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09:46 22 August 2019
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    Vorbereitung des Kampfflugzeuges Su-25 in Syrien (Archiv)

    Mit schwerem Feuerhagel: Russland bekämpft Panzertechnik in Syrien

    © Sputnik / Wadim Grischankin
    Technik
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    Sprengsätze werden aus einem Behälter freigesetzt, schweben an Fallschirmen auf Ziele zu… Zündung. Ein Video aus dem Netz zeigt, wie die russische Luftwaffe eine Kassettenbombe in Syrien einsetzt – wahrscheinlich eine RBK-500 SPBE. Die Bombe dient zur Panzerabwehr. Das Portal „Swobodnaja pressa“ berichtet.

    Bevor Kritiker wieder schimpfen, Russland setze Waffen ein, die international verboten seien, muss man etwas klarstellen, schreibt das Portal: die RBK-500 einzusetzen ist, wenn man so will, legal. Ja, die internationale Konvention von 2010 verbietet den Einsatz bestimmter Streubomben. Um zu erkennen, welcher, muss man aber genau hinsehen. 

    Was bei der Panzerabwehr wirkungsvoll ist, kann für die Zivilbevölkerung zur Lebensgefahr werden. Eine Kassettenbombe verstreut die Submunition relativ großflächig, nicht alle Projektile zünden jedoch. Blindgänger bleiben auf dem Boden liegen und sind in der Tat eine Gefahr, vor allem für neugierige Kinder.

    Dennoch lässt die besagte Konvention die Nutzung zweier Arten von Kassettenbomben zu, schreibt das Portal. Enthält die Bombe weniger als zehn Subprojektile, die jeweils über vier Kilogramm wiegen, und ist jeder dieser Sprengsätze mit einer Vorrichtung zur Selbstvernichtung und -deaktivierung versehen, oder ist die Bombe mit Sprengsätzen beladen, die mehr als 20 Kilogramm wiegen, ist deren Einsatz erlaubt.

    Abgesehen davon, dass Russland – wie auch die USA, China, Indien, Pakistan, Israel, Saudi-Arabien und viele andere Länder – die Konvention nicht unterzeichnet hat, haben russische Ingenieure die RBK-500 SPBE so ausgelegt, dass sie die Bestimmungen der Übereinkunft erfüllt.

    Die Bombe ist eine 500-kg-schwere Kassettenbombe: ein Behälter, der 15 gelenkte Sprengsätze enthält. Wieviel genau jedes dieser Subprojektile wiegt, ist unbekannt – mindestens 20 kg schwer muss panzerbrechende Submunition aber sein, das steht fest.

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    Und so funktioniert die RBK-500 SPBE. Abgeworfen in Höhen von 400 bis 5.000 Metern fliegen die Subprojektile zunächst im freien Fall dann an Fallschirmen gen Boden. Unter den insgesamt 15 Subprojektilen sind nur 14 Sprengsätze – das andere ist ein sogenanntes Führungsprojektil: Statt einer Sprengladung hat es einen Höhenmesser.

    In einer Höhe von circa 150 Metern schalten die 14 Subprojektile auf Kommando des Führungsprojektils die Zielsuche ein. Infrarotsuchköpfe sondieren das Zielgebiet, die Kurskorrektur erfolgt mittels kleiner Heckflossen.

    Bestückt sind die Projektile mit hochexplosiver Hohlladung, die schwer genug ist, um in einen Kampfpanzer von oben einzuschlagen. Von oben ist wichtig, denn dort sind die Kettenkampffahrzeuge deutlich leichter gepanzert. Allerdings erkennen nicht alle Sprengköpfe ihre Ziele: einige fallen ohne Zündung zu Boden. Sechs bis zehn Ziele trifft eine Kassettenbombe im Durchschnitt, das ist die gängige Rechnung.

    Auf dem genannten Video muss nicht unbedingt der Einsatz einer RBK-500 SPBE zu sehen sein. Diese Bombe ist ziemlich alt, entwickelt noch in den 1980ern und seit 1991 in Serie. Eine Weiterentwicklung dieser Streubombe ist die SPBE-D. Gut möglich, dass eben sie auf dem Video in Aktion zu sehen ist.

    Der Hauptunterschied zur Vorgängerbombe: Bei der SPBE-D sind alle 15 Subprojektile mit Sprengsätzen bestückt. Möglich wurde dies durch die Verkleinerung von Bauteilen. Da alle Projektile mit einem Höhenmesser ausgerüstet werden konnten, entfällt das Erfordernis eines Führungsprojektils.

    Die Sprengkraft der Submunition konnte vergrößert, die Zuverlässigkeit der Kassettenbombe als Ganzes konnte erhöht werden, denn die Submunition der SPBE-D ist nicht länger von der störungsfreien Funktion eines einzigen Führungsprojektils abhängig, um zu zünden.

    Der Hersteller der SPBE-D, der Technologiekonzern Basalt, hat eine weitere Variante der Kassettenbombe entwickelt: die RBK-500U, Codename „Drel“ (Bohrer). Diese Bombe ist technologisch deutlich weiter als ihre beiden Vorgängerinnen.

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    Zum einen kann die komplette Kassettenbombe nach dem Abwurf bis zu 50 Kilometer weit gleiten, bevor die Submunition aus dem Behälter freigesetzt wird. Gesteuert wird der Gleitflug vom Navigationssystem GLONASS. Zum anderen ist die RBK-500U aufgrund einer radarstrahlenabsorbierenden Beschichtung schwerer zu orten.

    Die Subprojektile der neuen Bombe verfügen über zwei Zielsuchköpfe: einen IR- und einen Radarsensor. Deshalb kann die Bombe nicht nur gegen wärmestrahlende, sondern auch gegen kalte Ziele eingesetzt werden – gegen Kampffahrzeuge mit abgestelltem Motor oder gegen Schutzanlagen zum Beispiel. Neben der panzerbrechenden Hohlladung sind die Subprojektile auch mit betonbrechenden Sprengsätzen bestückt.

    Ein sehr wichtiges Feature der neuen Bombe: die Freund-Feind-Erkennung. Die RBK-500U kann deshalb über einem Panzergefecht abgeworfen werden, ohne schwere Kollateralschäden zu riskieren.

    Die Kassettenbombe wird gegenwärtig auf die Erprobung bei der russischen Armee vorbereitet. Die Tests sollen dieses Jahr anlaufen. Vielleicht ist es auch schon ein Testabwurf der RBK-500U, der auf dem Video zu sehen ist.

    Ein Gegenstück zu den russischen Kassettenbomben ist die amerikanische AGM-154 Joint Standoff Weapon. Diese Waffe verfügt über eine größere Reichweite als die RBK-500U, ist jedoch deutlich schwächer: Deren Kassette ist mit nur zehn Subprojektilen beladen, im Durchschnitt werden damit drei bis fünf Ziele getroffen. Die russische „Drel“ bekämpft das Doppelte an Zielen: 6 bis 10.

    Und: Die AGM-154 kann gegnerische Ziele nicht von den eigenen Kräften unterscheiden. Damit sind schwere Kollateralschäden beim Einsatz der amerikanischen Streubombe vorprogrammiert.

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    Tags:
    Luftwaffe, Panzerabwehr, RBK-500/SPBE-D, Einsatz, Bombe, Kampf, Waffen, USA, Russland