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05:45 20 September 2019
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    Eine Strom-Boje der Aqua Libre Finanzierungs-GmbH (Archiv)

    Loreley trifft auf Hightech: Österreichische Strom-Bojen erobern den Rhein

    © Foto : Aqua Libre Finanzierungs-GmbH
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    Konstante Wasserkraft ohne Stau, ökologische Folgen und Gefahr für die Fische – das verspricht eine Strom-Boje aus Österreich. 16 dieser Bojen werden bald schon im Rhein schwimmen und Strom erzeugen. Eine einzige von ihnen soll bis zu 100 Haushalte versorgen. Die Bohrarbeiten im Rhein laufen schon.

    Wasserkraft ist eine erneuerbare Energie. Wasser, durch Dämme gestaut, kann bedarfsgerecht abgerufen werden und ist nicht abhängig von Wetterlage wie Windrad und Solarmodul. Allerdings bringen Staudämme auch Probleme mit sich. Neben massiven Zwangsumsiedlungen ansässiger Bevölkerung wie etwa beim chinesischen Drei-Schluchten-Staudamm können sie ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen: Fische können nicht mehr zu ihren Brutplätzen, gefährliche Bakterien häufen sich im stehenden Wasser – von der Gefahr von Dammbrüchen ganz abgesehen. Aus solchen Gründen werden in Deutschland in erster Linie Windräder und Solaranlagen aufgestellt.

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    Eine Technologie aus Österreich verspricht jetzt ein Comeback der Wasserkraft und hat sich bereits einen Platz am Rhein in der Nähe des berühmten Loreley-Felsens gesichert. Die Strom-Boje verändert das Strömungsverhalten des Flusses nicht, sondern nutzt das durchfließende Wasser für eine konstante Energieerzeugung. „Die Stromboje ist bis jetzt das einzige weltweit funktionierende Kleinkraftwerk, das die frei fließende Strömung nutzt, ohne einen baulichen Eingriff in den Fluss, ohne Stau, ohne Rechen, völlig neutral ohne Gefahr für alle möglichen Lebewesen und Insassen des Flusses“, sagt Fritz Mondl, Erfinder der Boje gegenüber Sputnik.

    © Foto : Aqua Libre Finanzierungs-GmbH

    Mit einer Nennleistung von 70 Kilowatt könne die elf Meter lange Boje in Abhängigkeit von der „Standortqualität“ bis zu 300 Megawattstunden erbringen oder 70 bis 100 Haushalte à 3500 Kilowattstunden pro Jahr versorgen. Die „Qualität“ bezeichnet in erster Linie die Strömungsgeschwindigkeit, die über zwei Meter die Sekunde oder 7,2 Kilometer die Stunde betragen sollte, damit sich eine Boje wirtschaftlich lohnt. Außerdem braucht die Boje eine Mindesttiefe von 2,5-3 Meter des Gewässers im Jahresdurchschnitt, in dem sie zum Einsatz kommt. Bei Hochwasser steigt sie an der Kette, mit der sie im Grund verankert ist, automatisch hoch.

    Die Stromboje im Erklärvideo:

    Die finale „Strom-Boje 3“ wurde ursprünglich für große Flüsse wie die Donau oder den Inn konzipiert, betont Mondl. Dort könne sie zwischen 200.000 und 250.000 Kilowattstunden im Jahr generieren. „In der Wachau könnten wir mit 350 Strombojen die ganze Region stromenergieautark machen“, so Mondl. Doch bis auf einen Prototyp der Boje, der seit 2016 in der Donau im Einsatz ist, hat es keine weitere Boje in Österreich in die Flüsse geschafft. Das liege an den unzähligen gesetzlichen Auflagen, so Mondl. Diese seien in Deutschland weit weniger aufwändig ausgefallen, weshalb der erste Wasserpark von insgesamt 16 Bojen am Rhein entstehen wird.

    Oder besser gesagt: im Entstehen begriffen ist. Denn die „MittelrheinStrom“UG hat dort schon die ersten acht Verankerungen bohren lassen und wartet auf die Strom-Bojen, die in einem halben Jahr geliefert werden sollen, teilt der Mitgründer von MittelrheinStrom, Norbert Burkart, gegenüber Sputnik mit. Ein Vorserienmodell der Boje soll das Stromunternehmen allerdings in nächster Zeit schon erhalten, mit der es die Auflagen erfüllt: Darunter ein Fischmonitoring mit Kamera und Netz, um zu prüfen, wie sich die Technologie auf die schwimmenden Einwohner des Rheins auswirke.

    •  Der Katamaran „Current Worker“ im Rhein auf der Höhe des St. Goar-Felsens bei der Arbeit
      Der Katamaran „Current Worker“ im Rhein auf der Höhe des St. Goar-Felsens bei der Arbeit
      © Foto : Aqua Libre Finanzierungs-GmbH
    •  Mit einer Rammsonde wurden die acht Verankerungen in den Grund getrieben
      Mit einer Rammsonde wurden die acht Verankerungen in den Grund getrieben
      © Foto : Aqua Libre Finanzierungs-GmbH
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    © Foto : Aqua Libre Finanzierungs-GmbH
    Der Katamaran „Current Worker“ im Rhein auf der Höhe des St. Goar-Felsens bei der Arbeit

    „Früher hat es am Rhein viele Schiffsmühlen gegeben“, erzählt Burkart. Für diese Mühlen habe er sich sehr interessiert und sich zugleich gefragt, wie sich die Strömung in unserer Zeit abgreifen ließe. Zur selben Zeit hatte Mondl große Erfolge mit seiner Boje zu verzeichnen. Von 2010 an standen die beiden Unternehmen deswegen in Kontakt.

    Zu Recht, findet Mondl: „Herr Burkart kann mit seiner MittelrheinStrom UG an dem Standort sicher 300.000 bis 350.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen.“ Aber das wäre vielleicht nicht das Wichtigste, denn schließlich ist die Region gut versorgt. Sinn ergeben solche Parks vor allem im Zusammenhang mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien, denn im Gegensatz zu Sonne und Wind fließt das Wasser im Rhein ständig. Damit ist die Strom-Boje „grundlastfähig“ und kann die Basis zur Stromversorgung auch dann bereitstellen, wenn das Wetter nicht mitspielt.

     Interviewpartner Fritz Mondl, Erfinder der Strom-Boje
    © Foto : Aqua Libre Finanzierungs-GmbH
    Interviewpartner Fritz Mondl, Erfinder der Strom-Boje

    Ursprünglich kostet eine solche Strom-Boje 350.000 Euro, in der Serienproduktion soll der Preis aber auf bis zu 200.000 fallen, merkt Mondl an. Auf die Rentabilität übertragen heißt das: „Wir erzeugen in etwa neun Monaten die Energie, die notwendig ist, die Stromboje zu erzeugen.“ Die Bojen selbst sollen mindestens 25 Jahre im Einsatz sein können. Sie bestehen aus Stahl und Polyethylen und Wartungsarbeiten sind nur an zwei austauschbaren Lagern alle 100.000 Betriebsstunden notwendig, so Mondl.

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    Das Interview mit Fritz Mondl in voller Länge:

    Das Interview mit Norbert Burkart in voller Länge:

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    Tags:
    Stromversorgung, Unternehmen, Gewässer, Fluss, Ökosysteme, Technologie, Ökologie, Wasser, Österreich, Haushalt, Folgen, Fische, Energie, Strom, Boje, Deutschland, Rhein