SNA Radio
    Der russische Kampfjet 5. Generation Su-57 beim Militärflugwettbewerb Awiadarts

    5. Kampfjetgeneration: Was ist die allerwichtigste Fähigkeit?

    © Sputnik / Maxim Blinow
    Technik
    Zum Kurzlink
    17805

    Es braucht ein weitverzweigtes Netz von Flugplätzen, damit die Luftstreitkräfte eines Landes angemessen schnell auf Bedrohungen reagieren können – eine aufwändige Infrastruktur, die große Investitionen erfordert. Doch es gibt Alternativen, schreibt das Portal „Army News“: Man verlange den Kampfjets extra Höchstleistungen ab.

    Was ein Kampfflugzeug der 5. Generation zu einem solchen macht, ist schon eingehend diskutiert worden. Man kennt die Anforderungen: Super-Cruise, Stealth, extreme Wendigkeit, Hightech im Cockpit, präzise Waffen. Von einem Parameter der 5. Kampfjetgeneration hört man jedoch selten bis nie etwas: von den Start- und Landeeigenschaften. Dabei können gerade sie im echten Konflikt entscheidend sein.

    Analysen gegenwärtiger Konflikte und Entwürfe künftiger Kriegsszenarien zeigen, dass es immer wichtiger wird, frühzeitig die Lufthoheit über einem Kriegsgebiet zu erringen. Zu erreichen ist dies durch die Vernichtung oder die Blockade gegnerischer Luftstreitkräfte: also durch massive Bomben- und Raketenschläge gegen Flugplätze, Flugzeugträger, Stützpunkte, Flugabwehrstellungen. Es kommt darauf an, möglichst viel zu zerstören, bevor gegnerische Flugzeuge überhaupt starten können.

    Flugplätze müssen übrigens nicht komplett zerbombt werden: Einsatzerfahrungen aus Irak und Jugoslawien belegen, dass ein paar Bombenkrater auf der Start- und Landebahn eines strategisch wichtigen Fliegerhorsts die Luftwaffe eines Landes paralysieren können.

    Und Kampfjets, die einen Luftangriff überstanden haben sollten, können dann erst abheben, nachdem die beschädigte Piste wieder geflickt worden ist – nach einem, wenn nicht nach mehreren Tagen. Bei dieser Überlegung ist noch unberücksichtigt, dass ein starker Gegner es nicht bei einem Raketenangriff belässt, sondern die Zielobjekte in mehreren Sturmwellen immer wieder bombardiert.

    Insofern: Die direkten Einbußen einer Luftwaffe infolge von Raketenschlägen gegen die Bodeneinrichtungen können höher sein als die Verluste unmittelbar im Einsatz. Bei einem Überraschungsangriff ist gemäß einer Faustregel davon auszugehen, dass rund 50 Prozent der Einsatzkräfte einer Luftwaffe noch am Boden vernichtet werden. 20 Prozent sind es immerhin, wenn vor einer Attacke rechtzeitig gewarnt werden kann.

    Fünf Minuten bis zum Ziel

    Eine technisch hochwertige Flugabwehr ist natürlich ein gutes Mittel, die Zerstörung und Blockade der eigenen Luftwaffe abzuwenden. Die andere Möglichkeit ist die Verbesserung der Start- und Landeeigenschaften der Kampfjets.

    Mit gegenwärtig verfügbaren Technologien ist es möglich, den Startanlauf eines Kampfjets auf 50 Meter zu verringern. Und dank Senkrechtlandung kann die Maschine auch dort Fuß fassen, wo es keine funktionstüchtige Flugpisten, aber flache Stellen gibt: Straßen, Parkplätze, Gewerbegebiete, zur Not auch Felder und Wiesen.

    Diese Fähigkeit von Kampfjets ist gemeinhin als STOVL bekannt: Short Take-Off and Vertical Landing – Kurzstart und Senkrechtlandung. Flugzeuge mit dieser Eigenschaft können nicht nur einem Überraschungsangriff auf die Bodeninfrastruktur einer Luftwaffe entkommen, sie können auch unter ziemlich spartanischen Bedingungen eingesetzt werden, wenn geeignete Start- und Landebahnen fehlen.

    Nicht nur das. Die STOVL-Fähigkeit erhöht die Einsatzeffektivität von Kampfflugzeugen: Wegen schnellerer und deshalb häufigerer Starts kann sich die Zahl von Kampfeinsätzen verdoppeln bis verdreifachen.

    Flugdeck-geeignet

    Kampfflugzeuge, die auf Flugzeugträgern konventionell landen sollen (durch abruptes Abbremsen mit Fangseilen), müssen entsprechend modifiziert werden – zum Beispiel durch Veränderungen der Klappenmechanik an den Flügeln zur besseren Bremswirkung.

    Trotzdem landen Bordflugzeuge immer noch bei relativ hohen Geschwindigkeiten. Eine Suchoi Su-33 etwa setzt mit 240 Stundenkilometern auf dem Flugdeck auf, bei einem Landegewicht von über 22 Tonnen. Dass Fangseile unter Einwirkung solcher Kräfte reißen, passiert regelmäßig – mit allen daraus resultierenden Schäden und Verlusten.

    STOVL-Flugzeuge können auch auf Flugzeugträgern effektiv genutzt werden, jedenfalls ohne Startkatapult, ohne Fangseil und ohne gefährliche, wetterabhängige Landemanöver. Auch deshalb gebietet es sich, die Fähigkeit zum Kurzstart und zur Senkrechtlandung in den Anforderungskatalog eines Kampfjets der 5. Generation aufzunehmen. Die STOVL-Eigenschaft ist nicht nur wichtig, sie ist grundlegend für die Erhöhung des Einsatzwertes und die optimale Nutzung der Maschine.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Jugoslawienkrieg, USA, Russland, Su-33, Kampfjet