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12:56 18 Juli 2019
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    Atom-U-Boot K-114 „Tula“ (Archiv)

    Einsatz unter Eis: Nordflotte schickt U-Boote zur Kraftprobe in die Arktis

    © Foto: Zentrum der Schiffsreparatur "Swesdotschka"
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    Drei Atom-U-Boote der russischen Nordmeerflotte sind vor wenigen Wochen im Übungseinsatz gewesen, tief in den arktischen Gewässern, unter dem Polareis. Auch Schießen im Tauchzustand stand auf dem Manöverplan. Die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    Es ist schon lange her, dass U-Boote der russischen Nordflotte Waffeneinsätze in arktischer Umgebung trainierten, schreibt die Zeitung. Deswegen standen die Verfolgung und Bekämpfung unter Wasser im Mittelpunkt des Manövers, das im vergangenen Mai im Eismeer stattgefunden hat. Drei Atom-U-Boote – K-114 „Tula“, K-407 „Nowomoskowsk“ und K-560 „Sewerodwinsk“ – entsandte die russische Marine zum Übungseinsatz.

    Die „Sewerodwinsk“ ist das neueste Mehrzweck-U-Boot der russischen Seestreitkräfte und bezogen auf Ortungstechnik eines der fortschrittlichsten Boote der Welt, schreibt die Zeitung. Offenbar kam ihr beim Training der Auftrag zu, den Gegner zu simulieren: Die „Sewerodwinsk“ jagte russische Atom-U-Boote – so die Übungslage. Die mussten ihrerseits möglichst lange unentdeckt bleiben und im Idealfall das „gegnerische“ Boot rechtzeitig erkennen.

    So richtig wichtig wurden U-Boot-Einsätze unter dem Polareis in den 1950er Jahren. Die Arktis war eine Region, in der die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion rivalisierten. Als erste erreichten die USA den Nordpol unter Wasser, mit der SSN-571 „Nautilus“. Im selben Jahr tauchte die SSN-578 „Skate“ zwei Mal in Nordpolnähe auf, auch mitten durch das Eis.

    In den 1960ern häufen sich Unter-Eis-Einsätze. 1961 bis 1963 üben atomare U-Boote nicht nur das Navigieren und Auftauchen in den nordischen Gewässern, sondern feuern auch Raketen in der Polarregion ab. Und im September 1963 finden transarktische Überfahrten von Atom-U-Booten statt.

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    Erst fährt die K-117, ein Mehrzweckboot der Klasse 627A (die erste atomgetriebene Baureihe der UdSSR), vom Eismeer in den Pazifik. Eine Woche später folgt ihr die K-178 der Klasse 658. Im selben Monat taucht ein anderes Boot der Klasse 627A direkt am Nordpol auf – allerdings durch ein Eisloch, das dort gerade entstanden war.

    Das erste Mal in der Geschichte der Seefahrt, dass ein U-Boot eine Tauchfahrt unter meterdickem Eis wagte, war übrigens am 19. Dezember 1908. Die russische Submarine „Kefal“ fuhr durch den Östlichen Bosporus, eine Meerenge vor Wladiwostok. Nur vier Meilen war der Abschnitt kurz, den das U-Boot gefahren hatte. Nach eineinhalb Stunden Tauchfahrt musste der Versuch wegen technischer Probleme unterbrochen werden: das Boot tauchte auf, mitten durch die Eisschichten hindurch. Anschließend entstanden erste technische und taktische Richtlinien für Einsätze solcher Art.

    Nachdem die Sowjetunion ihre ersten strategischen Atom-U-Boote – die mit den ballistischen Interkontinentalraketen – in Dienst gestellt hatte, patrouilliert die Nordflotte permanent unter dem Polareis: unter den Eisschichten sind die Unterwasser-Kreuzer für den Gegner noch schwerer zu orten und zu vernichten.

    Umso aktiver suchen die Amerikaner nach Möglichkeiten einer Gegenwehr gegen die U-Boote, die sich in den eisigen Gewässern verstecken. Seit 1993 unternahm die US-Navy gemeinsam mit zivilen Spezialisten mehrere Missionen in der Arktis, um Daten über die Polargewässer zu erheben. Das Programm hat sogar einen eigenen Namen: „Scientific Ice Expeditions“, SCICEX. Die Experten untersuchen alles, was den Einsatz von Atom-U-Booten in der arktischen Region irgendwie beeinflussen könnte.

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    Aber viel wichtiger ist, dass die Navy seit 2003 regelmäßig das ICEX-Manöver in der Arktis abhält. Die Marinespezialisten üben die Versorgung der U-Boote unter Einsatzbedingungen – auch das Aufmunitionieren mit Torpedos etwa. Fester Bestandteil des Manövers ist außerdem der Aufbau eines Feldlagers für mehrere Dutzend Menschen mit einem eigenen Kraftwerk, einem Heliport und einer Eispiste als Start- und Landebahn.

    Es handelt sich quasi um eine mobile Basis zur Versorgung amerikanische U-Boot während der Einsätze. Denn weder die USA noch ihre Verbündeten verfügen in der Arktis über gut ausgebaute Marinestützpunkte oder über schwere Eisbrecher, die in den Polarbreiten agieren könnten.

    Bei den ICEX-Manövern trainieren die amerikanischen U-Boote die Suche nach geeigneten Stellen zum Auftauchen, die Über- und Unterwassernavigation, die Vermeidung von Eisberg-Kollisionen und natürlich das Orten und Bekämpfen gegnerischer U-Boote.

    Nach jahrelangem Stillstand auf dem Gebiet der Polarforschung betreibt auch Russland wieder ein starkes Forschungsprogramm in der Region. Überdies verfügt das Land in der Arktis über ein größeres Stützpunktnetz, eine leistungsfähige Flotte von Eisbrechern und ein stärkeres Truppenkontingent.

    Dennoch können die Aktivitäten der USA und ihrer Verbündeten hinter dem Polarkreis eine ernste Gefahr darstellen, bedenkt man die zahlenmäßige Stärke der US Navy und den Stellenwert, den die russischen Atom-U-Boote in der Gesamtbilanz strategischer Waffensysteme einnehmen. 

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    Tags:
    Aktivität, Einsatz, USA, Kampftraining, U-Boote, Flotte, Arktis, Russland