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05:39 20 September 2019
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    Bis zu 300 Torpedos verbraucht die US Navy jährlich nur für Übungszwecke. Amerikanische U-Boot-Fahrer schätzen den Torpedo als präzise Waffe zur verdeckten Zielbekämpfung. Dass Torpedos für den Gegner praktisch nicht zu entdecken sind, ist in der Tat deren Trumpf. Genauer gesagt, das war mal deren Trumpf. Das Portal „Swesda“ berichtet.

    Lenkwaffen sind schlagkräftig, schnell und hochpräzise. Einen großen Nachteil haben sie aber: feuert man sie vom U-Boot ab, verrät man dem Gegner die eigne Position. Umso mehr, wenn man mehrere oder eine Gruppe von Zielen bekämpfen muss, einen Flugzeugträgerverband etwa. Hinzu kommt, dass die wertvollsten Ziele eines Flottenverbands immer auch von einer starken Flug- und Raketenabwehr geschützt sind.

    Was also tun, um so ein starkgeschütztes Wertziel sicher zu treffen? Eine zeitgemäße Lösung: ein Kombi-Angriff aus Lenkwaffen und Torpedos. Dabei wird ein U-Boot-Verband aufgeteilt: eine Gruppe greift mit Raketen an (und verrät die Eigenposition), eine andere Gruppe attackiert mit Torpedos (und bleibt unentdeckt).

    Diese Torpedo-Gruppe nähert sich dem Hauptziel auf kleinstmögliche Distanz und schießt aus allen Rohren. Dann erfolgt der Raketenangriff, der auch dazu dient, die U-Boote der Torpedo-Gruppe beim Rückzug zu decken.

    Natürlich sollte ein Kampfschiffverband die angreifenden U-Boote rechtzeitig orten und abwehren können, also bevor sie die Torpedos abschießen. Doch auch nach erfolgter Attacke besteht eine Überlebenschance, selbst wenn für Gegenmaßnahmen sehr wenig Zeit bleibt.

    Seit über zehn Jahren entwickeln führende Rüstungsunternehmen spezielle Systeme, die zwei Funktionen verbinden: Schiffe bekämpfen und Torpedoangriffe abwehren. 2007 verkündeten die Amerikaner stolz, ein „Torpedo Defense System“ erfolgreich getestet zu haben.

    Um das Navy-Kommando von der Wirksamkeit dieses Systems zu überzeugen, wurde es an Bord eines Landungsschiffs installiert. Nach etlichen Demonstrationen entschieden sich die Verantwortlichen, alle Navy-Kampfschiffe mit dem „Tripwire“ genannten System auszurüsten, allen voran die Flugzeugträger.

    Auch US-Verbündete beschafften das „Tripwire“. Wodurch es dann zu einem PR-Fiasko für das System kam: 2010 wurde die südkoreanische Korvette „Cheonan“ vom Torpedo eines nordkoreanischen U-Boots zerrissen – und sank. Und das auch noch bei einem Manöver, das gemeinsam mit der US Navy abgehalten wurde.

    Es überrascht nicht, dass das Kommando der 5. US-Flotte nach diesem Vorfall eine Untersuchung initiierte, um die „Tripwire“-Systeme zu prüfen, die bereits auf amerikanischen Flugzeugträgern installiert worden waren.

    Erfreulich waren die Untersuchungsergebnisse nicht: Bei keinem der drei Flugzeugträger „George Bush“, „Theodor Roosevelt“ und „Dwight Eisenhower“ konnte das Abwehrsystem stabil gute Resultate erzielen. Versuche, das „Tripwire“ zu überarbeiten, führten auch nicht zum Erfolg.

    Das System habe nur eine „gewisse Fähigkeit“, gegnerische Torpedos rechtzeitig zu erkennen. Und dessen Abfangtorpedos hätten nur eine „mäßige Fähigkeit“, die angreifenden U-Wasser-Geschosse zu treffen, hieß es im Untersuchungsbericht vom Oktober 2018 laut dem Portal. Die Fähigkeit von „Tripwire“, Torpedoattacken erfolgreich abzuwehren, habe nicht geprüft werden können. Letztlich verfügte der US-Kongress, die Abwehrsysteme wieder abzubauen.

    Auch Russland arbeitete an einem Torpedo-Abwehrsystem. Beworben wurden diese Arbeiten im Unterschied zu den USA nicht. Nur hier und da gab es einige Informationen zum Entwicklungsstand, sonst nichts.

    Getestet wurde das System bereits 1998 bei der russischen Schwarzmeerflotte. „Paket-NK“ heißt die Schutzanlage. „Die Hauptaufgabe dieses Systems ist der Schutz von Kampfschiffen vor U-Booten und Torpedoattacken“, erklärte der Chef-Entwickler des Systems damals.

    Die Torpedoabwehr verläuft entweder automatisch oder automatisiert: Das angreifende U-Wasser-Geschoss wird geortet und klassifiziert, seine Parameter werden bestimmt, die Zieldaten werden an den Abfangtorpedo übermittelt. Der Systemoperator muss nur noch den Start des Abfangtorpedos auslösen.

    2008 hat die russische Marine ihre Korvetten der Klasse 20380 mit dem „Paket-NK“ ausgerüstet. Gegenwärtig werden auch die Fregatten der Klasse 22350 damit bestückt. Je nach Schiffstyp kann das Abwehrsystem aus einem, zwei, vier oder acht Torpedorohren bestehen.

    2017 hatte Indien die Beschaffung von Torpedoabwehrsystemen weltweit ausgeschrieben. Rüstungsfirmen aus den USA, aus der EU und Russland waren eingeladen, ihre Angebote abzugeben. Nur Russland machte bei der Ausschreibung mit, die anderen boten nicht mit. Das lasse annehmen, dass die russische Marine ein Torpedoabwehrsystem besitzt, das weltweit keine Konkurrenten kennt, schreibt das Portal.

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    Tags:
    Abwehr, U-Boote, U-Boot, Entwicklung, Waffen, Technik, Rüstung, Russland, Russland, USA, Russische Marine, US-Marine, Torpedo