Schlagkraft. Doch um russisches Festland angreifen zu können, müssten die Trägerverbände noch an der russischen Pazifikflotte vorbei.

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    …und im echten Leben

    „Warjag“, der Raketenkreuzer, ist das Flaggschiff der russischen Pazifikflotte. Sein stärkstes Argument sind 16 Seezielraketen P-1000, jede einzelne dazu fähig, einen amerikanischen Flugzeugträger einsatzuntauglich zu schießen, mindestens.

    Auch mit gefährlichen, wenn auch schon älteren Raketen ist der Zerstörer „Bystryi“ bewaffnet. Er hat 8 „Moskito“-Raketen an Bord. Eine davon kann einen „Ticonderoga“ versenken.

    Hinzu kommen zwei Korvetten der „Sowerschennyi“-Klasse mit je acht Raketen Ch-35. Und vier Fregatten der „Udaloi“-Klasse – die sorgen für die starke Flug- und U-Boot-Abwehr der Pazifikflotte.

    Würden diese acht Schiffe auf hoher See auf drei oder vier Trägerkampfgruppen treffen, würden sie höchstwahrscheinlich sang- und klanglos untergehen. Nicht aber, wenn die amerikanische Träger-Armada sich bis kurz vor das Ochotskische Meer vorwagen würde. Dann hätte die Pazifikflotte noch ein gutes Dutzend Korvetten in petto, die für ihre Klasse ordentlich bewaffnet sind.

    Und: Die Schlacht findet dann in Reichweite russischer Flugplätze statt, auf denen gut 80 Kampfjets der Suchoi-Familie stationiert sind: die Su-27, Su-30 und ja auch die Su-35. Mit Zusatztanks schafft dieser Flugzeugtyp einen Einsatzradius von weit über 2.000 km – die US Navy ist in Griffweite.

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    Außerdem stehen noch die Hyperschallbomber Tu-22M3 in Russlands fernem Osten Wache. Eigens zur Abwehr von Trägerkampfgruppen sind sie mit den Seezielraketen Ch-22 bestückt.

    Und schließlich der Trumpf der russischen Pazifikflotte: zwei Atom-U-Boote der „Antei“- und ein Mehrzweckboot der „Tschuka“-Klasse. 144 Raketen, Torpedos und Torpedoraketen halten die drei Riesen zusammen vor, für den Fall der Fälle.

    Es dürfte also eine heiße Schlacht werden, sollte die US Navy sich in russische Pazifikgewässer wagen. Was von den Trägergruppen übrigbleiben würde, ob ein Flugzeugträger dann überhaupt noch Kampfjets in die Luft bringen könnte, ist ungewiss.

    Gewiss ist nur, neben den oben genannten Fakten, dass Russland entlang seiner fernöstlichen Küste die Schiffsabwehrsysteme „Bastion“ aufgestellt hat – und dass die russische Flugabwehr mit EloKa-Anlagen gut ausgestattet ist.

    Auch weiß man, dass eine Flotte niemals unbemerkt in eine Richtung aufbrechen kann. Fährt eine Trägerkampfgruppe auf die russische Küste los, werden russische Truppen in Fernost unverzüglich verstärkt. Ein paar „Bastion“-Systeme auf Kamtschatka, auf der Insel Sachalin oder auf den Kurilen wären sicherlich eine starke Überraschung für den ungebetenen Besuch aus Übersee.

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    Tags:
    Bastion-System, Verteidigung, Flugzeugträger USS Nimitz, Tomahawk-Rakete, Pazifik, Chancen, Angriff, Flotte, Russland, USA