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12:51 18 Juli 2019
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    Stapellauf des U-Bootes in Russland (Symbolbild)

    Durch die Ostsee flitzen, ohne aufzutauchen: Russland präsentiert neues U-Boot-Projekt

    © Sputnik / Alexej Danitschew
    Technik
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    Russlands Marine sucht ein U-Boot für Langzeitmissionen, Jagdeinsätze und Geheimoperationen. Schnell, wendig und leise soll es sein. Der Marinetechnikentwickler „Malachit“ hat seine Lösung auf einer Rüstungsmesse vorgestellt. Das Herzstück des neuen U-Bootes: eine Turbine, die ohne Außenluft auskommt. Die Zeitung „Rossijskaja gaseta“ berichtet.

    Mehr Leistung, höheres Tempo, größere Reichweite, aber weniger Geräuschemissionen – das bieten normalerweise nur U-Boote mit Atomantrieb. Die russische Marine sucht jedoch ein starkes Unterwassergefährt mit einer leichteren und kompakteren Kraftmaschine als ein Atomreaktor.

    Die Lösung: Eine ALU-GT, eine außenluftunabhängige Gasturbine. Sie funktioniert – im Unterschied etwa zu Dieselmotoren – ohne Luftzufuhr aus der Atmosphäre. Ein Atomreaktor kann das zwar auch, ist jedoch groß, teuer und im Betrieb sehr aufwendig. Aber gerade der Nutzen-Kosten-Faktor wird für die russische Marine entscheidend sein, wenn sie ein neues Mehrzweck-U-Boot beschafft.

    Der Marineausrüster „Malachit“ hat das Konzept eines U-Bootes vorgestellt, das von einer ALU-GT angetrieben wird: das P-705B. Das maßstabgetreue Modell ist auf der Marinemesse zu sehen, die gerade in St. Petersburg stattfindet.

    Die technischen Parameter beeindrucken: Das Boot fährt 1.200 Seemeilen weit, ohne aufzutauchen – also durch die ganze Ostsee von Südwest nach Nordost. Mit seinen 20 Mann Besatzung bleibt es bis zu 30 Tag lang auf See. Die maximale Tauchtiefe beträgt 300 Meter.

    Gedacht ist das P-705B hauptsächlich für küstennahe Einsätze. Es kann bis zu 16 Kampfschwimmer an Bord aufnehmen, die zu verdeckten Operationen in einem bestimmten Gebiet abgesetzt werden. Auch Aufklärungs- und Patrouillenfahrten entlang von Seegrenzen sind mit dem neuen U-Boot möglich. Es kann Minensperren aufstellen, Landziele und Kampfschiffe bekämpfen und natürlich andere U-Boote jagen.

    Kompakt ist die neue Submarine auch: 65,5 Meter lang und sieben Meter breit ist der Stahlrumpf. Bewaffnet wird das P-705B mit Torpedos, Raketen und Standardminen von 533 mm Größe. Die Gesamtreichweite des Gefährts beträgt 4300 Seemeilen.

    Bei der Entwicklung von außenluftunabhängigen Gasturbinen gehen russische Entwickler anders vor als ihre westlichen Kollegen. Vor allem unterscheiden sich die Methoden zur Wasserstofferzeugung. Beim P-705B wird das Gas direkt an Bord aus Dieseltreibstoff gewonnen. Der Vorteil ist, dass kein Wasserstoff mitgeführt werden muss.

    Der Marinetechnikentwickler „Malachit“ ist nicht der einzige in Russland, der an neuen Gasturbinen für U-Boote arbeitet. Auch das Konstruktionsbüro „Rubin“ entwickelt derzeit eine außenluftunabhängige Kraftmaschine. 2021-22 soll sie einsatzreif sein.

    Die russische Marine wird sich nach Vergleichstests für eine der beiden Entwicklungen entscheiden, sagte Admiral Nikolai Jewmenow, kürzlich ernannter Kommandeur der russischen Seestreitkräfte: „Wir werden das Beste für uns aussuchen. Je mehr Vorschläge eingehen, desto besser.“

    Eine gesunde Konkurrenz zwischen den Entwicklern sei ja auch förderlich, erklärte Alexej Rachmanow, Präsident der russischen Schiffsbauholding USC, der auch die beiden Spezialisten „Malachit“ und „Rubin“ angehören: „Unsere Ingenieure sollen zeigen, was sie draufhaben. Vergleichstests werden die nächste Etappe sein.“

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    Tags:
    Projekt, Entwicklung, U-Boot, Russland