03:01 17 November 2019
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    Kommandozentrale der US-Luftstreitkräfte während einer Übung (Archivbild)

    Washington im Machtwahn: Mit global vernetztem Kriegshirn gegen China und Russland?

    © Foto: USAF / Walter Talens, SMC / PA
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    Wenn die Army die Datenwelt beherrscht, ist den USA die Weltherrschaft sicher. Davon geht das Pentagon aus. Bis 2030 will das US-Verteidigungsministerium seine Cyber-Fähigkeiten soweit ausgebaut haben, dass es möglich wird, Kriege gleichzeitig gegen Russland und China zu führen und zu gewinnen. Das Portal „Swobodnaja pressa“ berichtet.

    Vernetzte Kriege und Schlachten, die zeitgleich geführt werden, heißen im Pentagon-Sprech „Multi Domain Battles“ (eine Übersetzung erübrigt sich). Was den Sieg nach Auffassung des Pentagons sichert, ist der permanente Austausch wichtiger einsatztaktischer Daten zwischen den Einsatzkräften: Viele Truppengattungen (multi) werden zu Bereichen (domain) gebündelt, die wiederum im Kampf (battle) vernetzt werden. Die Erfolgsgarantie dieses Konzepts ist das Funktionieren eines globalen Informationsraums in Echtzeit.

    Über lokale Informationssysteme verfügt das Militär bereits. Sie umfassen Einheiten von allerhöchstens operativ-taktischer Größenordnung. Das Pentagon hat indes beschlossen, diese Einheiten zu so etwas wie einem „globalen Kriegsverstand“ zu vernetzen.

    Das System muss Künstliche Intelligenz können, anders wird es nicht gehen: IT-Soldaten sind physisch nicht in der Lage, das Informationsaufkommen zu bewältigen, das künftig auf sie zukommt. Wichtige Entscheidungen in konkreten Kriegen werden zwangsläufig an Computeralgorithmen, die „Künstliche Kriegsintelligenz“, delegiert.

    Mit der Entwicklung einer Struktur dieser Art befassen sich heute die Zukunftsforscher der US-Armee: United States Army Futures Command; in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung des Pentagons: DARPA.

    Das Fachblatt „The National Interest“ berichtet, zwei solche Multi-Domain-Einsatzgruppen sind bereits geschaffen worden, eine für Europa und eine für den Pazifikraum – eine „antirussische“ und eine „antichinesische“, wenn man so will. Alles so, wie es in der neuesten Fassung der US-Militärdoktrin steht: die größte Bedrohung für die USA seien Russland und China.

    Die Einsatzgruppen unterstützen bereits das gattungsübergreifende Kommando bei der Koordination der Kräfte zu Wasser, zu Lande und in der Luft. General John Murray, Chef des United States Army Futures Command, erklärte kürzlich laut “NI”, die Armee passe sich, in Vorbereitung auf den Krieg der Zukunft, an die Anforderungen von „Multi Domain Battles“ schnell an.

    Eine Kaderschmiede des US-Militärs, das Command and General Staff College, führt regelmäßig Planspiele durch, bei denen Algorithmen zum Einsatz kommen, die ein integraler Bestandteil der „Multi Domain Battles“ sind. Die Kämpfe werden auf weitläufigen Territorien durchgespielt, bis hin zur Arktis. Der ganze Erdball soll von Informationsnetzen des Pentagons umfasst werden.

    Befehle an die Truppen, Verbände und Einheiten bis runter zum einzelnen Soldaten erteilt dann die KI: Eine laut „NI“ unbezwingbare Schlagkraft, deren stärkste Waffe der blitzschnelle lückenlose Nachrichtenstrom sein wird.

    Aber! Zwei Multi-Domain-Einsatzgruppen auf die Beine zu stellen, ist sicherlich eine Leistung. Doch von informationeller Vernetzung aller diesen Gruppen zugehörigen Kampfeinheiten zu sprechen, wäre eine Übertreibung. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Aufgabe ist technisch, mathematisch hochkompliziert. Gegenwärtig gibt es nicht mal drahtlose Nachrichtenkanäle, die die Datenmengen in Echtzeit übermitteln könnten, die nötig wären, damit das Pentagon-Konzept wie geplant funktioniert.

    Nicht nur das: Die Nachrichtenkanäle müssen dann ja auch zuverlässig gegen Stör- und Abfangversuche ausländischer Cyber-Spezialisten geschützt werden. Und jede Hard- und Software, die den Informationsfluss vor externen Zugriffen abschirmt, verlangsamt bekanntlich die Übertragungsgeschwindigkeit …

    Auch die Fähigkeit zur Datenverarbeitung und -auswertung (die eigentliche KI) ist längst noch nicht so ausgeprägt, dass die Maschine wirklich heikle Aufgaben übernehmen könnte. In den USA und in Russland sind Datennetze gegenwärtig nur auf taktisch niederer Ebene im Einsatz.

    Nachrichten, die über diese Netzwerke ausgetauscht werden, sind im wahren Sinn Informationen: Zielkoordinaten zum Beispiel, Mitteilungen etc. Eine zweifelsohne wertvolle Unterstützung für die Kommandeure, aber eine KI, die eine Schlacht ohne menschliches Zutun führen könnte? Noch lange, lange nicht.

    Das Konzept sieht indes vor, dass an die Waffensysteme automatisch Handlungsanweisungen bis hin zum Feuerbefehl gegeben werden. Das Pentagon plant, bis 2030 einen einheitlichen Informationsraum für die gesamten Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu schaffen. Das Programm ist auch als C5ISR bekannt. Zahlreiche US-Firmen arbeiten an dessen einzelnen Segmenten.

    Die Anforderungen, vor denen sie stehen, wirken unrealisierbar. Man betrachte nur das erforderliche Datenvolumen zum Beispiel: 1022 Bytes müssen in einer Cloud in Echtzeit verfügbar sein. Die Übertragungsrate einer Faser einer Glasfaserleitung muss 1 Terabyte pro Sekunde betragen – und das auf 500 Kilometer Entfernung ohne Signalverstärker. Der satellitengestützte Datenverkehr muss bei mobilen Geräten 1 Gigabyte pro Sekunde schaffen, bei stationären Geräten - 40 Gbit/s. In unserer Gegenwart ist dies reine Science-Fiction. 

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    Tags:
    IT, Cyberkrieg, China, Russland, USA, Pentagon, DARPA, künstliche Intelligenz