13:47 16 Dezember 2019
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    US-Matrosen vom Raketenzerstörer USS Wayne E. Meyer tragen eine REX-Torpedo (Archivbild)

    Von Wassermassen verdeckt: Diesen Schiffskiller fürchten Seeleute am meisten

    © Foto : U.S. Navy / Mass Communication Specialist 3rd Class Kelsey L. Adams
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    Torpedos sind für Schiffe mitunter gefährlicher als die schnellsten Flugkörper. Russische Seeleute setzten diese Waffe als erste ein, im Jahr 1878. Danach mussten die Admiräle das Seegefecht taktisch neudenken. Und heute?

    Heute können Torpedos sogar fliegen. Die neueste Entwicklung der US Navy zum Beispiel: Mark 54 – ein Kompakttorpedo, der aus der Luft eingesetzt werden kann. Dabei muss das Flugzeug oder der Hubschrauber nicht einmal den Einsatzbereich der gegnerischen Flugabwehr befliegen.

    Ein System zum Abwurf von Torpedos aus großen Höhen macht das möglich – im Englischen: HAAWC (High Altitude Antisubmarine Warfare Weapons Capability). Mit Tragflächen und einem Leitwerk ausgerüstet, kann der Mark-54-Torpedo aus Höhen zwischen 250 Metern und 15 Kilometern abgesetzt werden, aus sicherem Abstand zum Zielobjekt.

    Sobald der Torpedo eine Höhe erreicht hat, aus der er unbeschadet auf dem Wasser aufprallen kann, werden die Flügel abgesprengt. Das Geschoss nimmt die Zielverfolgung auf. Bei 300 Kilogramm Eigengewicht trägt der amerikanische Torpedo einen 40 Kilogramm schweren Gefechtskopf. Und natürlich kann Mark 54 auch aus dem Standardrohr eines Navy-Kampfschiffs abgefeuert werden.

    Kamikaze-Torpedos und U-Wasser-Reiter

    Zu einer wirklich gefährlichen Waffe wurden die Torpedos am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Russen hatten zwar Jahrzehnte vorher schon U-Wasser-Geschosse eingesetzt, gegen die türkische Marine. Aber so richtig los ging die Entwicklung dieses Waffentyps erst, als die Seestreitkräfte in Europa und Asien mit gepanzerten Schlachtschiffen ausgestattet wurden. Die Hälfte aller im ersten Weltkrieg versenkten Kampfschiffe wurde durch Torpedos zerstört.

    Umso reifer war diese Waffe beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Je nach Einsatz konnten die Seeleute zwischen Torpedos mit verschiedenen Reichweiten und Geschwindigkeiten, mit unterschiedlichen Zielsuchsystemen und Zündern wählen. Woran es den U-Wasser-Geschossen noch mangelte, waren Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Schlagkraft.

    Beim deutschen Torpedo T5 „Zaunkönig“ war das gut zu beobachten. Eigentlich ein für seine Zeit fortschrittliches Geschoss: Akustisch gesteuert, folgte es dem Schall der Antriebsschraube eines gegnerischen Schiffes.

    Ein Zaunkönig-Torpedo des Typs T11 im Museum
    Ein Zaunkönig-Torpedo des Typs T11 im Museum

    1943 stellte die Kriegsmarine den T5 als Standardtorpedo in Dienst. Bei einem Kaliber von 533 Millimeter trug das Geschoss einen 300 Kilogramm schweren Gefechtskopf. Es steuerte das Zielobjekt mit maximal 50 Stundenkilometern auf 5.500 Meter Entfernung an. Doch der „Zaunkönig“ erwies sich als nicht so effektiv wie ursprünglich angenommen: Von 650 abgefeuerten Torpedos trafen nur 58 ihr Ziel präzise.

    Hatte der „Zaunkönig“ die Schiffsschraube geortet, zündete er allzu oft vorzeitig. Und: Viel zu häufig bedrohte der Torpedo die deutschen Seeleute, jagte mitunter den Schallwellen jener U-Boote nach, die ihn abgefeuert hatten. Die akustische Steuerung des T5 war noch lange nicht perfekt.

    Einen wahrlich unkonventionellen Torpedo setzte im Zweiten Weltkrieg die Kaiserlich Japanische Marine ein. Von schweren Verlusten durch die US Navy geplagt, entwickelten die Japaner eine bemannte Vergeltungswaffe: den „Kaiten“. Im Grunde war das ein Mini-U-Boot, gesteuert von einem Kamikaze-Matrosen. Zur Zielortung stand dem ein Periskop zur Verfügung. Im Einsatzgebiet wurde der bemannte Torpedo von einem U-Boot oder einem Kampfschiff abgesetzt.

    Anfänglich hatten die Entwickler beim „Kaiten“ eine Schleudervorrichtung zur Rettung des Matrosen vorgesehen. Aber es zeigte sich bald, dass der Torpedo-Fahrer, von der Explosionswelle erfasst, ohnehin keine Überlebenschancen hatte.

    Schließlich war im Bug des Torpedos ein 1.500 Kilogramm schwerer Gefechtskopf untergebracht. Genug, um nahezu jeden Schiffstyp der US Navy zu versenken. Trotzdem erfüllte der „Kaiten“ die Erwartungen seiner Entwickler nicht: Über 100 dieser Torpedos setzten die Japaner ein, nur zehn amerikanische Schiffe versenkten sie damit.

    Die „Kaitens“ sanken oder explodierten, die Piloten irrten sich im Kurs und gingen zusammen mit dem Torpedo unter. Auch waren die bemannten U-Wasser-Geschosse der Japaner relativ groß und daher leicht zu orten, also abzuwehren.

    Deutlich erfolgreicher war da der italienische Torpedo „Maiale“. Der war ebenfalls bemannt, nur mussten sich die Steuermänner nicht opfern: Gesteuert wurde das Geschoss von zwei Tauchern, die oben aufsaßen, wie Reiter im Sattel.

    Ein Maiale-Torpedo im Dienste der israelischen Kriegsflotte (Archivbild)
    Ein Maiale-Torpedo im Dienste der israelischen Kriegsflotte (Archivbild)

    Angetrieben wurde der „Maiale“ von einem Elektromotor und war daher mit acht Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit schwachbrüstig. Aber weit kam der italienische Torpedo eh nicht: Die Reichweite lag bei maximal 30 Kilometern. Immerhin konnten sich die „Maiale“-Fahrer mit dem Gefährt sechs Stunden lang unter Wasser aufhalten. Für den Einsatzzweck dieses Torpedos durchaus genug.

    Verwendet wurde er bei verdeckten Operationen, zum Beispiel in den Marinebasen des Gegners. Dort drang der „Maiale“ unbemerkt ein, die Taucher befestigten dessen abnehmbaren Gefechtskopf am Rumpf eines gegnerischen Schiffes und verschwanden wieder. Ein Zeitzünder löste die Detonation aus. Die britische Marine etwa erlitt so großen Schaden. Die italienischen Spezialkräfte sprengten mehrere Tanker und Versorger auf diese Weise.

    Und plötzlich ein „Sturm“

    Die Torpedos von heute sind smart und präzise genug, dass sie keine Handsteuerung mehr benötigen. Schnell sind sie auch. Der schnellste Torpedo der Welt steht im Dienst der russischen Marine. Sein Codename lautet „Schkwal“, zu Deutsch: „Sturm“.

    Weil sich dieser Torpedo in einer Luftkaverne fortbewegt, ist er wirklich sehr schnell. Zugleich ist das jedoch sein größter Nachteil: Der „Schkwal“-Torpedo ist laut und praktisch unlenkbar. Daher sind mit diesem Geschoss auch nur Einsätze auf Kurzentfernungen von wenigen Kilometern möglich. Die Zielkoordinaten werden vor dem Start in den Torpedo eingegeben.

    Aber: Die Nachteile werden durch den Überraschungseffekt ausgeglichen. Der Torpedo rast mit 300 Stundenkilometern auf das Ziel zu, angetrieben von einem Hydrostaustrahltriebwerk. 1977 stellte die russischen Marine den „Schkwal“ in Dienst. Gegenwärtig wird der Torpedo modernisiert.

    Ein anderer russischer Torpedo – der „Fisik“ („Physiker“) – ist zwar bei weitem nicht so schnell, kann den Gegner jedoch aus 50 Kilometern Entfernung mit 300 Kilogramm TNT angreifen. Das aktiv-passive hydroakustische Ortungssystem dieses Torpedos erkennt das Fahrwasser eines Kampfschiffs aus eineinhalb bis zwei Kilometern.

    Ist das Zielobjekt einmal erfasst, ist der „Fisik“ praktisch nicht mehr abzuschütteln: Das Geschoss wird vom bordeigenen Suchkopf ins Ziel geführt oder über einen fast 30 Kilometer langen Draht ferngesteuert. Dabei ist diese Waffe nahezu geräuschlos, was eine Entdeckung wenn nicht ausschließt, so doch ziemlich erschwert. 

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    Tags:
    USA, Russland, Deutschland, Japan, Zweiter Weltkrieg, Torpedo