22:34 27 November 2020
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    Peking droht mit Gegenmaßnahmen, sollte Washington neue Mittelstreckenraketen in Asien stationieren. Wie könnte China in so einem Fall den Vereinigten Staaten entgegenwirken? Wie schmerzhaft wäre die chinesische Reaktion für die Amerikaner?

    „Sie sind wie ein harter Knüppel, mit dem man einen dahergelaufenen Hund vertreibt“, sagen chinesische Generäle über die Mittelstreckenraketen DF-21 und DF-26 der Volksbefreiungsarmee. Wer der Hund sein könnte, den es eventuell zu vertreiben gilt, konnte bei einem Briefing im chinesischen Außenministerium klar werden.

    Dort erklärte kürzlich ein ranghoher Beamter, dass Peking Gegenmaßnahmen ergreife, sollte Washington neue Raketen nach Asien verlegen: „Wir werden zu Gegenmaßnahmen gezwungen sein, wenn die Vereinigten Staaten landbasierte Mittelstreckenraketen in der Asien-Pazifik-Region stationieren sollten“, sagte der Ministerialbeamte Fu Chun, zuständig für die Abteilung „Rüstungskontrolle und Abrüstung“.

    Bezogen auf den einseitigen Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag sagte er: „Aus unserer Sicht ist dies eine weitere Absage an die Einhaltung internationaler Vereinbarungen.  Das wird sich unweigerlich negativ auf die strategische Stabilität in der Welt sowie auf den Frieden und die Sicherheit in Europa und in der Asien-Pazifik-Region auswirken.“

    Wie die Reaktion der chinesischen Führung auf die etwaige Stationierung neuer US-Raketen in Asien konkret aussehen würde, sagte der Ministerialbeamte allerdings nicht. Nur so viel: „Alle möglichen Varianten kommen auf den Tisch.“ Die russische Onlinezeitung „Gazeta“ hat sich mit den möglichen Varianten befasst.

    „Die Volksbefreiungsarmee verfügt über einige Waffenmuster, die die Amerikaner beunruhigen dürften“, sagte Militärexperte Konstantin Makijenko vom Zentrum für Strategie- und Technologiestudien im Zeitungsgespräch. „Allen voran sind es die ballistischen Mittelstreckenraketen DF-21D und DF-26.“

    Also jene „harten Knüppel“, mit denen die chinesischen Strategen „Hunde“ von ihrem Land fernhalten wollen. Wie zur Beruhigung der Amerikaner sagen die Generäle in Peking aber auch, dass niemand mit dem Knüppel „das Haus angreifen wird, wo der Hund wohnt“.

    Die DF-21D und DF-26 sind in erster Linie Defensivwaffen, bestimmt zum Schutz von Küstengebieten und Territorialgewässern vor der Marine des möglichen Gegners. „In China nennt man die Raketen auch ‚Trägerkiller‘“, erläutert Experte Makijenko.

    Die beiden Waffensysteme sind hochmobil, weil auf schweren geländegängigen Fahrgestellen aufgebaut. Die Raketen selbst unterscheiden sich bei Abmessungen, Gewichten und Reichweiten.

    Technische Daten DF-21D

    • Länge: rund 10 Meter
    • Startgewicht: circa 15 Tonnen
    • Reichweite: max. 1450 Kilometer
    • Geschwindigkeit: max. 10 Mach
    • Gefechtskopf: konventionell.

    Technische Daten DF-26 (offizielle Angaben stehen noch aus)

    • Länge: rund 15 Meter
    • Startgewicht: 20 Tonnen
    • Reichweite: je nach Angaben 3500 bis 4000 oder 4500 bis 5000 Kilometer
    • Geschwindigkeit: vergleichbar DF-21D
    • Gefechtskopf: konventionell oder nuklear, von einem inertialen Navigationssystem und – im Zielanflug – von einem Zielsuchkopf gesteuert.

    Seit rund eineinhalb Jahren versieht die DF-26 ihren Dienst bei der chinesischen Armee. Die Rakete kann gezielt gegen größere und mittlere Kampfschiffe auf See eingesetzt werden, aber auch gegen Zielobjekte am Boden – etwa bei einem nuklearen Gegenschlag. Die Reichweite dieses Flugkörpers macht es theoretisch möglich, die Insel Guam zu treffen, wo sich die größte strategische Basis der Vereinigten Staaten im Pazifik befindet.

    „Nicht weniger bedrohlich sind die Fähigkeiten der strategischen Streitkräfte der Volksbefreiungsarmee“, sagt Militärexperte Makijenko. Für den strategischen Gegenschlag auf interkontinentale Entfernung verfügen die Chinesen über zwei Standardtypen von ballistischen Interkontinentalraketen: die DF-31 und die DF-31А, nach Nato-Nomenklatur CSS-9 Mod 1 und CSS-9 Mod 2. Beide Systeme sind landgestützt, aufgebaut auf Sechs- oder Acht-Achs-Lkw.

    Technische Daten DF-31 / DF-31A

    • Länge: 13 Meter
    • Startgewicht: 42 Tonnen
    • Reichweite: über 11000 Kilometer
    • Zielabweichung: circa 300 Meter.

    Außerdem ist schon die zweite Brigade der strategischen Streitkräfte der Volksbefreiungsarmee mit einer neuen Interkontinentalrakete ausgerüstet worden: mit der DF-41. Diese ballistische Rakete ist schwerer und stärker als die DF-31.

    Chinesische Regierung und Parlament (Symbolbild)
    © AP Photo / Mark Schiefelbein

    Der Gefechtskopf der DF-41 ist in zehn Subprojektile teilbar, die jeweils lenkbar sind. Damit besteht die Möglichkeit, die US-amerikanische Raketenabwehr zu überwinden. Die Reichweite der Rakete wird mit 12000 bis 14000 Kilometern angegeben: alle strategisch wichtigen Objekte auf dem amerikanischen Festland sind potenziell angreifbar.

    Die DF-41 ist die bislang mächtigste Waffe im chinesischen Atomarsenal. Stationiert ist der Flugkörper im Nordosten Chinas, in der Provinz Heilongjiang. Vorgesehen sind drei Stationierungsvarianten: im Silo, auf Fahrgestellen oder auf der Schiene – an dieser Variante arbeiten die Entwickler noch. 

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    Tags:
    DF-26, DF-21D, Rakete DF-21, Anti-Schiffs-Rakete DF-21, Mittelstreckenrakete, INF-Vertrag, USA, China