Widgets Magazine
11:07 21 August 2019
SNA Radio
    Kampfhubschrauber-Ausstellung bei dem Militärforum Army 2019

    Wodurch zeichnen sich die neuen russischen Kampfhubschrauber aus? – Produzent verrät

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Technik
    Zum Kurzlink
    Nikolaj Jolkin
    341867

    Auf der bei Moskau zu Ende gegangenen Waffenmesse „Army 2019“ hat der scheinbar allen bekannte Kampfhubschrauber Mi-35P bei Hubschrauberexperten für Interesse gesorgt: Bewaffnung, Selbstschutz und erhöhte Überlebensfähigkeit.

    Dieser Hubschraubertyp war gleich seinem Vorgänger Mi24 bei 30 militärischen Konflikten in verschiedenen Weltregionen im Einsatz und ist neben diesem der erste russische Hubschrauber, der speziell für Kampfhandlungen ausgelegt wurde. Er ist für das Zerstören von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen sowie Betonbunkern, aber auch zur Beförderung von acht Soldaten der Landungstruppen bestimmt.

    Sein Geschütz vom Kaliber 30 ist um 115 Grad waagerecht bzw. um fünf bis 40 Grad senkrecht schwenkbar und eignet sich für Entfernungen bis drei Kilometer. Im Gespräch mit „Sputnik“ teilte der Repräsentant des Herstellers Rosvertol der Holding „Russian Helicopters“ (Russische Hubschrauber) mit, dass der Mi-35P darüber hinaus mit lasergelenkten Panzerabwehrlenkwaffen Ataka und Wichr bestückt ist.

    „Beim Einsatz der neuesten Lenkwaffen Chrisantema lässt sich die Treffweite bis zu zehn Kilometer vergrößern. Bei schlechtem Wetter und Nebel, wenn der Lasersteuerkanal nicht funktioniert, wird der Funkkanal benutzt.“

    Selbst unter schwierigen Wetterverhältnissen ermögliche Chrisantema eine Feuerführung aus bis zu sechs Kilometern Entfernung und kann 1.100 bis 1.200 mm dicke Panzerungen durchbrechen und in den Beton der beschossenen Bunker und Festungen eindringen, betont der Produzent. „Diese Rakete durchschlägt einen jeden modernen Panzer. Dabei trifft die Rakete Wichr, die in Syrien breite Anwendung gefunden hat, das Ziel aus acht Kilometer Entfernung, ihre Durchschlagsleistung beträgt 900 bis 1.000 mm.“

    • Verteidigungssysteme (Flare-Werfer, Infrarotsensorstörgerät Radarwarngeräte)
      Verteidigungssysteme (Flare-Werfer, Infrarotsensorstörgerät Radarwarngeräte)
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    • Abgasrohre, die die heißen Abgase mit kalter Umgebungsluft mischen, um die Wärmesichtbarkeit des Hubschraubers zu verringern. Die austretenden Gase ändern ihre Richtung und gelangen unter die Schraube. Die Schraube mischt sie mit kalter Luft, um die Arbeit des Wärme-Selbstsuchers der Fla-Raketen zu stören.
      Abgasrohre, die die heißen Abgase mit kalter Umgebungsluft mischen, um die Wärmesichtbarkeit des Hubschraubers zu verringern. Die austretenden Gase ändern ihre Richtung und gelangen unter die Schraube. Die Schraube mischt sie mit kalter Luft, um die Arbeit des Wärme-Selbstsuchers der Fla-Raketen zu stören.
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    • Ansicht von innen mit MG
      Ansicht von innen mit MG
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    • Schaltbrett von Mi-35 M
      Schaltbrett von Mi-35 M
      © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    1 / 4
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Verteidigungssysteme (Flare-Werfer, Infrarotsensorstörgerät Radarwarngeräte)

    Die Lenkwaffe Ataka habe eine Treffweite vonsechs Kilometern und eine Durchschlagsleistung von 800 mm, so der Experte. „Auch sie wurde in Syrien intensiv eingesetzt. Ferner können die Hubschrauber auch mit 50 bis 500 kg schweren freifallenden Bomben ausgerüstet werden, die sich bei lokalen Konflikten der letzten zehn Jahre bewährt haben. Für den Beschuss größerer Flächen werden ungelenkte 80-mm-Raketen vom Typ S-8 eingesetzt, je 20 Stück per Raketenpod und vom Typ S-13, Kaliber 130 mm, je fünf Stück per Pod.“

    Den Schutz des Kampfhubschraubers gewährleiste ein Lasersender, erörtert der Experte, „der beim Anvisieren der gegnerischen Rakete die Laserkanone an ihren Zielsuchkopf lenkt, der dann mit dem Ergebnis verbrannt wird, dass die Rakete von dem Hubschrauber weg manövriert und sich selbst zerstört. Gleichzeitig werden IR-Täuschkörper ausgestoßen. In jeden Rohrstartbehälter werden 30 Patronen geladen und beim Signaleingang beginnt das Ausstoßen von Täuschkörpern nach unterschiedlichen Programmen im automatischen Modus.“

    Sie lassen sich von der einen und anschließend von der anderen Bordseite oder auch gleichzeitig abfeuern, in Schussfolgen oder Salven, der Besatzung steht die Wahl frei. Die Anlage kann manuell vom Flieger betätigt oder aber automatisch vom Alarmsignal des UV-Peilgeräts des Hubschraubers ausgelöst werden, das auf die Fackel der Rakete reagiert, nachdem sie aus der Abschussvorrichtung ausgetreten ist. Der Hubschrauber hat vier solche Peilgeräte, die ihn allseitig schützen.

    Kampfhubschrauber Mi-28 НМ Nachtjäger

    Kampfhubschrauber Mi-28 NM
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Kampfhubschrauber Mi-28 NM

    Das russische Verteidigungsministerium hat bei der Messe „Army 2019“ bekannt gegeben, dass es 98 modernisierte Aufklärungs- und Kampfhubschrauber Mi-28 НМ Nachtjäger zu kaufen beabsichtigt, die sich durch eine erhöhte Überlebensfähigkeit im Kampfeinsatz auszeichnen. Der Hubschrauber wurde auch auf dem Gelände der Holding „Russian Helicopters“ präsentiert. Eine Besonderheit von ihm ist, dass während des Einsatzes die Hubschraubersteuerung bei Bedarf vom zweiten Besatzungsmitglied, dem Waffensystemoffizier übernommen werden kann. Die Modernisierung des Hubschraubers konzentrierte sich auf die Erweiterung der Waffenpalette. Diese wurde durch die neuen Panzerabwehrlenkwaffen Ataka und Chrisantema ergänzt.

    Neue Generation von Raketen

    In den kommenden drei Jahren wird in Russland eine neue Generation von Raketen, und zwar Monolit, entstehen, die für den Einsatz mit diesem Hubschraubertyp gedacht ist. Angaben zu der Munition werden vorläufig geheimgehalten. Allerdings ist bekannt, dass es sich bei Monolit um eine Luft-Boden-Präzisionsrakete Kaliber 130 mm handelt. Ihre Zielobjekte sind Bunker, befestigte Gefechtsstände und sonstige strategisch wichtige Pionieranlagen. Die Raketen Monolit sollen auch gepanzerte Fahrzeuge bekämpfen, insbesondere schwere, etwa Kampfpanzer und Selbstfahrlafetten.

    Hubschrauberwaffen (Wichr links und Ataka rechts)
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Hubschrauberwaffen (Wichr links und Ataka rechts)

    Im Gespräch mit Sputnik berichtete der Repräsentant des Werks mit Wärme von den Deutschen, welche die Hubschrauber Mi-24W (Variante mit Maschinengewehr) und MI-24P (Variante mit Kanone) fürsorglich aufbewahren, die einst im Dienstgebrauch der Nationalen Volksarmee waren und dann von der Luftwaffe übernommen wurden. Diese beiden Hubschrauber hat er im Berliner Freilichtmuseum gesehen. Aber die heutigen Kampfhubschrauber würden sich von ihnen durch das Herangehen der russischen Entwickler an die Konstruktion unterscheiden. „Ihnen lag es hauptsächlich an der Lenkbarkeit und Zuverlässigkeit selbst in Notsituationen.“

    Schwenkbare Doppel-Kanone
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Schwenkbare Doppel-Kanone

    Der Experte berichtet weiter: „Während der Mi-24 Rotorblätter hatte, bei deren Beschädigung der Hubschrauber selbst bei hohen Vibrationswerten seine Integrität behielt und der Besatzung erlaubte, planmäßig zu landen, statten wir heute den Hubschrauber mit Rotorblättern aus Kompositwerkstoffen aus. Das sind Glasfasern, die von speziellen Verbundwerkstoffen zusammengehalten werden. Diese Konstruktion hält dem Einschlag eines 30-mm-Geschosses stand ohne fatale schnellverlaufende Zerstörung der Rotorblätter. Dadurch kann der Flug abgeschlossen werden.“

    Vorteile der Rotorblätter aus Kompositwerkstoffen

    „Hat der Heli einen Teil seines Schraubenblatts eingebüßt“, erläutert der Experte weiter, „entsteht dadurch ein Gleichgewichtsfehler im Rotor. Der Hubschrauber wird dann der zerstörenden Vibration ausgesetzt, die in eine vollständige Zerstörung der Konstruktion münden kann. Die Kompositwerkstoffe verhalten sich etwas anders infolge des Produktionsverfahrens, bei dem die Glasfasern unter verschiedenen Winkeln verflochten werden, wodurch die Rissbildung gehemmt wird. Diese Rotoren widerstehen Beschädigungen besser und sorgen dafür, dass der Hubschrauber seine Integrität behält und planmäßig landen kann. Diese Konstruktion wurde in Russland speziell für Kampfhubschrauber entwickelt.“

    Die russische Mediengruppe Rossiya Segodnya war die offizielle Informationsagentur von Army-2019. Auch Sputnik ist ein ständiger Informationspartner der Messe, die seit 2015 jährlich stattfindet.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Kampfhubschrauber, Mi-24, Mi-28