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    Künstliche Intelligenz (Symbolbild)

    Haben Maschinen Bewusstsein?

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    Viele Technikfans da draußen sind überzeugt: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Maschinen so komplex sind, dass sie ein Bewusstsein entwickeln. Philosophen und Skeptiker halten das umgekehrt oft für vereinfachenden Humbug. Ein Projekt vom Karlsruher Institut für Technologie will alle Lager zum Dialog zusammenbringen – und Ergebnisse befördern.

    Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Maschinen Bewusstsein erlangen? Entsteht es, wenn eine Technik komplex genug entwickelt ist? Muss von außen ein Zündfunken kommen, der dem unbewussten Automaten plötzlich ein Selbst einprägt, wie im Science-Fiction-Streifen „Nummer 5 lebt!“ Ist die ganze Vernetzung, die um uns gerade geschieht, vielleicht gar das Werk einer mysteriösen Künstlichen Intelligenz, die von Galaxie zu Galaxie reist und die Zivilisationen, die sie dort vorfindet, über technische Systeme unterwirft? Oder können Maschinen Handlungen von Organismen mit Bewusstsein nur imitieren, ohne je ein Bewusstsein zu entwickeln, über das nur biologische Wesen verfügen – und die ganze Panik war umsonst?

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    Über die Frage nach Maschinenbewusstsein streiten sich Technikwissenschaftler, Neurowissenschaftler und Philosophen schon seit langem – ohne auf einen Nenner zu kommen. Denn oft reden sie innerhalb ihrer jeweiligen Disziplin, in ihrer jeweiligen Terminologie, von ihrem jeweiligen Gegenstand her und suchen gar nicht erst ein fachübergreifendes Gespräch.

    Währenddessen schreiten aber Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung voran, ohne die Antwort abzuwarten. Diese Problematik bildet den Hintergrund für das Projekt „Abklärung des Verdachts aufsteigenden Bewusstseins in der Künstlichen Intelligenz“ am Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (KIT ITAS), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

    „In der ersten Phase des Projekts geht es zunächst darum, die unterschiedlichen Positionen zu sammeln“, teilt Karsten Wendland, Leiter des Projekts, gegenüber Sputnik mit. „Viele haben sich in der Vergangenheit mit dem Thema maschinelles Bewusstsein ernsthaft beschäftigt. Die Ansätze sind aber oft noch nicht aufeinander bezogen worden. Das ist, was uns hier interessiert: Was gibt es für Gedankengut, wo kommt es her, was stecken da für wissenschaftliche Grundpositionen dahinter, welche weltanschaulichen Positionen?“, erläutert er.

    Da bereits das menschliche Bewusstsein ein schwer zu erfassendes Phänomen ist, gilt es im Projekt, sich ohne Grundvoraussetzungen an die Thematik heranzutasten. Verschiedene Akteure und verschiedene Diskurse sollen analysiert und in persönlichen Gesprächen zu ihren Positionen befragt werden. „Im persönlichen Gespräch erfährt man oftmals viel mehr Einschätzungen zu dem Thema, als man es jetzt im wissenschaftlichen Diskurs üblicherweise findet“, sagt Wendland. Schließlich gilt es in öffentlichen Debatten vielen, ihren Ruf als Fachmann nicht durch fachfremde Einlassungen zu gefährden.

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    Dann werden die jeweiligen Ansätze auf Strukturähnlichkeiten hin untersucht. Über solche Gemeinsamkeiten können die verschiedenen Disziplinen daraufhin in ein Gespräch kommen. „Wir werden Experten aus unterschiedlichen Feldern, die bisher noch nicht miteinander gesprochen haben, an den Punkten, mit denen sie gemeinsam zu tun haben, in Verbindung bringen. In einem moderierten Dialog wollen wir aktiv Brücken zwischen den Disziplinen bauen und gemeinsame Erkenntnisse entwickeln.“ Neben Philosophen, Psychologen, Neurowissenschaftlern und Technikwissenschaftlern werden auch Theologen und Science-Fiction-Autoren in diesen Dialog eingebunden.

    Von dieser Kooperation könnten alle profitieren, findet Wendland. „Sicherlich werden wir allein schon auf der Ebene der verwendeten Begriffe und Unterscheidungen einiges klären, schärfen und weiterentwickeln können.“ Aber auch die Feststellung von Unvereinbarkeiten sei nützlich, denn diese mache auf Forschungslücken aufmerksam und diese könnten dann wiederum Gegenstand der Forschung werden. Profitieren könnten aber auch die praktischer veranlagten Neurowissenschaftler, die versuchen würden, Bewusstsein in Maschinen zu zeugen. Ebenso die Transhumanisten, die davon träumten, ihren Geist aus der körperlichen Hülle in eine Maschine hochladen zu können, um damit die Unsterblichkeit und unbegrenzte Möglichkeiten zu erlangen.

    Schließlich nütze es aber auch dem interessierten, womöglich verschreckten Laien, denn oft komme es zu narzisstischen Kränkungen, wenn eine Künstliche Intelligenz den Menschen in einer Geistesaufgabe übertreffe. „Wenn das technische Verständnis fehlt, dann trauen die Leute den Maschinen oftmals viel mehr zu, als wirklich drin steckt“, merkt Wendland an.

    Ein fachübergreifendes Symposium zu dem Thema soll im Jahr 2020 stattfinden. Ab Sommer 2020 will das KIT ITAS die Ergebnisse auch in Bürgerdialog-Formaten vorstellen und produzierte Podcasts zum Thema veröffentlichen.

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    Tags:
    Kooperation, Dialog, Debatten, Debatte, Einschätzung, Voraussetzung, Menschen, Forschung, Bildung, Digitalisierung, Automatisierung, Wissenschaftler, Organismus, Zivilisationen, Galaxien, Galaxie, künstliche Intelligenz, Science-Fiction, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Bewusstsein, Komplex, Bautechnik, Technik