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13:02 23 September 2019
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    Russland Schiffe beim Feiertag der Seestreitkräfte (Archiv)

    Verkehrte Welten: US Navy und Russlands Flotte im Vergleich

    © Sputnik / Alexej Danitschew
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    Die US Navy setzt auf schwere Schlachtschiffe und große Flottenverbände. Damit sichert Amerika seinen Weltmachtanspruch. Anders macht es die russische Marine: Kleinere Kampfschiffe, die präzise zuschlagen können, sollen Russlands Grenzen sichern. Zwei Seestreitkräfte so unterschiedlich wie die wehrpolitischen Grundsätze Moskaus und Washingtons.

    Das typische Kampfschiff der Navy kennt alle Welt: ein Flugzeugträger, begleitet von Kreuzern und schweren Zerstörern mit mindestens 9.000 Tonnen Gewicht. Von den schweren Schiffen hat die amerikanische Marine über 100 Stück, von den kleineren nur ein paar Dutzend.

    Das typische Kampfschiff der russischen Seestreitkräfte ist mindestens zwei Klassen leichter: eine Korvette mit einer Wasserverdrängung von höchstens 5.000 Tonnen – nach russischer Bezeichnung „Lenkwaffenboot Klein“. Entsprechend umgekehrt ist auch das Verhältnis von Groß- und Kleinschiff: zwei Dutzend Fregatten, Zerstörer und Kreuzer bei rund 150 Korvetten, Schnellbooten und Minenjägern hat Russlands Marine.

    „Die amerikanische und die russische Marine sind Gegensätze, die die Strategie, die Industrie und die Geografie des jeweils eigenen Landes spiegeln“, schreibt die Zeitschrift „The National Interest“.

    Die US Navy diene dazu, die interventionistische Politik Washingtons durchzusetzen. Deshalb brauche sie große Schiffe, um auf Weltmeeren präsent zu sein. Eine technologie-intensive Industrie bilde das Rückgrat des amerikanischen Schiffbaus. Anders die russische Flotte, schreibt „NI“: Sie müsse auf veraltete Werften zurückgreifen, die nur kleinere Schiffe bauen könnten.

    Als Beispiel nennt das Fachblatt den Atomkreuzer „Kirow“: Im April dieses Jahres hat die russische Führung beschlossen, das schwere Schlachtschiff nicht zu modernisieren, sondern zu verschrotten, um Kosten zu sparen.

    Dass die russische Marine auf kompaktere Kampfschiffe setzt, liegt auch an Russlands geografischer Beschaffenheit – namentlich: außer zum Pazifik, hat Russland keinen direkten Zugang zu den Ozeanen, erklärt Admiral Wladimir Komojedow, ehemaliger Chef der russischen Schwarzmeerflotte, im Sputnik-Gespräch. „Deshalb betreibt die russische Führung vor allem den Bau von kleineren und wendigeren Schiffen.“

    Die USA hätten aber andere Voraussetzungen: „Weil die Vereinigten Staaten einen direkten Zugang zum Pazifischen und zum Atlantischen Ozean haben, bauen sie Flugzeugträger.“ Darauf reagiert Russland mit der Entwicklung von Lenkwaffenschiffen, wie der Experte erklärt. „Die russische Marine entwickelt Taktiken gegen Flugzeugträgerverbände.“

    Die Unterschiede zwischen der amerikanischen Navy und der russischen Flotte sind aber auch politisch bedingt, sagt Dr. Alexej Podberjoskin, Direktor des Zentrums für militär-politische Studien an der Diplomatenschule MGIMO, im Sputnik-Gespräch. „Die Struktur und das Wesen einer Armee, auch einer Marine werden von der Militärdoktrin eines Landes bestimmt, von den Zielen, die die Landesführung setzt.“

    Die US Navy ist wie sie ist, weil die USA einen globalen Machtanspruch für sich behaupten. „Die amerikanische Marine steht und fällt mit den 10 Trägerkampfgruppen, die weltweit operieren. Jede davon ist eine kleine weitestgehend selbständige Flotte.“ Allein die Präsenz einer Trägerkampfgruppe in einer Region reicht laut dem Analysten aus, um die „US-Politik des gewaltsamen Drucks“ durchzusetzen.

    „Russland ist indes in einer ganz anderen Lage“, sagt der Experte. „Moskaus politische Ambitionen sind unvergleichlich bescheidener – und die Möglichkeiten geringer. Unsere Flotte ist quasi ein Spiegelbild der Navy. 75 Prozent amerikanischer Kampfschiffe zählen zur schweren Gewichtsklasse, 25 Prozent sind kleinere Schiffe. Das Verhältnis ist bei der russischen Flotte exakt umgekehrt.“

    Der russischen Marine geht es vorrangig um den Schutz der Landesgrenzen: „Obwohl russische Kampfschiffe auch Fernfahrten und Ferneinsätze unternehmen, kann von globalem Machtanspruch keine Rede sein.“

    Letztes Jahr hat Russlands Marine lediglich vier neue Kampfschiffe erhalten, allesamt Korvetten. Kampfstark sind die russischen Korvetten trotzdem, ungeachtet ihrer geringen Größe, schreibt „The National Interest“ mit Verweis auf den Einbezug der kaspischen Flottille am Syrien-Einsatz der russischen Streitkräfte: Vor wenigen Jahren haben russischen Korvetten vom Kaspischen Meer aus Terrorstellungen in Syrien mit Lenkwaffen beschossen – ohne russische Territorialgewässer verlassen zu haben.

    Rein zahlenmäßig ist die russische Marine den Seestreitkräften der Vereinigten Staaten oder Chinas laut dem Fachblatt unterlegen. 2019 zählt Russlands Flotte insgesamt 360 Schiffe – Chinas Flotte hat knapp 620. Die US-Navy kommt zwar nur auf 330 Kampfschiffe, aber sie sind mit Abstand schwerer als die Kampfschiffe Russlands oder Chinas: Alle Schiffe der amerikanischen Marine sind zusammen 4,6 Mio. Tonnen schwer, die chinesische Flotte verdrängt 1,8, die russische 1,6 Mio. Tonnen.

    Insgesamt ist bei der russischen Marine deutlich eine bestimmte Tendenz zu erkennen, schreibt „The National Interest“: Alte Kampfschiffe werden ausgemustert und durch kompaktere Schiffe ersetzt. „Was einst eine globale Schlagkraft war, wird zunehmend zu einer Regionalflotte.“ 

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    Tags:
    Vergleich, Seestreitkräfte, USA, Russland