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21:00 17 Oktober 2019
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    Eine F-16 Fighting Falcon der US-Luftstreitkräfte (Archivbild)

    Luftschlacht über Bosnien: F-16-Pilot schildert seinen eigenen Abschuss durch Serben

    © Foto: U.S. Air Force / Staff Sgt. Chris Drzazgowski
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    Der Pilot der amerikanischen Luftwaffe Scott O’Grady beteiligte sich am westlichen Militäreinsatz über Bosnien im Jahr 1995. Der 2. Juni dürfte ihm dabei in Erinnerung bleiben, denn an diesem Tag wurde seine F-16 von einer Rakete praktisch zerrissen – abgeschossen durch bosnische Serben.

    Scott O’Grady hat gegenüber dem US-Fachblatt „National Interest“ geschildert, wie er im Jahr 1995 durch ein sowjetisches Luftverteidigungssystem, bedient durch bosnische Serben, vom Himmel geholt wurde.

    Wie der Mann erzählt, war er mit einem anderen Flugzeug in einer gewöhnlichen Doppelformation am Himmel über Bosnien – es sollte eigentlich ein Routine-Einsatz werden. Die Männer sollten den Himmel über dem Nordwesten Bosniens patrouillieren.

    Dass auch eine gewisse Gefahr bestanden hatte, sei den Piloten durchaus bewusst gewesen. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass sie sich von Positionen bosnischer Serben fernhalten sollten, da diese über moderne Luftabwehrraketen verfügten, die für eine F-16 definitiv eine Gefahr darstellten.

    Gegner unterschätzt – sowjetisches Abwehrsystem feuert ab

    Das taten sie auch – doch die Aufklärung übersah eine mobiles Luftverteidigungssystem der Serben. Mehr noch, als das erste F-16-Flugzeug von den Radarwellen der serbischen Raketenabwehr erfasst wurde, konnten weder die Piloten noch ihre Unterstützung am Boden diese richtig einordnen und stuften die Warnsignale als Falschalarm ein.

    Als dann der zweite Jet feindliche Radarwellen registrierte, wurde den Piloten mulmig.

    Captain Scott O'Grady vor den F-16 Kampfjets auf der Hill Air Force Base im Mai 1996
    © AP Photo / FRED HAYES
    Captain Scott O'Grady vor den F-16 Kampfjets auf der Hill Air Force Base im Mai 1996

    Nicht umsonst, denn in diesem Moment wurden zwei Raketen eines sowjetischen Flugabwehrsystems vom Typ 2K12 Kub von den Serben abgefeuert.

    Als dann in der F-16 alle Alarmglocken läuteten, war es schon zu spät. Alles geschah in Sekunden – zu wenig, um zu reagieren, aber genug, dass Scott O’Grady verstand, dass Raketen auf ihn zufliegen. Er versuchte nach eigener Darstellung ruhig zu bleiben, doch das sei ihm kaum gelungen.

    „Eine Rakete war zwischen uns hindurchgegangen und verfehlte uns beide. Mein Herz schlug noch schneller. Ich wusste, dass Flugabwehrraketen normalerweise in ‚Zweier-Paketen‘ gestartet werden. Die Chancen, dass genau in diesem Moment eine zweite Rakete auf mich zufliegt, waren hoch“, beschreibt der Pilot seinen Zustand.

    Wie sich Raketeneinschlag anfühlt

    Praktisch in der nächsten Sekunde sei er getroffen worden – anscheinend in einem der beiden Treibstofftanks. Er habe einen gewaltigen Stoß gespürt „wie niemals zuvor“. Sein ganzes Cockpit sei von Flammen gefüllt worden, die sich auch unter seine Sauerstoffmaske geschlichen hätten. Das Flugzeug sei komplett außer Kontrolle geraten.

    Dann sei die Nase des Flugzeugs samt dem Cockpit abgebrochen. Die F-16 war von einer alten sowjetischen Rakete in zwei Stücke gerissen worden.

    Mitten in Flammen, Rauch und Schmerz habe er schließlich den Griff am Schleudersitz gefasst und gezogen. Dieser habe ihn mit einer gewaltigen Kraft aus dem Cockpit herausbefördert, danach könne er sich an kaum was mehr erinnern.

    Er sei schon auf der Erde zu Besinnung gekommen. Er sei am Hals und Kopf verbrannt gewesen und hatte zahlreiche Schürfwunden – vermutlich weil er beim Fallen mit dem Fallschirm durch Baumkronen gezogen wurde.

    Die Tage danach habe er versucht, sich selbst bis zu den Positionen der westlichen Militärs durchzuschlagen, bis er schließlich am 8. Juni 1995 von US-Einsatzkräften geholt wurde.

    ng/mt

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    Tags:
    F-117 Nighthawk, US-Raketenabwehrsystem, Abschuss, Bosnien-Herzegowina, Bosnien-Krieg, Bosnien, Nordkosovo, Kosovo, Serbien, USA, Su-57, Su-34, Su-24, F-22, F-16, F-35