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05:34 23 Juli 2019
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    Militärparade in Pakistan (Archiv)

    „Und wenn wir hungern müssen“: Warum baut Pakistan A-Bomben um jeden Preis?

    © AFP 2019 / AAMIR QURESHI
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    Das Verhältnis zwischen Pakistan und Indien balanciert seit Jahrzehnten am Abgrund eines Krieges. Ein permanenter Ausnahmezustand, der für Islamabad auch der Grund dafür ist, atomar aufzurüsten. Das Portal „Swesda“ zeigt, wie sich Pakistan zu einer Atommacht entwickelte – und wie groß diese Macht heute ist.

    Selbst wenn die Pakistanis Graswurzeln und Blätter essen oder sogar hungern müssten, würde Pakistan eine Atombombe bauen. Der ehemalige pakistanische Außenminister Zulfikar Ali Bhutto sagte das 1965, mitten im Krieg gegen Indien. Ein Krieg, der für Pakistan ruhmlos endete, wie schon die Fehde mit dem großen Nachbar in den Jahren 1947-1949.

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    Diese schmerzhaften Niederlagen waren und sind für Islamabad bis heute ein starkes Motiv, nuklear aufzurüsten. Zwar ist Pakistan das größte muslimische Land der Welt, doch mit dem bevölkerungsstärkeren Indien kann es sich nicht messen. 200 Millionen gegen 1,5 Milliarden Einwohner –dieser Unterschied zeigt sich auch in der Armeestärke beider Länder: circa 650.000 Mann hat Pakistan unter Waffen, 1.350.000 Soldaten stehen in Indien bereit.

    Pakistans Weg in den „Klub der Atomächte“ fing mit der friedlichen Kernenergie an. Mitte der 1950er Jahre wird mit der Gründung einer „Kommission für Atomenergie“ das pakistanische Atomprogramm geboren. 1965 startet der erste Reaktor, der noch mit importierten Brennstäben und unter strenger Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation läuft. Zeitgleich werden Spezialisten ausgebildet. Und schon 1972 geht in Karachi das erste pakistanische KKW ans Netz.

    Parallel dazu werden Uranvorkommen erschlossen und Anlagen zur Herstellung von Schwerwasser entwickelt. Wie nebenbei wird Plutonium erzeugt. Mit dem Programm zur friedlichen Nutzung der Kernenergie schafft das Land sich fast unbemerkt die Grundlage, die für ein militärisches Atomprogramm nötig ist.

    Es war sicherlich so, schreibt das Portal, dass der Führung in Islamabad die Vorstellung schmeichelte, Pakistan würde zur ersten Atom- und damit zur Führungsmacht in der islamischen Welt aufsteigen. Dennoch schlug Pakistan im November 1974 vor, eine atomwaffenfreie Zone in Südasien einzurichten. Die Initiative fand nahezu die einhellige Zustimmung der UN-Vollversammlung – doch Indien, das bereits eigene Atomwaffen getestet hatte, war strikt dagegen. Was also blieb Pakistan übrig?

    1986 vereinbart Islamabad mit Peking eine kernwaffentechnische Kooperation. China verpflichtet sich, Technik zum Bau eines für heutige Verhältnisse kleineren Sprengkopfs zu liefern und Fachleute nach Pakistan zu entsenden, die den Bau von Gaszentrifugen organisieren sollen. Später, 1996, liefern die Chinesen wichtige Bauteile für Anlagen zur Urananreicherung nach Pakistan.

    Das Ergebnis dieser Anstrengungen: Bis Ende des vergangenen Jahrhunderts hatte Pakistan an die zehn Sprengköpfe auf Uran-Basis hergestellt – plus mehrere Plutonium-Bomben. Im Mai 1998 zündete das Land bei unterirdischen Tests vier Sprengsätze auf Uran- und zwei auf Plutonium-Basis.

    Übrigens wurde Anfang der 2000er Jahre publik, dass Pakistan sein nukleares Know-how mit vielen, hauptsächlich arabischen Ländern teilte. Iran und Libyen, Algerien und Ägypten, Saudi-Arabien und Syrien sollen pakistanische Technologien erhalten haben – und sogar Nordkorea.

    Das Trauma und die Doktrin

    Aus der Sicht von Islamabad dient sein Atomarsenal vor allem dem Zweck, Indien als potenziellen Aggressor einzudämmen. Eine nationale Katastrophe wie 1971 soll Pakistan nicht noch einmal passieren: Damals, nach dem verlorenen Krieg gegen Indien, zerfiel das Land – Bangladesch spaltete sich ab.

    Die Fälle, in denen Pakistan Kernwaffen einsetzen würde, sind in der Militärdoktrin des Landes aufgezeigt. Kann die pakistanische Armee einen Angriff mit konventionellen Waffen nicht abwehren, droht dem Land die vollständige Vernichtung durch den Einsatz von C- oder B-Waffen; steht Pakistan wegen Seeblockaden oder etwa durch den versperrten Zugang zum Trinkwasser vor einem wirtschaftlichen Kollaps; gefährden vom Aggressor ausgelöste Unruhen den Zusammenhalt des Landes – dann behält sich die pakistanische Führung den Einsatz von Atomwaffen vor.

    Es muss nicht gleich großflächig mit Atombomben geworfen werden, um den Aggressor aufzuhalten und zur Vernunft zu bringen. Eine Warnung mit anschließender Zündung eines kleineren nuklearen Sprengkopfs auf eigenem Territorium könnte auch schon genügen – jedenfalls gehen pakistanische Strategen in ihrer Doktrin davon aus. Verfehlen die Warnsignale ihre Wirkung, würden gegnerische Truppen, die schon nach Pakistan eingedrungen sind, oder Ziele auf dem Gebiet des Aggressors nuklear angegriffen.

    Allerdings besteht auch dabei das Risiko eines leichtfertigen Kernwaffeneinsatzes. Denn Medienberichten zufolge hat das Oberkommando des Landes die Entscheidung über den nuklearen Schlag gegen den Aggressor auf die niederen Offiziersränge übertragen. Das senkt die Einsatzschwelle von Kernwaffen natürlich deutlich.

    Das Arsenal

    Eine Atomtriade kann Pakistan gegenwärtig nicht vorweisen. Das Land verfügt nur über boden- und luftgestützte Kernwaffensysteme: ballistische Raketen, Marschflugkörper und taktische Jagdbomber, die Atombomben aufnehmen können.

    Über 500 Kampfflugzeuge stehen im Dienst der pakistanischen Luftwaffe. Wie viele Maschinen wirklich nuklearfähig sind, ist schwer zu sagen. Fachleute gehen davon aus, dass Pakistan mehrere seiner F-16- und „Mirage“-Kampfjets für den Abwurf taktischer Atombomben hat ausrüsten können. Sicherlich sind auch die in Pakistan gebauten Jagdbomber J-17 dafür geeignet, Atombomben an einen Einsatzort zu bringen.

    An bodengestützten Systemen verfügt Pakistan über zwei Raketentypen mit Feststoffantrieb: „Nasr“ (60 Kilometer Reichweite, 400 Kilogramm schwerer Gefechtskopf) und „Abdali“ (180 Kilometer Reichweite, 2.000 Kilogramm schwerer Gefechtskopf).

    Einen Aktionsradius von über 2.000 Kilometern hat die pakistanische „Shaheen-II“-Rakete. Der zweistufige Flugkörper verfügt über einen Feststoffantrieb. Der Gefechtskopf kann nach Angaben des pakistanischen Militärs manövrieren, um der gegnerischen Flug- und Raketenabwehr auszuweichen. Westliche Experten bezweifeln das jedoch.

    Die Nachfolgerin dieser Rakete – die „Shaheen-III“ – soll mit einer Reichweite von fast 3.000 Kilometern Ziele auf dem größten Teil des indischen Gebiets treffen können. Zwei Mal schon ist der neue Flugkörper erfolgreich getestet worden, die Indienststellung steht noch aus.

    Nach Ansicht von Experten baut Pakistan seine nuklearen Fähigkeiten intensiv aus. In den nächsten zehn bis zwölf Jahren kann das Land nach der Anzahl der Gefechtsköpfe zur drittgrößten Atommacht aufsteigen. Es würde dann über 350 bis 400 Gefechtsköpfe verfügen, statt der heutigen 130 bis 140 Stück. Bei den derzeitigen Uranvorräten und dem Produktionstempo ist das laut dem Portal eine realistische Einschätzung.

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