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20:10 22 September 2019
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    Patronen für russische Feuerwaffen des Kalaschnikow-Konzerns (Archiv)

    Jagd auf die Kalaschnikow-Kugel: Warum braucht Pentagon russische Munition?

    © Sputnik / Kirill Kallinikow
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    Es gibt eine Ausschreibung, die man erst einmal begreifen muss: Das Pentagon hat Waffenfirmen aufgefordert, Angebote zur Lieferung von Patronen für russische Feuerwaffen abzugeben – unter anderem auch für Kalaschnikow-Waffen. Die Zeitung „Gazeta“ hat Experten gefragt, was das zu bedeuten hat.

    „Darüber ist uns nichts bekannt. Aber überrascht sind wir nicht“, erklärte die Pressestelle des Kalaschnikow-Konzerns auf Nachfrage der Zeitung zur Ausschreibung des Pentagons. Durch die Ausschreibung werde ein weiteres Mal „die Zuverlässigkeit und die Qualität unserer Waffen“ bestätigt, so die Konzern-Sprecher.

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    Worum es dem Pentagon konkret geht, sind laut der Zeitung Patronen mit dem Kaliber 5,45 und 7,62 Millimeter für russische Handfeuerwaffen und Gewehre: unter anderem für die Makarow- und die TT-Pistole, für das Scharfschützengewehr Dragunow oder das schwere Maschinengewehr PKM von Kalaschnikow. Bei diesen Angaben beruft sich die Zeitung auf das Fachportal „Defence Blog“, das über die Ausschreibung berichtet hat.

    Das Maschinengewehr PKM ist eine wertvolle und anerkannte Waffe, schreibt die Zeitung. Selbst das Fachblatt „National Interest“ beurteilt das MG sehr positiv: „Obwohl das Sturmgewehr als Kalaschnikows bestes Erzeugnis gilt, ist das PKM das Beste, was er je erschaffen hat.“

    Das Kalaschnikow-MG (das PKM) wurde 1961 in Dienst gestellt und acht Jahre später modernisiert. Das Maschinengewehr ist bis heute – wie das legendäre Sturmgewehr – eine Standardwaffe vieler Streitkräfte weltweit.

    Das PKM ist mit nur 7,5 Kilogramm Eigengewicht eines der leichtesten Vollkalibergewehre der Welt. Das ist ein klarer Vorteil zum Beispiel gegenüber dem belgischen FN MAG mit seinen 11 Kilogramm Gewicht. Selbst die neueren FN Minimi-MGs sind eineinhalb Kilogramm schwerer als das russische Modell.

    Beliebt ist das PKM auch bei den Verbündeten der Vereinigten Staaten. Es ist das Standard-MG der finnischen Infanterie. Und Polen stellt eine eigene PKM-Version her, angepasst an die Nato-Munition.

    Ende letzten Jahres berichteten Fachmedien, die US-amerikanischen Spezialeinsatzkräfte suchten nach einer Möglichkeit, Waffen in den Vereinigten Staaten nachzubauen, die bei den technischen Parametern dem Kalaschnikow-MG oder dem Großkalibermaschinengewehr NSW entsprechen würden. Für Waffenfirmen, die an diesem Auftrag interessiert sind, werden Fördermittel bereitgestellt.

    Diesen Aufwand betreibt die US-Militärführung laut Medienberichten offenkundig, um bestimmte bewaffnete Gruppen in Syrien und Irak mit Waffen zu versorgen. Das sind Länder, wo russische und alt-sowjetische Waffensysteme – vom Gewehr bis zur mobilen Raketenstartrampe – extensiv genutzt werden.

    Es sollen vollwertige Kopien oder gar verbesserte Versionen russischer Waffen in den USA hergestellt werden. Was übrigens absolut illegal wäre, wie ein Sprecher des russischen Technologiekonzerns Rostec laut der Zeitung erklärte: Der Nachbau russischer Waffen müsse in Absprache mit dem russischen Waffenexporteur Rosoboronexport erfolgen. „Anderenfalls handelt es sich um Raubkopien russischer Entwicklungen. Oder schlicht um Diebstahl.“ Ansonsten ist das Vorhaben der USA „ein weiterer Beleg für die Vorteile russischer Wehrtechnik“, so der Rostec-Sprecher.

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    Firmen, die sich um Fördergelder zum Nachbau russischer Waffen bewerben wollen, müssen mindestens fünf Prototypen vorzeigen. Die Baupläne, die Werkstoffe und die Komponenten dafür müssen sie entweder selbst beschaffen oder herstellen, so die Forderung des Auftraggebers in den USA.

    Die entscheidende Frage aber ist, wozu die Militärführung der Vereinigten Staaten solche Waffen überhaupt braucht. „Gegenwärtig kaufen die USA Waffen aus sowjetischer Fertigung in den Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes: Rumänien und Bulgarien zum Beispiel. Anschließend landen die Waffen bei den US-Schützlingen in Afghanistan, Irak, Syrien und anderen Weltregionen. Die Kosten dürften sich auf mehrere hundert Millionen Dollar jährlich belaufen. Aber, wozu kaufen, wenn man die Waffen selber herstellen kann? Daher die Ausschreibung“, erklärt der Fachjournalist Wiktor Murachowski, Chefredakteur einer russischen Rüstungszeitschrift.

    Besonders auffällig ist laut dem Experten die Anforderung an die Hersteller, die Baupläne, die Werkstoffe und die Bauteile für den Nachbau russischer Waffen in Eigenregie aufzutreiben. Offensichtlich will die US-Armee sich da raushalten.

    Allerdings: Zu Sowjetzeiten wurden die Blaupausen und die technische Dokumentation für zahlreiche Waffen- und Munitionsmuster großzügig verteilt. Diese Unterlagen heute aufzutreiben, dürfte für Profis nicht so schwierig sein, schätzt der Experte.

    Dennoch: „Bisher hat noch kein ausländischer Hersteller Waffen von vergleichbarer Zuverlässigkeit, Qualität und Belastbarkeit entwickelt – auch diejenigen Hersteller nicht, die Zugang zu entsprechenden Unterlagen haben“, sagt Militärexperte Murachowski. „Bei diesen Parametern bleiben die russischen Hersteller die Besten.“

    Noch ein interessanter Aspekt: Das US-Finanzministerium hat 2014 Sanktionen gegen den Kalaschnikow-Konzern und andere russische Rüstungsfirmen verhängt. Seit März letzten Jahres ermitteln US-Behörden gegen die Firma „Kalashnikov“, einen in Florida ansässigen Hersteller von Kalaschnikow-Gewehren.

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