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    Pilot im Kampfflugzeug Su-30M2 (Archiv)

    Fit für den Export: Wo ist der Zukunftsmarkt für russische Kampfjets?

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    Der Kampf führender Flugzeugbauer um die Hoheit auf Exportmärkten spitzt sich zu, auch weil herkömmliche Bündnisse und Allianzen ihren Mitgliedsländern längst nicht mehr den Halt geben, den sie versprechen. Für die hochentwickelten Allrounder von Suchoi und MiG eröffnen sich neue Möglichkeiten, schreibt das Portal „Topwar“.

    Eine Vorstellung von den hochgesteckten Zielen der türkischen Führung im Flugzeugbau erhielt die Weltöffentlichkeit auf der letzten Luftfahrtmesse in Le Bourget. Eine tarnkappenfähige Waffenplattform soll es werden, ein Kampfjet der 5. Generation: ein TF-X.

    Doch war das Management des TAI-Konzerns (Turkish Aerospace Industries) bei der Präsentation eines Mockups der Zukunftsmaschine ganz ehrlich: mit einem flugfähigen Prototyp sei vor 2025 nicht zu rechnen, mit einer einsatzfähigen Maschine nicht vor 2028.

    Einen Ersatz für ihre jetzigen Kampfjets braucht die türkische Luftwaffe indes so bald als möglich. So schreiben und sprechen die (vor allem türkischen) Medien darüber, ob Ankara russische Kampfjets kaufen könne. Eine Favoritin sei die Su-35S.

    Militärangehörige, die für die Beschaffung von Wehrtechnik verantwortlich zeichnen, sind laut Medienberichten mit der Führung des türkischen Verteidigungsministeriums darüber im Gespräch. Geben die ihr Okay, können Verhandlungen mit Moskau beginnen. Russische Technologiekonzerne, namentlich das Management von Rostec und UAC, dem Luftfahrtkonzern, haben ihrerseits die Bereitschaft dazu signalisiert.

    Eine Hürde für den Export russischer Kampfjets in die Türkei ist jedoch die: Die türkischen Luftstreitkräfte setzten gegenwärtig fast ausschließlich US-Flugzeuge ein. Veteranen wie die F-4 und F-5 leisten noch Dienst in der Türkei, etwas jünger sind die türkischen F-16.

    Entsprechend angepasst ist die Infrastruktur der türkischen Luftwaffe: der Betrieb und die Wartung der Maschinen, die Ausbildung der Piloten sind auf die US-Technik ausgerichtet. Stellt die Türkei ihre Luftwaffe auf russische Flugzeuge um, muss auch die über Jahrzehnte entstandene Infrastruktur umgerüstet werden.

    Würde Ankara sich auf diesen finanziellen und technischen Aufwand einlassen? Eine offene Frage, deren Beantwortung indes ohnehin überflüssig erscheint, solange die türkische Führung noch einen Funken Hoffnung hat, die F-35-Jets aus den USA zu erhalten, die Präsident Trump seinem Nato-Partner verweigert.

    Um die Ecke, südöstlich der Türkei ist ein anderer potenzieller Exportmarkt für Suchoi und MiG zu finden: Iran. Überaus interessiert ist die iranische Führung an den Mehrzweckjägern Su-30SM. Denn die iranischen Luftstreitkräfte von heute sind ein wilder Mix von veralteten Kampfjets aus Amerika, Russland und China sowie ihren selbstgebauten Kopien.

    Moskau hätte, für sich genommen, sicherlich kein Problem mit einer russisch-iranischen Rüstungskooperation, wäre da nicht der Einwand eines Waffenembargos, das die Vereinten Nationen über Iran verhängt haben.

    Ein Datum ist dabei entscheidend: der 18. Oktober 2020. An dem Tag läuft das Embargo, wie Außenminister Mike Pompeo kürzlich erinnerte, ab. Die Gelegenheit nicht zu verpassen, ist Russland sehr wichtig. Die Risiken eines Rüstungsgeschäfts mit Teheran nicht aus den Augen zu verlieren, auch.

    Denn der Export von Kampfjets in den Iran kann – das muss Moskau klar sein – das Verhältnis zu den USA zusätzlich belasten. Die iranischen Streitkräfte zu stärken, ist aus der Sicht Washingtons eine größere Anmaßung als Flugabwehrsysteme S-400 in die Türkei zu liefern.

    Dass es für Washington keine Anmaßung ist, Taiwan trotz heftigen Einspruchs aus Peking mit F-16-Kampfjets zu beliefern, versteht sich dabei von selbst. 66 dieser amerikanischen Mehrzweckjäger soll die Insel erhalten, sofern der US-Kongress dem Waffengeschäft zustimmt.

    China hat bereits „harte Gegenmaßnahmen“ angedroht. Und Russland hat dieser waffentechnischen Expansion der Vereinigten Staaten etwas entgegenzusetzen: langzeiterprobte und in echten syrischen Einsätzen bewährte, hochmoderne Kampfflugzeuge.

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    Tags:
    F-35, F-16, Su-35S, TF-X, Luftwaffe, USA, Iran, Türkei, Russland