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    US-Kampfflugzeug (Symbolbild)

    Unbemannte fliegende Superrechner: die künftigen Kampfjets der US Air Force

    © Foto : U.S. Air Force/Master Sgt. Cecilio Ricardo
    Technik
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    Die US-Luftwaffe benötigt langfristig einen Ersatz für die F-22, die Marine verlangt nach einem trägertauglichen Gegenstück: Das Pentagon arbeitet gegenwärtig an der Auslegung eines Kampfjets der 6. Generation. Das Portal „Topwar“ erklärt das Konzept der Zukunftsmaschinen.

    Das F-X-Programm läuft beim Pentagon seit 2016. Die Flugzeugspezialisten der DARPA, einer Forschungseinrichtung des Verteidigungsministeriums, sollen klären, was er leisten und wie er aussehen soll, der Kampfjet der 6. Generation.

    Ein multifunktionales Waffensystem soll es werden, gedacht als Nachfolger für die F-15 und auf längere Sicht auch für die F-22. Die Hauptanforderungen an den Zukunftsjet sollten mithin feststehen: Eroberung der Lufthoheit, Begleitung strategischer Bomber, Bekämpfung von Bodenzielen.

    Auch einen trägergestützten Kampfjet für die Navy sollen die Entwickler entwerfen: einen F/A-XX. Vom Aufgabenprofil her wird sich diese Maschine von der F-X wahrscheinlich kaum unterscheiden. Nur eine stärkere und steifere Konstruktion braucht der Navy-Jet, um auf Flugzeugträgern sicher landen zu können.

    Zunächst sollen die Anforderungen an die künftigen Maschinen definiert werden. Dann kann deren Entwicklung mittelfristig beginnen. Wann das Pentagon den Entwicklungsauftrag an die amerikanischen Rüstungskonzerne vergeben wird, lässt sich noch nicht sagen. Mit der Serienfertigung jedenfalls ist frühestens in den 2030er Jahren zu rechnen.

    Ideen für die Zukunft

    Größere Reichweite, höhere Einsatzhöhen, sogar Hyperschalltempo: Wenn Experten über Kampfjets der 6. Generation sprechen, erwarten sie vor allem eine deutliche Steigerung aller technischen Parameter. Natürlich sollen die künftigen Kampfflugzeuge auch bei der Waffenlast zulegen.

    Eine Selbstverständlichkeit ist die verringerte Sichtbarkeit für leistungsstarke Radarsysteme, wie sie in der Zukunft erst zu erwarten sind. Selbst über die Reduktion der optischen Wahrnehmbarkeit der Kampfjets der 6. Generation denken Fachleute inzwischen nach.

    Den größten Durchbruch erwarten Spezialisten bei der Elektronik der künftigen Jets: Größtmögliche Automatisierung unter Einsatz von KI für die Entlastung des Piloten ist bei der 6. Kampfjetgeneration keine Kür, sondern Pflicht.

    Überhaupt sollen die Kampfflugzeuge künftig – das ist eine maßgebliche Anforderung an die 6. Generation – nur optional von einem menschlichen Piloten gesteuert werden. Wenn es der Einsatz nicht unbedingt erfordert, ist eine Fernsteuerung von einer Kontrollkonsole aus vorzuziehen. Denkbar wäre ein Szenario, bei dem ein unbemannter Mehrzweckjäger im Verbund mit einem optional bemannten Flugzeug operiert.

    Die Bewaffnung: Lenkraketen, GPS-gesteuerte Bomben… Ob eine Bordkanone noch nützlich sein kann, darüber wird momentan gestritten. Den Einsatz grundsätzlich neuer Waffentypen beim Kampfjet der 6. Generation halten Experten indes für denkbar – Kampflaser zum Beispiel.

    Modelle und Visionen

    Der Boeing-Konzern hatte bereits 2009 eine den Anforderungen an die 6. Generation angemessene Kampfjetstudie vorgestellt. Es handelte sich um einen zweisitzigen, optional bemannten Mehrzweckjäger für den Einsatz bei der Navy. Entsprechend war die Studie für deutlich bessere Fähigkeiten ausgelegt als eine F/A-18.

    Später zeigte Boeing weitere Entwürfe. Jetzt bietet der Konzern einen Allrounder an, der ebenso für den Einsatz bei der Air Force wie bei der Navy geeignet sein soll. Ein Rivale und Nachfolger des F-35 vielleicht? Die Abmessungen und das Gewicht des Konzepts sind jedenfalls ähnlich.

    2012 zeigte Lockheed Martin seine Vorstellung von einem Kampfjet der 6. Generation: Ein hochmanövrierfähiges Flugzeug, schwer zu orten in unterschiedlichen Frequenzbereichen. Und: Der Rumpf soll über eine Selbstreparatur-Funktion verfügen. Soll das einsatztaugliche Realität werden, wird der Rüstungskonzern sicherlich noch einiges an Werkstoffforschung betreiben müssen.

    Auch Northrop Grumman hat angekündigt, an einem Kampfjet der 6. Generation arbeiten zu wollen. Das Konzept dieses Konzerns ähnelt jenen seiner Konkurrenten. Aber es ist ja auch noch längst keine Serienversion.

    Kampfjets der 6. Generation existieren derzeit allenfalls als Modell. Es wird noch Jahre brauchen, bis erste Erprobungsträger entstehen. Die allermutigsten Optimisten gehen davon aus, dass mit dem Erstflug eines Kampfflugzeugs der Zukunft frühestens Ende der 2020er Jahre zu rechnen ist.

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    Tags:
    Entwicklung, Kampfjet, F-22, Luftwaffe, USA