07:49 05 Dezember 2020
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    Die russischen Luftstreitkräfte werden ständig mit neuen Aufklärungs- und Kampfhubschraubern des Typs Ka-52 versorgt. Wie die Ka-52 in einem Betrieb der Holding „Wertoljoty Rossiji“ (Hubschrauber Russlands) in der Stadt Arssenjew (Fernöstliche Küstenregion) zusammengebaut werden, schildert Sputnik in diesem Beitrag.

    „Wirbelkönige“

    Während bei einem Panzer sein Turm das wichtigste Element ist, spielt bei einem Hubschrauber die Tragschraube diese Rolle. Auf den ersten Blick gibt es an den Ka-52-Flügeln nichts Besonderes, aber nur wenige Länder verfügen über entsprechende Technologien. Und Hubschrauber mit dem Koaxialrotorsystem sind überhaupt eine spezielle Geschichte – sie werden nur in Russland serienmäßig gebaut.

    „Die Schraubenflügel des Ka-52-Hubschraubers sind vollständig aus Verbundstoff“, erläuterte der Leiter der Abteilung für Produktion von Zulieferteilen aus Verbundstoffen, Iwan Tereschtschenko. „Zunächst wird der Längsträger hergestellt. Das ist ein kompliziertes Detail, besteht unter anderem aus einem Frostschutzelement, Flatterdämpfern und Beschlägen. Das alles wird zusammengelötet, und dann werden darauf Hecksektionen und pfeilförmige Spitzungen befestigt.“

    Ein fertiger Flügel wird ausgeschmergelt, mit Deckeln zusammengelötet. Innerhalb des Flügels werden Kabel für Konturleuchten verlegt, und dann kann er gefärbt werden. Die Arbeit mit Verbundstoffen gilt als schädlich, deshalb gibt es in der Zeche jede Menge Pflanzen. Dutzende bunte Blumentöpfe stehen hier und dort – an Arbeitsplätzen, auf Fensterbrettern, Regalen…

    Zwar wird diese Zeche die „Schraubenflügel-Zeche“ genannt, aber eigentlich werden hier auch andere Teile hergestellt – ein Ka-52-Hubschrauber besteht immerhin zu mehr als 50 Prozent aus Verbundteilen: zahlreiche Umhüllungselemente, Windhauben, Handlochdeckel usw. – alles wird hier gefertigt. Seine Panzerung bekommt der „Alligator“ aber in einer anderen Zeche.

    „Das rohe Glasfasergewebe wird in die nötige Pressform gelegt; es wird der Wabenfüllstoff hinzugefügt, alles wird zusammengeklebt und in ein Vakuumpaket gesteckt – und dann in den Autoklav gelegt“, sagte Tereschtschenko und öffnete die Tür des Raumes mit riesigen zylinderförmigen Öfen. „Verbundstoffe sind leicht zu bearbeiten – man muss nichts zusammenknicken oder fräsen. Außerdem sind sie enorm widerstandsfähig – selbst wenn ein Schraubenflügel platzt, wird er nicht auseinanderfliegen. Und schließlich sind sie leichter als Metall: Ein sieben Meter langer Ka-52-Flügel ist nur 74 Kilogramm schwer.“

    Niete an Niete

    Damit ein Bauelement fest genug wird, wird es zwölf Stunden lang im Ofen bei einer Temperatur zwischen 120 und 170 Grad und bei einem Druck von bis zu sieben Atmosphären gehalten. Im Betrieb gibt es drei Autoklaven, und das Personal arbeitet in drei Schichten, rund um die Uhr. Sobald eine Partie von fertigen Bauelementen aus dem Ofen geholt wird, wird sofort die nächste hineingelegt.

    Weil Elemente aus Verbundstoffen ziemlich zäh und langfaserig sind, lassen sie sich schwer sägen. Deshalb wird diese Arbeit nicht von Menschen, sondern von einem speziellen Roboter geleistet, der den Stoff mit einem starken Strahl aus Wasser mit Feinsand durchschneidet.

    Einige Mitarbeiter des Betriebes sagten, die Anlage könnte sogar Metall zersägen, wollten aber nicht zeigen, wie das geht.

    Aus der Schraubenflügelzeche werden die fertigen Verbundstoffelemente in die Montagezeche gebracht, wo sie mit Rumpfelementen des Hubschraubers zusammengebaut werden.

    Bugteil des Hubschraubers im Messgerüst der Montagehalle
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Bugteil des Hubschraubers im Messgerüst der Montagehalle

    Das Hubschraubergerippe wird im Hauptmessgerüst zusammengebaut. Alle Elemente müssen einander ideal angepasst sein – es darf keine Spalten geben. Selbst ein halber Millimeter spielt dabei eine wichtige Rolle.

    „Wir haben zwei Hauptmessgerüste“, sagte der Leiter der Zeche, Dmitri Konowalow. „Am Anfang wird das Mittelstück aufgestellt, an dem dann der fordere und der hintere Brennstoffbehälter, das Heck- und das Nasenteil befestigt werden.“ Den Rumpf zusammenzubauen ist nach seinen Worten die wichtigste Phase, die vom internen Büro für technische Kontrolle und von Vertretern des Auftraggebers beobachtet wird. „Wenn hier ein Fehler gemacht wird, wird der ganze Hubschrauber ausgesondert.“

    Einzelne Elemente des Ka-52-Rumpfes werden zusammengebaut
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Einzelne Elemente des Ka-52-Rumpfes werden zusammengebaut

    Experimente mit der Nietmaschine sind den Mitarbeitern zufolge erfolgslos geblieben: Sie passt nur für Elemente, die gerade Seiten haben, und der „Alligator“-Rumpf hat eine komplizierte Form mit vielen Mulden und Rundungen.

    Fertig, los!

    Nach dem „Stapellauf“ müssen am Rumpf etliche Handlochdeckel, Flügel usw. befestigt werden. Es wird auch geprüft, wie gut sich die Türen und Lukendeckel öffnen und schließen lassen.

    „Wenn sich alles gut öffnen und schließen lässt, wird die Beregnungskammer gebracht, um die Rumpfdichte zu überprüfen“, sagte Konowalow weiter. „Dort wird der Rumpf von allen Seiten mit Wasser bespült. Das nimmt etwa 20 Minuten in Anspruch. Im Rumpf gibt es wasserdichte Zonen, unter den Luken Gummidichtungen, und die zusammengelöteten Elemente werden zusätzlich abgedichtet. Im Innenraum muss alles trocken bleiben.“

    Wenn der Hubschrauber aus der Beregnungskammer heraus ist, wird er von technischen Kontrolleuren gründlich geprüft, die auf die Qualität des Zusammenbaus achten und am Ende entsprechende Dokumente ausfüllen.

    Hubschrauber Ka-52 im Betrieb „Progress“
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Hubschrauber Ka-52 im Betrieb „Progress“

    Nach der Montagezeche ist der „saubere Raum“ an der Reihe, wo die Endmontage der Maschinen erfolgt. Hier verwandeln sie sich nämlich in „Alligatoren“. In diesem Raum ist alles wirklich ideal sauber – alle Parameter werden von speziellen Sensoren, die an den Wänden hängen, streng kontrolliert.

    „Vor allem werden innerhalb des Rumpfes die Treibstoff-, Feuerlösch- und Hydraulikrohre verlegt“, berichtete Konowalow weiter. „Dann sind die Stromkabel an der Reihe. Jedes Kabel wird dabei gründlich überprüft – darauf darf es keine Einschnitte oder Dickstellen geben. Wenn alle Elektroelemente verlegt sind, werden die Elektroanlagen montiert.“

    Im Durchschnitt dauert die Endmontage eines Helikopters 44 Tage. Der Schlussstrich ist die Montage des Druckminderers und der Triebwerke. Der „Alligator“ hat zwei Triebwerke des Typs VK-2500. Dieser Motor ist stärker als der TVZ-117VMA, mit denen die meisten Hubschrauber Mi und Ka ausgerüstet werden. Damit kann der Ka-52 eine Höhe von bis zu 5000 Metern erreichen.

    Endmontagehalle
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Endmontagehalle

    Wenn die Triebwerke montiert sind, wird der Hubschrauber wieder von Vertretern der Kontrollabteilung überprüft.

    Gefährliche „Kriegslibelle“

    Wenn sie keine Probleme entdecken, wird der Hubschrauber in die Kontroll- bzw. Testzeche gebracht, wo er mit den Waffen ausgerüstet wird.

    Cockpit des Ka-52-Kampfhubschraubers
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Cockpit des Ka-52-Kampfhubschraubers

    „Zunächst wird jeder Hubschrauber von unseren eigenen Ingenieuren und Piloten getestet“, so Dmitri Konowalow weiter. „Sie stellen die Motoren und den Druckminderer ein, überprüfen die Flatterfestigkeit der Tragschrauben. Die Militärs bekommen bereits geprüfte Maschinen in ihre Hände. Ihnen zufolge verhält sich der 52er sehr gut in der Luft – sie haben nichts zu beklagen.“

    Die Mitarbeiter des „Progress“-Betriebs sind sehr stolz darauf, dass ihr Betrieb der einzige in ganz Russland ist, in dem solche einmaligen Hubschrauber gebaut werden.

    Ka-52-Hubschrauber auf dem Testgelände.
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Ka-52-Hubschrauber auf dem Testgelände.

    Der Ka-52 hat jede Menge einmalige Eigenschaften: Koaxialrotorsystem, Pilotenrettungssystem, das den „Abschuss“ der Schraubenflügel berücksichtigt, die untypische für einen Hubschrauber Cockpitauslegung, wobei die beiden Piloten nebeneinander sitzen, eine starke Panzerung. Zudem ist die Maschine kompakt und kaum auffällig für Radare.

    Nach der Kampflast, Geschwindigkeit und der Flughöhe ist der „Alligator“ der ausländischen Konkurrenz – den US-amerikanischen Hubschraubern AH-64D Apache Longbow und den französisch-deutschen Maschinen Eurocopter Tiger – deutlich überlegen.

    Kampfhubschrauber Ka-52 vor einem Flugtest
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Kampfhubschrauber Ka-52 vor einem Flugtest

    Der Ka-52 ist mit einer 30-Millimeter-Kanone 2A42-1 ausgerüstet, kann auch mit einem Raketenkomplex „Strelez“ ausgestattet werden und lenkbare Raketen der Typen „Ataka“ und „Wichrj-1“ sowie Container mit unlenkbaren Raketen S-8 tragen. Dieses Arsenal ist ausreichend, um gegnerische Panzertechnik und lebende Kräfte zu bekämpfen.

    Das Geräusch eines fliegenden „Alligators“ kann man wohl mit nichts verwechseln. Wenn man diese Maschine in der Luft sieht, denkt man sofort unfreiwillig: Es wäre sehr schlecht, sich in einem Krieg auf der anderen Seite der Frontlinie zu befinden. Selbst nur für kurze Zeit.

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    Kampfhubschrauber, Kamow, Ka-52