19:36 14 November 2019
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    Kampfjet der 5. Generation TF-X (Archiv)

    Stealth-Bolide TF-X: Türkei baut eigenen Kampfjet – gegen wen?

    CC BY-SA 4.0 / JohnNewton8 / Maquette du TF-X de Turkish Aerospace Industries (cropped a photo)
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    Die Türkei will im Klub der großen Kampfflugzeugbauer mitspielen und arbeitet an der Entwicklung eines schweren Tarnkappenjets der 5. Generation. Es heißt, die türkische Führung werde rund 250 solche Flugzeuge beschaffen. Das kann Fragen auslösen, wenn nicht sogar Unbehagen. Das Portal „Swesda“ berichtet.

    Turkish Fighter: TF-X; das X steht für das englische „Experimental“. Die Türkei hat auf der Luftfahrtausstellung im französischen Le Bourget gezeigt, wie sie sich zumindest die Form ihres künftigen Kampfjets vorstellt. Ein Mockup im Maßstab 1:1 wurde vorgestellt, ein Modell von der Art der amerikanischen F-22 oder der chinesischen J-31.

    „Das wichtigste Rüstungsprojekt der Türkei hat einen weiteren Entwicklungsstand erreicht. Wir werden das schaffen, was nur wenige Länder der Welt schaffen können“, sagte Temel Kotil, CEO des für die Entwicklung des Zukunftsjets verantwortlichen TAI-Konzerns, bei der Präsentation.

    Nicht nur in der Form – auch bei den Abmessungen, dem Gewicht und den technischen Fähigkeiten ähnelt die TF-X den heute schon einsatzbereiten zweimotorigen Kampfjets der 5. Generation. Aber: Die türkische Maschine soll die russischen Su-57 „bei einer Reihe von Parametern“ übertreffen, versprach ein hoher Mitarbeiter des TAI-Konzerns in Le Bourget.

    Vor sechs Jahren, also 2013, hat der Konzern Turkish Aerospace Industries (TAI) mit den Arbeiten an dem schweren Kampfflugzeug begonnen. Es wird berichtet, Ankara werde 200 bis 250 dieser Maschinen für die türkischen Luftstreitkräfte anschaffen. Schon 2029 sollen die ersten Fighter übernommen werden.

    Bisher hat die Türkei noch nie einen eigenen Kampfjet gebaut. Als Nato-Mitglied nutzt das Land amerikanische Leichtjäger F-16. Als Ersatz dafür sollten die einmotorigen Tarnkappenjets F-35 in den USA beschafft werden. Der Deal war schon perfekt, doch Präsident Trump hat die Auslieferung verboten, weil Ankara vorher russische Flugabwehrsysteme S-400 gekauft hatte.

    Ein Flugzeug – ob militärisch oder zivil – ist immer ein Symbol dafür, wie weit ein Land technisch entwickelt ist. Der Entwurf einer Passagier-Boeing bis zur Serienfertigung kostet 1,5 bis zwei Milliarden Dollar. Bis zur Serienreife eines neuen Jagdflugzeugs braucht es fünf bis zehn Milliarden – die Entwicklung der Triebwerken nicht mitgerechnet.

    Die Konstruktion neuer Flugzeugtriebwerke kostet nicht einfach nur mehr Geld, dafür wird vor allem deutlich mehr Zeit benötigt, als für die Entstehung des kompletten Flugzeugs. Das erste F-119-Triebwerk der amerikanischen F-22 war Mitte der 1980er-Jahre erprobt worden. Erst 1997 erkannten die US-Behörden den Motor als tauglich an, um einen Kampfjet der 5. Generation anzutreiben. Ähnlich lange haben auch die Konstrukteure von „Erzeugnis-30“ gebraucht, dem Strahltriebwerk der russischen Su-57 mit Turbinenschaufeln aus einer Nickellegierung.

    Selbst Staaten mit einer hochentwickelten Luftfahrtindustrie benötigen mindesten zwei Jahrzehnte, um eine Flugzeugturbine von null an zu entwickeln. Ursula von der Leyen sagte, als sie noch Verteidigungsministerin war, das Triebwerk für den neuen europäischen Kampfjet werde nur als Demonstrator in diesem Jahr verfügbar sein. Bevor ein Prototyp des künftigen Flugzeugs fliegen würde, würden noch zehn Jahre vergehen.

    Natürlich: Lange Entwicklungszeiten können durch den Einkauf von Bauteilen im Ausland vermieden werden. Doch das würde erst recht die Frage nach der Notwendigkeit eines dann ja nur bedingt eigenen Kampfjets aufwerfen. Eigene Rüstungsprojekte sind ja nur dann existenzberechtigt, wenn sie die staatliche Unabhängigkeit sichern.

    Bei der TF-X setzt die Türkei jedoch auf die Zusammenarbeit mit internationalen Zulieferern. Bei der Entwicklung von Triebwerken kooperieren die Türken mit General Electric, bei der Avionik und Radartechnik steht noch kein Partner fest. Russland hat seine Mitwirkung angeboten.

    Den Traum von der Mitgliedschaft im Klub der großen Kampfflugzeugbauer haben viele Länder. Aber die Absicht Ankaras, bis zu 250 schwere Kampfflugzeuge anzuschaffen, ist doch etwas beunruhigend. Es ist ja auch eine Größenordnung, die das Vorhaben der russischen Luftwaffe um ein Mehrfaches übersteigt: Russland will in den nächsten zehn Jahren rund 75 seiner Tarnkappenjets Su-57 anschaffen (die ersten zehn Maschinen sind bereits ausgeliefert).

    Wozu braucht Ankara eine derart geballte Schlagkraft? Die 250 neuen Kampfjets wären dann ja auch Teil der ohnehin mächtigen Nato-Luftarmada. Bei den Nicht-Mitgliedern der Allianz dürften die Alarmglocken schrillen.

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    Tags:
    Entwicklung, Kampfjet, Türkei