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    Der Langstreckenbomber Tu-22M3M vor dem Testflug (Archivbild)

    Tempo, Weite, Präzision: Die „Backfire“-Story eines Sowjet-Bombers

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    Nikita Chruschtschow mochte Flugzeuge nicht besonders. Raketen waren ihm lieber. Als die sowjetische Luftwaffe in den Sechzigerjahren einen neuen Bomber brauchte, war Geld für eine Neuentwicklung nicht zu bekommen. Also mussten die Entwickler tricksen, schreibt das Portal „Armystandard“.

    Der Bomber Tu-22M, die Allzweckwaffe der russischen Fernfliegerkräfte, trägt eine Bezeichnung, als wäre er eine Modernisierung der Tu-22. Eine Modernisierung heißt üblicherweise: Anpassung an neue Waffen, Verbesserung bei Steuerung und Navigation, vielleicht eine neue Elektronik, wenn es hochkommt.

    Aber die Tu-22M sieht so ganz anders aus als die Vorgängerin: die Anordnung der Triebwerke, die Tragflächen, das Fahrwerk – die komplette Zelle ist anders, größer und schwerer. Und doch hat die Bezeichnung eine Berechtigung: Das „M“ ist eine Tarnung. Für die Neuentwicklung eines Bombers hätte die Sowjetführung in den Sechzigerjahren kein Geld freigegeben, für die Modernisierung der Tu-22 schon. Also taten die Entwickler so, als würden sie modernisieren…

    Der sowjetische Langstreckenbomber Tu-22 (Archivbild)
    © Sputnik / N. Werintschuk
    Der sowjetische Langstreckenbomber Tu-22 (Archivbild)

    Was dabei herauskam, versetzte das Pentagon in Unruhe. Die Tu-22M konnte in der Luft betankt werden und war mit ihren neuen Waffen eine große Gefahr für die Trägerkampfgruppen der US Navy. Die Amerikaner wedelten mit dem SALT-Vertrag und bestanden darauf, die Reichweite des strategischen Bombers zu beschränken.

    Die Luftbetankungssonde der Tu-22M wurde entfernt, die Reichweite des Bombers betrug danach nur noch 2.000 Kilometer – von strategischer Verwendung konnte keine Rede mehr sein. Die Maschine wurde zu einem Mittelstreckenbomber. Auch dessen Upgrade-Version, die Tu-22M3, kommt ohne die Betankungssonde daher.

    Zwei Tu-22M der sowjetischen Luftstreitkräfte im Flug (Archivbild)
    © Sputnik / Sergej Skrynnikow
    Zwei Tu-22M der sowjetischen Luftstreitkräfte im Flug (Archivbild)

    Bis heute wirken diese Flugzeuge auf mittlere Distanz. In Syrien etwa flogen die Tu-22M3 der russischen Luftstreitkräfte mehrere Einsätze gegen IS-Stellungen. Die Bordsysteme der Maschine können die Abwurfstelle von gewöhnlichen Fliegerbomben so genau bestimmen, dass man von Präzisionsschlägen sprechen kann. Dutzende Faktoren werden bei der Berechnung berücksichtigt: Fluggeschwindigkeit, Höhe, Windrichtung, weitere Wetterdaten etc.

    Damit sind die schlechten Nachrichten für Russlands potenzielle Gegner aber nicht vorbei. Seit Ende letzten Jahres testet der Tupolew-Konzern die Tu-22M3M: neue Bordelektronik, computergestützte Steuerung, verbessertes Feuerleitsystem, eine EloKa-Anlage, die zum Selbstschutz die Abfangraketen des Gegners irremacht – und ein erweitertes Arsenal.

    Die Lenkwaffe Ch-55, hochpräzise Bomben, die Antischiffsrakete Ch-32 und sogar die hyperschallschnelle „Kinschal“ – das alles kann die Tu-22M3M einsetzen. Ist der Bombenschacht voll, kann der Bomber ein paar „Kinschal“-Raketen auch an den Außenlaststationen unter den Tragflächen aufnehmen. Die fliegen im Einsatz mit 10 Mach ins Ziel, auf eine Distanz von 2.000 Kilometer.

    Aber die böseste Überraschung für den Gegner ist eigentlich unspektakulär: Die Tu-22M3M ist dank einer Sonde luftbetankungsfähig und damit wirklich Langstreckenbomber. Das ganze Schwarze Meer und halb Europa kann diese Maschine sicher unter Kontrolle halten.

    Was den USA besonders missfällt: Die russischen Tu-Bomber sind inzwischen wieder auf der Krim beheimatet, wo sie zu Sowjetzeiten schonmal stationiert waren. Und sollte die Tu-22M3M etwa nach Kirgisien verlegen, dann könnte die russische Luftwaffe sogar Ziele im Persischen Golf oder Indischen Ozean erreichen – ohne dass die Flugzeuge dafür den Luftraum ehemaliger Sowjetrepubliken verlassen müssten. Ein Wink mit dem Zaunpfahl für die aufdringlichen Flugzeugträger der US Navy.

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    Tags:
    UdSSR, Sowjetunion, Flugzeugbauer Tupolew, Tu-22, Tu-22M3