01:57 17 November 2019
SNA Radio
    Raketenstart während der Übungen in Russland (Archiv)

    Russische Raketen – angebliche und tatsächliche: Militärexperten klären auf

    © Sputnik / Sergej Piwowarow
    Technik
    Zum Kurzlink
    Von
    1023311
    Abonnieren

    Als inkompetente Äußerung bezeichnete der Militärexperte Viktor Litowkin die Erklärung des US-Präsidenten Trump, der die These der amerikanischen Zeitung „The New York Times“ wiederholte, bei dem jüngsten Zwischenfall auf dem militärischen Testgelände bei Sewerodwinsk sei es um einen Marschflugkörper mit Nuklearantrieb vom Typ Burewestnik gegangen.

    „Wir wissen, dass Trump alles Mögliche sagen kann“, so der Experte im Sputnik-Gespräch. „Den Amerikanern ist das Wort Burewestnik bekannt, also sprechen sie es aus, um ihre Sachkenntnis zu zeigen. Trump hat ja 17 Aufklärungsdienste. Welcher davon ihm was berichtet hat, wissen wir nicht. Es ist uns aber im Gedächtnis, wie Trump eingeredet wurde, Russland hätte angeblich an der Präsidentschaftswahl teilgenommen und ihn gewählt. Anderthalb Jahre lang hat man sich damit abgeplagt. Es stellte sich heraus, dass Russland mit seiner Wahl nichts zu tun hatte.“

    „Auf dem einschlägigen Testgelände werden in der Regel ballistische Raketen für nuklear angetriebene U-Boote getestet“, erläutert Litowkin. „Wir haben Raketen mit Feststoffantrieb für U-Boote vom Typ Bulawa, haben auch eine Flüssigkeitsrakete, die vom Raketenbau-Zentrum Miass für neue U-Boote entwickelt wird, die sich erst in der Entwurfsphase befinden. Ich schließe nicht aus, dass gerade eine solche Rakete getestet wurde.“

    Laut dem russischen Verteidigungsministerium handelt es sich dabei um ein Flüssigkeitsraketentriebwerk mit Radionuklidbatterien. Und zum Aufwärmen dieses Antriebs wird Kernmaterial verwendet, behauptet Litowkin. „Bei diesen Arbeiten kam es offenbar zu einem Oxidationsmittel- und Kraftstoffverlust. Es handelt sich dabei um die toxischen chemischen Verbindungen UDMH und Stickstofftetroxid. Sie sind sehr flüchtig, und eine Folge ihrer Verbindung miteinander waren offenbar Explosion und Entflammung infolge der hohen Temperaturen, die dabei entstehen.“

    Die Rakete des Typs Burewestnik (Nato-Codename Skyfall) vor dem Teststart (Standfoto)
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands / Handout
    Was aber die Burewestnik-Rakete angehe (Nato-Codename Skyfall), so sei sie keine Hyperschallrakete. Neu an ihr sei nicht das, sondern ihr Kernantrieb. Für diese Technologie werde in Russland wie in den USA geforscht, und zwar seit langer Zeit. In Russland seien gerade die entsprechenden Arbeiten wiederaufgenommen worden. Der Chefredakteur der Zeitschrift „Arsenal des Vaterlands“, Viktor Murachowski, kommentiert:

    „Nachdem die USA aus dem ABM-Programm ausgestiegen waren, intensivierten wir die Entwicklung von Hyperschallwaffen, die alle Raketenabwehrsysteme überwinden können. Die Amerikaner sahen das und intensivierten ebenfalls in ihre Entwicklungen. In welcher Phase befindet sich dies alles jetzt? Ich sage mal so, es ist eine Vorbereitungsphase von Entwürfen und Versuchsmustern. Flugversuche sind ungefähr für 2020 oder 2021 eingeplant.“

    Der Projektdirektor des Analysezentrums für politische Studien, Wadim Kosjulin, berichtete den russischen Medien von den Eigenschaften der Burewestnik wie folgt: „Diese Rakete kann praktisch uneingeschränkt weit fliegen, kann die ganze Erde umkreisen. Diese Möglichkeit verdankt die Rakete gerade dem Kernantrieb. An ihm hatte man noch zu Sowjetzeiten, in den 70er Jahren gearbeitet. Er wurde praktisch fertiggestellt, aber zu dem Zeitpunkt gelang ein entscheidender Durchbruch auf dem Gebiet der ballistischen Raketen und dieses Projekt wurde aufgegeben, weil es damals strategisch sinnlos geworden war. Die ballistischen Raketen schienen damals eine zuverlässige Alternative zu bieten.“

    Inzwischen gebe es aber ein solides Abwehrmittel gegen ballistische Raketen, so Kosjulin. „Das sind die Raketenabwehrsysteme. Da aber Marschflugkörper eine große Flugweite haben, können sie alle bekannten Raketenabwehrzonen umfliegen. Auf Diskussionsplattformen wird diese Frage ausführlich besprochen.“

    Dennoch kann die Burewestnik laut Litowkin die ballistischen Raketen nicht ersetzen, da man viele davon braucht. „Gemäß dem New-START-Vertrag dürfen 700 solche Raketen stationiert werden. In Russland sind es gegenwärtig, offenen Quellen zufolge, nur 524. Dazu gehören allerdings nicht nur Raketen“, räumt der Experte ein. „Darüber hinaus sind es 16 strategische Überschallbomber Tu-160 und etwa 60 Langstreckenbomber Tu-95MS. Im Vertrag sind nämlich nicht nur Raketen, sondern auch die sie tragenden Flugzeuge verzeichnet. Dabei wird die Raketenzahl bei jedem Flugzeug nicht festgelegt. Gewöhnlich sind es bis zu 18.“

    Was Trumps Erklärung betrifft, die USA würden anheblich über eine „ähnliche, aber bessere Technologie“ verfügen, meinte Litowkin: „Die USA haben nichts, was mit unserer Hyperschallrakete Kinschal (Dolch) vergleichbar wäre, die schon von den Streitkräften in Gebrauch genommen worden und in Alarmbereitschaft ist. Oder auch mit dem Kampfteil des Hyperschall-Gleitflugkörpers vom Typ „Avantgarde“, der eine Geschwindigkeit von Mach 27 entwickeln kann. Auch haben wir das alles mehrmals beim Fliegen demonstriert. Gegen Jahresende sollen zwei Raketen mit Avantgarde bestückt und im Gebiet Orenburg stationiert werden. Der dazu gehörende Raketenträger heißt UR-100N UTTH (Nato-Codename SS-19 Stiletto). Die USA haben nicht auch nur annähernd Ähnliches vorzuweisen. Sie bringen keine einzige Hyperschallrakete zustande. Fummeln an ihr herum und kommen zu keinem Ergebnis.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Kernwaffen, Explosion, Marschflugkörper Burewestnik, Russland, USA