14:50 07 Dezember 2019
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    Modell der Kampfdrohne S-70 „Ochotnik“

    Experten aus China: Russlands neue Kampfdrohne braucht noch einen Schliff

    © Sputnik / Witalij Belousow
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    Deutschland hatte vor langem mit Nurflüglern experimentiert. Die USA setzen auf Nurflügler als Bomber. Auch Russland hat vor kurzem eine Mehrzweckdrohne als Nurflügler erprobt. Nurflügler sind das Zukunftskonzept der militärischen Luftfahrt. Aus der Sicht chinesischer Kollegen muss das russische Fluggerät allerdings noch optimiert werden.

    Ein vertikales Leitwerk fehlt, ein Rumpf von großem Querschnitt auch – und für den Auftrieb sorgen keine Tragflächen, sondern das Fluggerät an sich: ein Nurflügler ist auf den geringstmöglichen Luftwiderstand und auf hohe Effizienz zugeschnitten. Im Unterschallbereich kommt der Vorteil dieser Auslegung voll zum Tragen. Zudem können bei der Bauweise die Lufteinlässe der Triebwerke rücklings angebracht und Formen mit großer Radarsignatur vermieden werden, gleich: Tarnkappenfähigkeit.

    Deshalb setzen Luftstreitkräfte aller großen Länder auf Nurflügler als Kampf- oder Aufklärungsdrohnen. Die X-47B und RQ-170 sind es bei den Amerikanern, die „Neuron“ bei den Franzosen, die „Taranis“ bei den Briten. Russland ist mit größerer Verspätung seit kurzem mit von der Partie.

    Das russische Verteidigungsministerium hat am 7. August ein Video veröffentlicht, auf dem die Kampfdrohne S-70 „Ochotnik“ beim Erstflug zu sehen ist. Dieser hatte nach offiziellen Angaben vorher schon, am 3. August, stattgefunden. Die Drohne mit der Bordnummer 071 (war deutlich am Rumpf zu erkennen) startete offensichtlich ohne Nachbrenner: Die Düse des Triebwerks war beim Start verengt.

    Den 20-minütigen Flug absolvierte die Drohne mit ausgefahrenem Fahrwerk. Beim Erstflug eines Luftfahrzeugs nichts Ungewöhnliches, sagte ein chinesischer Experte im Interview mit der Zeitung „Huanqiu Shibao“. So würden zusätzliche Risiken vermieden, sollte das Fahrwerk beim Landeanflug nicht ausfahren oder nicht einrasten.

    Auf dem Video war auch zu erkennen, dass an dem Nurflügler zwei Pitotrohre montiert waren, die auf den früher veröffentlichten Fotos der „Ochtonik“ nicht zu sehen sind. Auch das sei für einen Erstflug ganz normal, sagte der Experte im Zeitungsgespräch: Die zusätzlichen großen Druckmesser sind weniger empfindlich für die Luftwirbel, die am Rumpf entstehen, und messen die Druckverhältnisse präziser.

    Die Zeitung „China Times“ aus Taiwan nennt mit Verweis auf Agenturmeldungen technische Daten der Drohne: 20 bis 25 Tonnen schwer, in der Breite größer als die russischen Kampfjets Su-35 oder Su-57 – und damit insgesamt größer als die amerikanische Drohne X-47B.

    Die Zeitung geht sogar so weit, die „Ochotnik“ als einen Prototyp für den russischen Kampfjet der 6. Generation zu bezeichnen. Eine strittige Einschätzung. Denn mit größerem Tempo schwinden die Vorteile eines Nurflüglers rapide: Weil die Heckflosse fehlt, verliert das Fluggerät im Überschallbereich zunehmend an Stabilität – für ein Jagdflugzeug inakzeptabel.

    Deshalb bleibt der Auftrag von Nurflüglern in Zukunft: Aufklärung, Überwachung, Bodenkampf. Das gilt auch für die „Ochotnik“, wie das russische Verteidigungsministerium erklärte. Demnach soll die russische Drohne hauptsächlich dazu dienen, mit einer Vielzahl von Sensoren Informationen zu beschaffen, durch Foto-, Infrarot- und Signalaufklärung.

    Im Übrigen sieht die „China Times“ Verbesserungsbedarf an der russischen Drohne. Der Erstflug der S-70 sei zwar ein „historisches Ereignis“, aber deren Konstruktion und echte Kampfeigenschaften seien „noch nicht perfekt“.

    Die Entwickler müssten noch an den Tarnkappenfähigkeiten der „Ochotnik“ arbeiten: Etliche Lufteinlässe und Antennen am Rumpf erhöhen die Radarsignatur und das Triebwerk AL-31F (wie bei den Kampfjets der Su-27-Reihe) wirkt laut dem Blatt, als würde es ins Gesamtkonzept der Drohne nicht hineinpassen. Die Düse muss modifiziert werden, damit das Fluggerät auch im Heck eine geringe Radarsignatur aufweist – eine für Russland laut dem Blatt lösbare Aufgabe.

    Die Konstruktion der S-70 macht insgesamt einen unausgereiften Eindruck. Wahrscheinlich ist die „Ochotnik“, so wie sie gegenwärtig ist, nur eine Zwischenetappe in der Entwicklung einer vollwertigen Kampfdrohne, schreibt „China Times“. Damit die Entwicklung gelingt, müssen Testflüge erfolgen. 

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    Tags:
    Ochotnik, Kampfdrohne, China, Russland