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10:07 14 Oktober 2019
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    Der britische Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth

    Immer wieder Pannen: Diese Kampftechnik der Nato bereitet die größten Probleme

    © Foto: U.S. Navy / Mass Communication Specialist 3rd Class Kallysta Castillo
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    Modern, teuer, bewaffnet und … unausgegoren. Großbritanniens neuester Flugzeugträger “Queen Elizabeth” musste dieser Tage wegen eines Lecks seine Fahrt abbrechen und nach Portsmouth zurückkehren.

    Das Vorzeige-Schiff der britischen Flotte sorgt weiterhin für Beunruhigung bei der Besatzung – diese Panne ist bei Weitem nicht die erste.

    „Löchriger“ Flugzeugträger

    Die HMS Queen Elizabeth ist das Flaggschiff einer Serie von zwei Schiffen des gleichnamigen Projekts. Die Bauzeit des Flugzeugträgers dauerte acht Jahre, die Kosten beliefen sich auf knapp 3,1 Milliarden Pfund Sterling. Die Wasserverdrängung: 65.000 Tonnen; Länge: 282,9 m; Breite: 75 m. Auf der “Queen Elizabeth” soll eine Flugzeugträgergruppe von fast 40 Maschinen – F-35-Bordjets und Hubschrauber des Typs „Merlin“ - stationiert werden. Derzeit laufen die Probefahrten, das Schiff soll der britischen Flotte im 2020 übergeben werden -  vorausgesetzt, die Ursache des „Leaks“ wird gefunden und beseitigt.

    Nach Angaben des Internetportals „Defence News“ mussten die Probefahrten in dieser Woche gestoppt werden, nachdem in einem Teil des Schiffes Wasser eingedrungen war. Laut dem Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums gab es ein „kleines Problem im inneren System des Schiffes“. Britischen Medien zufolge nahm die “Queen Elizabeth” „einen kräftigen Schluck“ von 200 Tonnen Wasser. Für ein Schiff mit einer Wasserverdrängung von 65.000 Tonnen ist das zwar nicht viel, doch die Tests wurden abgebrochen.

    Dabei handelt es sich bereits um den zweiten Vorfall mit einem Leck. Der neueste britische Flugzeugträger hatte bereits im Dezember 2017 ein Leck aufzuweisen – am dritten Tag der Probefahrt. Zudem wurden Schwierigkeiten bei einer Schraube festgestellt. Der Flugzeugträger musste repariert werden. Ein separates Thema der Diskussionen unter Experten: die Bordausstattung der „Queen Elizabeth“. 2017 wurde in Medien berichtet, dass auf den Computern in der Kampfeinsatz-Steuerzentrale die Betriebssoftware Windows XP installiert ist, die durch Microsoft seit langem nicht mehr unterstützt wird. Dadurch wurde die „Queen Elizabeth“ anfällig für Cyberangriffe.

    Problematischer Kampfjet

    Der Kampfjet der 5. Generation F-35, dessen Entwicklungsprogramm mehr als 55 Milliarden Dollar kostete, wird in die Geschichte der Fliegerkräfte als eines der problematischsten US-Flugzeuge eingehen.

    2018 berichtete das Pentagon, dass bei den F35-Kampfflugzeugen etwa 1000 verschiedene Mängel nicht behoben wurden. 111 davon könnten zu schweren Konsequenzen führen. Das heißt, dass sie zum Tod des Piloten bzw. einem schweren Traumata führen können. Laut den Verfassern des Berichts sind Gewitter eine Gefahr für den anfälligen US-Kampfjet, weil viele Elemente aus Plastik kaputt gehen und die Kraftstoffbehälter explodieren könnten. Zudem beschweren sich die F35-Piloten über Schwindelgefühle, Stechen in den Fingern und Desorientierung, was auf Sauerstoffmangel während des Fluges hinweist.

    Zuvor wurde über Mängel wie ein unvollkommenes Schleudersitz-System berichtet, das für Piloten mit einem Körpergewicht von mehr als 75 kg gefährlich ist, ein unbequemer Helm, schlechte Eigenschaften der Avionik-Sensoren u.a.

    Im Januar 2019 veröffentlichte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg einen Pentagon-Bericht über kritische Sicherheitsprobleme der Maschine, Mängel bei der Präzision der Waffen und bei der Software. Es stellte sich unter anderem heraus, dass sich die High-Tech-Tarnung, die die Kampfjets für gegnerische Radare unsichtbar machen soll, sich schneller als erwartet abnutzt. Allerdings kauft das Pentagon weiterhin diese Maschinen und verkauft sie aktiv an engste Verbündete. 

    „Dicker“ Schützenpanzer

    Den neuesten deutsche Schützenpanzer Puma, der im April 2015 in Dienst gestellt wurde, wollte die Bundeswehr lange Zeit nicht kaufen. Der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maiziere sagte, dass die Bundeswehr diese Schützenpanzer nicht bestellen werde, so lange die vielen ernsthaften Mängel nicht behoben würden.

    Bei den Tests von fünf Maschinen wurden zudem Probleme mit den Nachtsicht-Systemen und der Feuerlenkung festgestellt, während der Fahrt ist die Sicht schlecht. Einige Mängel wurden beseitigt, der Puma-Panzer wurde angenommen, wird aber weiterhin kritisiert.

    Der größte Mangel der Schützenpanzer ist Experten zufolge die zu hohe Kampfmasse – 43 Tonnen, was mit Russlands wichtigstem Kampfpanzer T-90 vergleichbar ist. Das erschwert die Beförderung des Puma-Panzers per Luft und beeinflusst die operative und taktische Beweglichkeit der Maschine negativ.

    Ein weiterer Anlass für Kritik – der Schützenpanzer ist fast 3,1 m hoch. Der Puma-Panzer ist somit sogar höher als der Leopard-2-Panzer und für Panzerabwehrmittel sehr angreifbar. Zudem kostet ein Schützenpanzer etwa neun Millionen Euro – das ist beinahe die teuerste Technik in dieser Klasse. Auch die technische Ausstattung sorgt für Diskussionen. “Die Welt“ schrieb 2018, dass nur 27 der 71 Schützenpanzer, die ein Jahr früher in Betrieb genommen wurden, einsatzbereit seien.

    „Goldener“ Zerstörer

    USS Zumwalt
    © Foto : U.S. Navy / Mass Communications Specialist 2nd Class Jonathan Jiang
    USS Zumwalt

    Unsichtbare amerikanische Zerstörer der Zumwalt-Klasse sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie zu hohe Ambitionen zu einem sehr bescheidenen Ergebnis führten. Das Pentagon wollte 32 Schiffe dieses Typs für 40 Milliarden Dollar bekommen. Doch der Preis stieg rasant an. Der Auftrag wurde zunächst auf 24 Zerstörer, dann auf sieben reduziert. Im Ergebnis bekam die Flotte nur drei Schiffe im Wert von jeweils 4,4 Milliarden Dollar.

    Das Flaggschiff der Serie, die DDG-1000, ist am 16. Oktober 2016 vom Stapel gelaufen. Nach einer Woche hatte das Schiff im Panamakanal eine große Panne. Das Haupttriebwerk war kaputt – Meerwasser gelangte ins Lagergehäuse, was zum Ausfall der Triebwellen führte. Die „Zumwalt“ stieß gegen eine Kanalwand. Das Schiff wurde zum nächsten Marinestützpunkt zum Reparatur abgeschleppt.

    Im Dezember 2017 kam es während der Probefahrten zu Problemen bei seinem kleinen Bruder - DDG-1001. In der US-Presse hieß es, dass bei dem Zerstörer die Oberwellenfilter gebrochen seien, die die sensible Ausstattung vor unerwünschten Schwankungen der Kapazität schützen sollen. Im Ergebnis konnte das Schiff das komplizierte elektrische Netz bei hoher Belastung nicht nutzen. Die Tests wurden abgebrochen, das Schiff kehrte zurück in die Werft.

    Zudem hat das Pentagon bislang keine Alternative für die kostspieligen 155-mm-Geschosse LRLAP (800.000 Dollar pro Stück) für die Zumwalt-Artillerieanlage vorgeschlagen.

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