22:41 20 November 2019
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    Kriegsschiffe der US-Marine im persischen Golf (Archiv)

    US-Flugzeugträgerflotte kracht gegen die Realität

    © Foto: US.Navy/Petty Officer 2nd Class James Evans
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    Wenn die Theorie sich mit der Praxis deckt, spricht man eigentlich von einem gelungenen Konzept. Bei der US-Marine muss man anders denken: Die Wirklichkeit, an der die Navy-Strategen ihr Konzept ausrichten, bedeutet das Scheitern ihrer Strategie. Das Portal „Swesda“ kommentiert den gegenwärtigen Auflauf der US-Flotte im Persischen Golf.

    Der Zugriff auf gegnerisches Gebiet ist verhindert, zumindest eingeschränkt: Ein Hauptproblem, mit dem sich die Strategen im Pentagon seit Jahren befassen. Sie sprechen dann von A2/AD, „Anti-Access Area Denial”. Mit dem Fachausdruck sagen die Pentagon-Planer, der Gegner sei in der Lage, den Zugang von US-Einheiten zu einem bestimmten Einsatzgebiet zu blockieren oder zu erschweren. Also wenn kein Schiff, kein U-Boot, kein Trägerflugzeug der US-Marine bis zur gegnerischen Küste durchkommt, dann ist das: A2/AD.

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    Gemäß dieser Sicht auf die Wirklichkeit hat sich das Pentagon das Ziel gesetzt, Fähigkeiten aufzubauen, die ausreichend wären, solcherart Einschränkungen oder Blockaden auszuräumen und auszuschalten. Daran arbeiten die besten Köpfe in den Planungsabteilungen des US-Militärs seit mindestens einem Jahrzehnt. Nur, dass die Ergebnisse ihrer Anstrengungen laut dem Portal nicht wirklich überzeugen.

    So schafft es die Navy immer noch nicht, das historisch überkommene Konzept zu überwinden, weiterhin alles auf eine riesige Flugzeugträgerflotte zu setzen. Es werden immer mehr Schiffe gebaut, deren Stückpreis inzwischen fantastische 13 Mrd. US-Dollar erreicht.

    US-Flugzeugträger USS Abraham Lincoln (Archiv)
    © Foto : U.S. Navy/Mass Communication Specialist 3rd Class Jerine Lee/Released

    Und dies, obwohl unbeantwortet bleibt, wie die Navy mit der zunehmenden Wehrlosigkeit dieser schwimmenden Flugpisten gegenüber neuesten Waffensystemen umgehen will. Die Fähigkeit der Träger zum Eigenschutz bleibt sichtlich hinter der Entwicklung von Antischiffsraketen zurück.

    Großmächte, die sich, so das Portal, dem angelsächsischen Global-Imperium entgegenstellen, bündeln ihre Kräfte für eine atypische Reaktion auf die Bedrohung, die von der amerikanischen Trägerflotte ausgeht. Mit anderen Worten: Diese Länder bauen eine asymmetrische Schiffsabwehr auf, bestehend aus Waffensystemen, denen das US-Militär nichts entgegenzusetzen hat. Der Verbund eines MiG-31BM-Jägers mit einer „Kinschal“-Rakete ist laut dem Portal so ein System.

    Hastig versuchen US-Admiräle einen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden. Doch zeigen diese Versuche nur, wie tief die Sackgasse ist, in der die Admiräle sitzen.

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    Allem voran hat die Navy über das Konzept ihrer Trägerflotte nachgedacht. Es ist, als würden amerikanische Flugzeugträger umso teurer, je wehrloser sie sind. Also wurde versucht, den Auftrag zur Beseitigung von A2/AD-Blockaden schwerpunktmäßig auf die Marineinfanterie zu übertragen – und auf Landungsschiffe, die über bordeigene F-35-Kampfjets verfügen. Geworden sind aus dieser Idee halbgare Kampfschiffe mit mäßigem Flugbetrieb, geeignet für ein sehr beschränktes Einsatzspektrum gegen militärisch unterlegene Länder.

    Ein anderer Versuch: Das Navy-Programm zur Entwicklung sogenannter Drohnenschiffe. Der Vorteil dieser Technik soll darin bestehen, dass sie in die A2/AD-Sperrzonen selbst dann eindringen, wenn ein Einsatz für bemannte Kampfschiffe einem Selbstmord gleichkäme.

    Was ist schon dabei, dass Fachleute warnen, der Einsatz einer Drohnenflotte gegen einen militärisch hochentwickelten Gegner sei unmöglich, weil dieser über EloKa-Waffen verfüge? Nicht nur, dass ein Gegner mit fortschrittlicher Technik die Steuerung der Drohnenschiffe lahmlegen könnte – er könnte sie auch kapern. Das ist kein bloßes Gedankenspiel: Iranische Streitkräfte haben mehrfach US-Drohnen elektronisch abgefangen und auf iranischen Flugplätzen zur Landung gebracht.

    Unvergessen ist außerdem der Umstand, dass die heutige Flugzeugträger- und Landungsschiffflotte der USA zu Kampfeinsätzen in nördlichen Gewässern ganz wenig taugt. Im Zusammenhang mit der Iran-Problematik ist das weniger relevant – umso wichtiger ist das im Hinblick auf das Arktis-Thema.

    Beim Großmanöver „Trident Juncture“, das letztes Jahr in Norwegen und anliegenden Gewässern stattfand, konnten zwei von drei amerikanischen Landungsschiffen wegen ortsüblicher Wetterverhältnisse ihren Auftrag nicht erfüllen.

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    Die „USS Gunston Hall“ zum Beispiel, ein Docklandungsschiff, war so schwer beschädigt, dass es vom Manöverplan genommen werden musste. Es wurde berichtet, das Schiff sei auf ein Riff gelaufen, dutzende Besatzungsmitglieder und Marineinfanteristen an Bord sei verletzt worden.

    Letztlich musste die „Gunston Hall“ das ganze Manöver über im Hafen von Reykjavik ausharren. Dort wurde auch die „USS New York“, ein anderes Landungsschiff der Navy, während der Übung abgestellt. Wie schwer dieses Schiff beim „Trident Junsture“ beschädigt wurde, hält die US-Militärführung geheim.

    Als wären diese Pannen nicht genug, musste bei dem Nato-Großmanöver in Norwegen auch der Flugzeugträger „USS Harry Truman“ Einsätze einstellen: das Wetter, das für nördliche Breiten normal ist, war für die Navy zu schlecht, als dass Flugzeuge vom Deck der „Harry Truman“ hätten starten können.

    Blick auf US-Flugzeugträger USS Abraham Lincoln in dem Arabischen Meer am 17. Mai 2019
    © Foto : U.S. Navy/Mass Communication Specialist 2nd Class Ryre Arciaga

    Was soll das alles, was oben beschrieben wurde, nun eigentlich heißen? Zumindest, so das Portal, dass der Kampfwert der heutigen US-Marine zur erfolgreichen Bewältigung strategischer Einsätze nicht ausreicht. Das ist wohl auch der Hauptgrund für das vorsichtige Verhalten der Navy im Persischen Golf.

    Die Möglichkeiten der iranischen Kräfte, eine A2/AD-Sperre aufzustellen, können sich mit denen Russlands oder Chinas sicherlich nicht messen. Dennoch reichen sie offenbar aus, damit die US-Strategen sich zurückhalten und die bestehenden Risiken als inakzeptabel hoch einstufen.

    Insofern sehen wir vor der iranischen Küste das, was alle schon geahnt, aber nur als hypothetisch haben gelten lassen: das Scheitern der US-amerikanischen Seekriegsstrategie, gestützt auf die angebliche Allmacht der Flugzeugträgerflotte.

    In der Realität erweist sich die Flotte als Koloss auf tönernen Füßen. Dass Präsident Trump nach etlichen Versuchen, die iranische Führung einzuschüchtern, Teheran nun Verhandlungen anbietet, ist laut dem Portal der beste Beweis dafür. 

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    Scheitern, Technik, Kampfschiffe, Kampfjets, F-35, Sackgasse, Kinschal, "Kinschal"-Raketen, MiG-31BM, Schiffsabwehrkomplexe, Bedrohung, Imperium, Waffensysteme, US-Militär, US-Militär, Anstrengungen, Realität, Strategie, Persischer Golf, Pentagon, Pentagon, US-Marine, US-Navy