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04:16 13 November 2019
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    Testflug der russischen Kampfdrohne Ochotnik

    Kampfdrohne „Ochotnik“: Russland schließt gefährliche Lücke in der Wehrfähigkeit

    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
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    Russlands erste schwere Stealth-Drohne fliegt. Beim Erstflug wurde das Gerät noch von einer Kontrollstation am Boden gesteuert. Die Zukunft ist aber autonomes Fliegen. Weitere Testflüge folgen…

    Die 20 Tonnen schwere Drohne von der Größe eines Kampfjets hebt ab, dreht einige Runden um den Flugplatz und setzt erfolgreich auf der Landebahn auf. Das war der Erstflug des russischen „Jägers“ (deutsch für „Ochotnik“), wie auf einem Video des russischen Verteidigungsministeriums zu sehen ist. Insgesamt war die Kampfdrohne laut der Behörde 20 Minuten lang in der Luft und erreichte eine Höhe von rund 600 Metern. Bis Jahresende sollen weitere Testflüge erfolgen.

    Dass das russische Ministerium keine Fakes verbreitet, können westliche Aufklärungssatelliten bestätigen: Sie haben den Erstflug der „Ochotnik“ im Süden Russlands überwachend begleitet, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“. Und westliche Medien haben das Ereignis umgehend kommentiert.

    Das Fachportal „Military Watch Magazine“ betont, die „Ochotnik“ sei wie der Kampfjet Su-57 ein von Grund auf neuentwickeltes Flugzeug, keine Weiterentwicklung eines alten sowjetischen Musters. Zwar ist noch nicht hinreichend bekannt, wie die Kampfdrohne bewaffnet sein wird. Aber man kann sich gut vorstellen, für welche Einsätze sie konzipiert wurde: Bodenkampf, Durchdringen der gegnerischen Flugabwehr, auch Missionen im Verbund mit der Su-57.

    „Weil Russland vorhat, die Su-57 zu einem Kampfflugzeug der 6. Generation weiterzuentwickeln, ist die Fähigkeit zum Zusammenwirken mit einer Drohne wie ‚Ochotnik‘ eine Kernfunktion, die den Vorsprung des künftigen Kampfjets gegenüber vergleichbaren Waffensystemen sichern wird“, schreibt das „Military Watch Magazine“.

    Das Portal „The Drive“ weist indes auf den Tarnanstrich der „Ochtonik“ beim Erstflug hin: „Es ist unklar, ob einfach das Design der Drohne optimiert wurde, oder ob es vielleicht sogar ein neuer Prototyp ist, der sich von jenem unterscheidet, der auf den Bildern im Januar zu sehen war.“

    Auch das renommierte Fachmagazin „The National Interest“ hat den Erstflug der neuen russischen Drohne ausgewertet. Die „Ochotnik“ sei von derselben Kategorie wie die chinesische „Tian Ying“ oder die amerikanische Aufklärungsdrohne RQ-170, schreibt das Blatt.

    Mit diesem Fluggerät hat die russische Kampfdrohne in der Tat eine unverkennbare Ähnlichkeit. Und vielleicht ist es nur ein Zufall, schreibt „Swobodnaja pressa“, doch die Entwicklung der „Ochotnik“ hat 2012 begonnen – rund ein halbes Jahr nachdem eine RQ-170 der US Air Force nach offiziellen Angaben in Afghanistan verschollen war. Damals erklärte das iranische Militär, die Drohne unter Einsatz russischer Elektronik abgefangen zu haben.

    Wie die RQ-170 ist auch die „Ochotnik“ ein Nurflügler. Dass die Konstrukteure von Suchoi diese Bauweise realisieren konnten, bedeutet, dass sie es geschafft haben, das Problem der aerodynamischen Instabilität zu lösen. Der erste Nurflügler, der im echten Luftkampf eingesetzt wurde, war die amerikanische F-117A: eine Maschine voller Elektronik, die nur dazu diente, sie im Flug stabil zu halten.

    Diese hochkomplexe Avionik war ein technischer Durchbruch – und ein Grund für die immensen Kosten der F-117A von damals 111 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Die Entwicklung der „Ochotnik“ hat bisher umgerechnet 25 Mio. Dollar gekostet.

    Gerechtigkeitshalber muss man aber sagen, dass die russische Kampfdrohne bei Tarnkappeneigenschaften noch verbesserungsfähig ist: Die Triebwerkdüse der „Ochotnik“ weist in ihrer jetzigen Form sicherlich eine ordentliche Radarsignatur auf. Doch ist dieses Problem eines der vergleichsweise lösbaren. Sehr viel wichtiger ist die Frage nach der Steuerung der neuen Drohne.

    Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde die „Ochotnik“ beim Erstflug von einer Bodenstation aus ferngesteuert. Es war kein autonomer, von Algorithmen einer bordeigenen KI gesteuerter Flug. Die Fähigkeit zu autonomen Operationen muss die „Ochotnik“ erst entwickeln.

    Ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums sagte dazu laut Medienberichten Folgendes: „Die Möglichkeit eines komplett autonomen Fluges wird gerade geprüft. Das heißt, das Fluggerät würde ohne Eingriff eines Systemoperators starten, ein Flugprogramm durchführen und wieder landen“.

    Wenn die russischen Wehrtechniker an einer solchen Option tatsächlich arbeiten, dann schließen sie eine gefährliche Lücke in der Wehrfähigkeit Russlands. Die USA dürfte das beunruhigen.

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    Verteidigungsministerium Russlands, Testflug, Russland, Kampfdrohne, Ochotnik