00:47 17 November 2019
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    Japans Soldaten beim Kanpfjet F-35 (Archiv)

    F-35-Programm: Japan ist Kunde – und Kunde ist kein Partner

    © Foto: U.S. Air Force/Tech. Sgt. Louis Vega Jr.
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    Japan zeigt Interesse am amerikanischen Kampfjet F-35 – als Käufer sowieso, nun auch als möglicher Co-Produzent. Aber Washington wird seinen japanischen Verbündeten (wahrscheinlich) nicht als Programmpartner akzeptieren. Die Zeitung „Iswestija“ berichtet.

    Fast ein Dutzend Länder sind am F-35-Programm beteiligt, seit Lockheed Martin 2002 den Auftrag für die Entwicklung und den Bau dieses Kampfjets erhalten hat: die USA und Kanada, Großbritannien und Australien, Italien, Belgien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen und die Türkei.

    Alle diese Länder haben in das Projekt investiert, ihre Luftfahrtfirmen arbeiten an der F-35 mit. Gemeint ist nicht, dass diese Länder einfach nur die Kampfflugzeuge montieren, die sie für ihre Luftstreitkräfte bestellt haben. Es ist eine vollwertige Projektbeteiligung: ganze Komponenten des Tarnkappenjets werden lokal entwickelt und hergestellt.

    Allein in Australien sind 50 Unternehmen am F-35-Programm beteiligt. In Italien läuft sogar die Endfertigung der „Lightning II“, die dann an die italienische Luftwaffe und ins Ausland geliefert werden.

    Die türkische Beteiligung am Bau des amerikanischen Kampfjets wird mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet: Unter anderem sollten in der Türkei die Triebwerke aller F-35, die an Nato-Mitglieder ausgeliefert wurden, gewartet werden. Dafür sollte extra ein Service-Zentrum entstehen.

    Indes sind enge Verbündete der USA wie Israel, Südkorea und Japan zum Programm nicht zugelassen worden. Wahrscheinlich wollten die Vereinigten Staaten die Erfahrungen vermeiden, die sie in den 80er Jahren mit Israel gemacht haben. Damals hatten die Israelis einen eigenen Kampfjet auf der Basis der amerikanischen F-16 entwickelt. Gebaut wurde die Maschine nicht, wohl aber an die Chinesen verkauft, die daraus mit russischer Unterstützung den Mehrzweckjäger J-10 gemacht haben.

    Japan zeigte zu Beginn der 2000er Jahre kein großes Interesse an der F-35. Tokio hoffte, Washington würde eine Ausnahme machen und für seinen größten Partner im Pazifik den Exportstopp für die größere und schwere F-22 aufheben. Dazu kam es bekanntlich nicht.

    Stattdessen hat Japan insgesamt 147 Exemplare der F-35 „Lightning II“ bestellt und ist damit der größte ausländische Käufer dieses Kampfjets. Aber eine vollwertige Programmbeteiligung kam für Washington schon aus politischen Gründen nicht infrage: sonst hätte auch Südkorea gefordert, als Co-Produzent mit ins Programm geholt zu werden.

    Ein Einschnitt in die Partnerstruktur ist der Rauswurf der Türkei aus dem F-35-Programm, den die US-Regierung beschlossen hat, nachdem die Türkei russische Flugabwehrsysteme gekauft hatte. Wäre es möglich, dass Japan die Türkei als Zulieferer substituiert?

    Technisch schon. Doch würde Tokio sicherlich auf einer tiefergehenden Integration in die Produktionsstrukturen bestehen, als nur an einigen kleineren Komponenten zu arbeiten oder als Service-Zentrum zu dienen. Ohnehin werden die japanischen F-35 schon teilweise bei Mitsubishi endmontiert.

    Hinzu kommt, dass Japan selbstständig an einem Kampfjet der 5. Generation arbeitet. Derzeit werden Flugversuche am Erprobungsträger Х-2 „Shinshin“ unternommen, auf dessen Basis ein X-3 genanntes Mehrzweckkampfflugzeug entstehen soll.

    Dass die Erfahrungen, die Japan durch die Beteiligung am F-35-Programm sammeln könnte, das X-3-Projekt forcieren würden, ist etwas, das man in Washington sicherlich nicht unberücksichtigt lässt.

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    Tags:
    Beteiligung, Programm, F-35, USA, Japan