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23:31 13 Oktober 2019
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    Kampfjets auf einem Flugzeugträger (Archiv)

    König der Ozeane: Das wird Russlands neuer Flugzeugträger können

    © Sputnik / Pressedienst der Nordflotte
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    Leicht, ohne Atomantrieb, mit tödlichen Waffen gerüstet – der neue russische Flugzeugträger wird in der Lage sein, modernste Kampfjets an Bord zu nehmen und eine Geschwindigkeit von 30 Knoten zu erreichen. Ein entsprechendes Projekt ist bereits konzipiert worden – jetzt fehlt nur noch der Auftrag seitens des Verteidigungsministeriums.

    Auf dieses und andere Vorhaben zur Entwicklung von russischen Flugzeugträgern sowie ihre ausländischen Pendants geht RIA Novosti in diesem Beitrag näher ein.

    Klein, aber fein

    Wie Pawel, der Direktor des russischen Krylow-Forschungszentrums für Schiffbau, das voraussichtlich mit dem Bau des neuesten Flugzeugträgers beauftragt wird, in einem Interview mit RIA Novosti erzählte, wird die Wasserverdrängung des Schiffes bei etwa 40.000 Tonnen liegen, wobei das Projekt auf insgesamt 200 Milliarden Rubel (aktuell etwa 2,8 Milliarden Euro) geschätzt werde. Der Stapellauf könnte nach seinen Worten fünf Jahre nach der Unterzeichnung des entsprechenden Vertrages erfolgen.

    Filippow nannte zwar das Projekt nicht namentlich, aber es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen leichten Mehrzweck-Flugzeugträger „Schtorm-KM“, dessen Modell zum ersten Mal beim Forum „Army-2018“ präsentiert wurde. Wie der Leiter der Projektabteilung des „Krylow“-Zentrums, Alexej Lizis, damals RIA Novosti mitteilte, könnte das Schiff 46 Fluggeräte an Bord nehmen. Das wären nach seinen Worten zwölf bis 14 schwere Kampfjets Su-33, zwölf bis 14 leichte Kampfjets MiG-29K, vier AWACS-Flugzeuge und zwölf bis 14 Mehrzweck-Hubschrauber Ka-27.

    Zudem wäre der neueste Flugzeugträger auch für die Marineversion des Kampfjets Su-57 der fünften Generation geeignet. Das Schiff hätte einen Gas-Turbo-Antrieb mit einer Stärke von 110.000 PS. Die Seeausdauer würde etwa zwei Monate (so groß wären die Lebensmittelvorräte an Bord) betragen, die Geschwindigkeit 28 Knoten erreichen.

    Die Länge des neuen Schiffes würde 304 Meter, die Breite 78 Meter und die Höhe 23 Meter ausmachen. Es könnte 600 Tonnen Munition für Kampfjets und 2000 Tonnen Brennstoff für sie an Bord nehmen. Flugzeuge könnten auf zweierlei Arten abheben: mithilfe einer Schanze und einer elektromechanischen Schleuderstartanlage.

    „Falls wir vom Verteidigungsministerium den entsprechenden Auftrag bekommen, wären wir bereit, mit der Umsetzung dieses Projekts schnellstmöglich zu beginnen“, so Filippow gegenüber RIA Novosti. „In seinem Rahmen müssen wir entscheiden, an welchem Ort wir mit dem Bau beginnen könnten. Dasselbe gilt für die Kooperation: Wer entwickelt welche Schiffssysteme?“ Zudem sollte die Militärbehörde präzisieren, wie viele Flugapparate das neueste Schiff an Bord nehmen sollte; „Vorerst rechnen wir mit Flugzeugen und Hubschraubern, mit denen die russischen Seestreitkräfte aktuell versorgt werden.“

    Schwere Variante

    Das ist allerdings nicht das einzige Flugzeugträger-Projekt: Bereits 2015 war dem Publikum das Modell des schweren Atom-Flugzeugträgers des Projekts 23000 „Schtorm“ gezeigt worden. Dieses Schiff wäre für Einsätze in so genannten „fernen Meeresgebieten“ geeignet und könnte Schläge gegen Boden- und Wasserziele sowohl mit eigenen Waffen als auch mit denen der Kampfjets, die an Bord stationiert sind, versetzen.

    Laut Informationen aus offenen Quellen wäre dieses Schiff in vielerlei Hinsicht quasi die Wiederholung des in Sowjetzeiten entwickelten Atom-Flugzeugträgers „Uljanowsk“ – sowohl rein äußerlich als auch nach den taktischen und technischen Charakteristiken. Seine Länge würde 330 Meter, die Breite 40 Meter an der Wasserlinie und der Tiefgang maximal elf Meter betragen. Die Wasserverdrängung würde 100.000 Tonnen übertreffen. Die „Schtorm“ könnte bis zu 120 Tage auf hoher See bleiben und eine Geschwindigkeit von bis 30 Knoten erreichen. An Bord würde sich Platz für 90 Kampfjets und Hubschrauber finden. Eine wichtige Eigenschaft wäre seine Bereitschaft zu Einsätzen im Hohen Norden. Außerdem sollte gerade dieses Schiff mit elektromagnetischen Schleuderstartanlagen ausgerüstet werden.

    Der Bau des Flaggschiffs wird Experten zufolge acht oder neun Jahre in Anspruch nehmen und 350 Milliarden Rubel (etwa sechs Milliarden US-Dollar nach dem aktuellen Wechselkurs) kosten. Zum Vergleich: Der neueste US-Flugzeugträger „Gerald R. Ford“ ist doppelt so teuer.

    Allerdings stehen die Perspektiven des schweren Flugzeugträgers in den Sternen. Russland hat keine eigenen Erfahrungen bei dem Bau von großen Kriegsschiffen, und das einzige Überwasserschiff mit einem Atomantrieb ist und bleibt der schwere Raketenkreuzer „Pjotr Weliki“, der noch in der Sowjetunion gebaut wurde. Offenbar deshalb wurde beschlossen, sich auf einen weniger anspruchsvollen leichten Flugzeugträger mit einem Gas-Turbo-Antrieb zu konzentrieren.

    Ausländische Erfahrungen

    Solche Schiffe haben die Seestreitkräfte gleich mehrerer Länder. Die italienische Marine verfügt beispielsweise über den Flugzeugträger „Cavour“, der vier Gas-Turbo-Triebwerke (118.000 PS) und eine Wasserverdrängung von 28.000 Tonnen hat. Er kann allerdings nur acht Flugzeuge des Typs AV-8B Harrier II an Bord nehmen. Künftig werden diese Maschinen voraussichtlich durch US-Kampfjets F-35B ersetzt.

    Allerdings kann die „Cavour“ auch zwölf Hubschrauber und Luftlandetruppen aufnehmen: 415 Marineinfanteristen, bis zu 100 Fahrzeuge oder 24 Panzer oder 50 schwere Panzerfahrzeuge. Es findet sich an Bord auch Platz für einen Stab aus 145 Personen. Die „Cavour“ ist im Grunde ein universales Schiff, das für Expeditionseinsätze taugt, wenn es um Truppenverlegung, Landung oder Deckung von Luftlandetruppen geht.

    Ein weiterer Gas-Turbo-Flugzeugträger ist die britische „Queen Elizabeth“, deren vollständige Wasserverdrängung 70.600 Tonnen und die Ausdauer etwa 300 Tage beträgt. Das Schiff wird gerade getestet und soll 2020 in die Bewaffnung der britischen Marine aufgenommen werden. An Bord findet sich Platz für 24 bis 36 Kampfjets F-35B und 14 Hubschrauber. Zudem kann die „Queen Elizabeth“ mehrere Wandelflugzeuge V-22 Osprey an Bord nehmen.

    Und der kleinste Flugzeugträger weltweit ist die thailändische „Chakri Naruebet“ mit einer Wasserverdrängung von nur 11.500 Tonnen. Das Schiff lief 1996 vom Stapel und kam zehn Jahre lang als Patrouillen- und Rettungsschiff zum Einsatz.

    Seit 2009 bleibt die „Chakri Naruebet“ allerdings praktisch permanent im Hafen und dient als Stützpunkt für Hubschrauber CH-60 Sea Hawk. De facto ist die „Chakri Naruebet“ inzwischen ein Hubschrauberträger und zugleich die weltweit größte königliche Jacht – sie steht dem thailändischen Monarchen und seiner Familie zur Verfügung, kommt aber relativ selten zum Einsatz.

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    Tags:
    Entwicklung, Projekt, Flugzeugträger, Russland