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15:56 22 Oktober 2019
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    Russisches Flugabwehrsystem „Panzir-S1“ bei einer Militärübung (Archiv)

    Punktgenau gegen heikle Ziele: Russland modernisiert Abwehrsysteme „Panzir“

    © Sputnik / Michail Mokruschin
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    Neues Radar, neue Rakete, besseres Fahrgestell – das Flugabwehrsystem „Panzir-SM“ wird in absehbarer Zeit fertig sein, hat Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu kürzlich erklärt. Die hochmobile Abwehranlage erinnert bei der Auslegung stark an ihren Vorgänger. Doch ist der Kampfwert höher, um es gemäßigt zu sagen.

    Kleine Drohnen von der Art eines Quadrocopters sind für Flugabwehrsysteme ein sehr schweres Ziel. Nicht nur, dass das die kompakten Geräte geortet werden müssen, sie müssen auch präzise beschossen werden. Das „Panzir-SM“ zeigt bei dieser schweren Mission gute Ergebnisse: Bei Schusstests zerstörte die Abwehranlage alle Quadrocopter, auf die sie angesetzt wurden, sagte Generalleutnant Juri Grechow, Kommandeur der russischen Flugabwehrtruppen, im April dieses Jahres. Die Erprobung läuft also erfolgreich.

    Abwehren soll das „Panzir-SM“ nicht nur Drohnen. Es bekämpft auch sonstige Flugkörper, Artilleriegeschosse, Mörsergranaten… Das Nahbereich-Schutzsystem soll strategisch wichtige Objekte abschirmen – und schwerere Abwehrsysteme wie das S-300.

    „Soviel ich weiß, bekommt ‚Panzir-SM‘ eine neue Radarstation mit einer phasengesteuerten Antenne. Der Ortungsbereich wird dadurch größer, die Zielselektion und die Störfestigkeit werden verbessert, im Vergleich zum derzeitigen ‚Panzir-S1‘. Außerdem versprechen die Entwickler eine neue Rakete. Das Geschoss soll dynamischer werden, belastbarer“, sagt Militärexperte Wiktor Murachowski im Sputnik-Gespräch.

    Zuvor wurde berichtet, der neue Flugkörper soll doppelt so schnell sein wie die Rakete von „Panzir-S1“: 3.000 Meter pro Sekunde im Vergleich zu 1.300 m/s. Die Ziele würden im Bereich von 36 bis 75 Kilometer erfasst – auf 40 Kilometer könnten sie bekämpft werden.

    Verteidigungsminister Schoigu sagte, bis 2021 würden die Arbeiten am „Panzir-SM“ abgeschlossen. Das System ist eine Weiterentwicklung des derzeitigen „Panzir-S1“. Noch 2017 hatte Juri Borissow, damals Vize-Verteidigungsminister, die Modernisierung angekündigt. Ende 2019 sollte die neue Version des Flugabwehrsystems in Serie gehen. Offenbar mussten die Entwickler nachbessern.

    Es wird zwei Varianten des „Panzir-SM“ geben: eine nur mit Raketen (24 Stück) bewaffnete und eine, die Maschinenkanonen und Raketen (12 Stück) kombiniert. Erprobt wird auch die Option, jeden Startbehälter mit einem Vierer-Pack kleinerer Flugabwehrraketen zu laden. Die wären zur Bekämpfung von Kleinzielen bestimmt: Drohnen, Mörsergranaten, Artilleriegeschosse.

    Test der neuen russischen Flugabwehrrakete auf dem Testgelände Sary-Schagan in der kasachischen Steppe (Archiv)
    © Sputnik / Press service of the Ministry of Defence of the Russian Federation

    Als Fahrgestell dient ein vierachsiger KamAZ-53958 „Tornado“, das neue Universallchassis der russischen Armee. 25 Tonnen Nutzlast trägt das Fahrzeug. Maximal 90 Stundenkilometer schnell ist der Lkw, seine 550 PS machen es möglich. Die Reichweite liegt bei 1.200 km.

    Die Besonderheit des Fahrgestells ist sein Kippfahrerhaus, das mit jenem des Truppentransporters „Taifun-K“ identisch ist – also rundum gepanzert: Ein Wuchtprojektil von einem Dragunow-Scharfschützengewehr kann die Panzerung nicht durchschlagen.

    „Ein wichtiges Detail: Der Verteidigungsminister sagte, das Abwehrsystem sei für mehrere Truppengattungen bestimmt. Im Unterschied zu seinem Vorgänger wird ‚Panzir-SM‘ offenbar nicht nur an die Flugabwehrtruppen der Luft- und Weltraumstreitkräfte ausgeliefert“, erklärt Experte Murachowski. „Auf den Kampfschiffen der Marine soll das System auch aufgebaut werden. Bei der Flugabwehr des Heeres kommt es aber eher nicht zum Einsatz. Die Bodentruppen ziehen andere Systeme in Betracht.“

    Natürlich werden bei der Entwicklung des „Panzir-SM“ die Erfahrungen aus dem Kampfeinsatz seines Vorgängers berücksichtigt. 2015 waren mehrere „Panzir-S1“-Systeme nach Syrien verlegt worden, zum Schutz der russischen Flieger in Hmeimim. Seitdem vergeht für das Bedienpersonal dieser Abwehrwaffen kein Tag ohne Einsatz.

    Im Oktober 2015 wurde berichtet, die „Panzir“-Systeme hätten zwei „Grad“-Raketen abgewehrt, die von IS-Terroristen auf den Stützpunkt abgefeuert worden seien. Zwei Monate später griffen Terroristen wieder an, wieder wehrten die russischen „Panzir-S1“ die Attacke ab. 54 Raketen und 16 Kleinfluggeräte seien von diesen Systemen insgesamt zerstört worden, erklärte Minister Schoigu Ende 2017.

    Auch in die Abwehr des US-geführten Raketenschlags gegen Syrien im April 2018 waren die russischen „Panzir-S1“-Systeme eingebunden. 103 Marschflugkörper hatten die Amerikaner laut dem russischen Verteidigungsministerium auf Syrien abgefeuert. Die syrische Flugabwehr fing 71 Geschosse ab, die „Panzir-S1“ trafen 23 von 25 Raketen.

    Im Mai dieses Jahres wehrten die „Panzir-S1“ im Verbund mit den Abwehrsystemen „Tor-M1“ einen weiteren Raketenangriff auf Hmeimim ab: Nach Angaben des russischen Militärs erreichte keiner der gegnerischen Flugkörper das Ziel.

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    Tags:
    Kamaz, Waffen, Raketen, russische Armee, Erprobung, Modernisierung, Sergej Schoigu, Panzir-S1, Panzir-SM, Flugabwehrkomplexe, Flugabwehrsystem, Russland